Barrierefreiheit

Körber-Haus: Nur wer gut zu Fuß ist, schafft es hinein

Plangemäß abenteuerlich: die Zufahrt zum Körber-Haus über die Holzhude.

Plangemäß abenteuerlich: die Zufahrt zum Körber-Haus über die Holzhude.

Foto: Treibhaus

Bergedorf. Mobilitätseingeschränkte Besucher werden ihre liebe Mühe mit dem neuen Körber-Haus haben: Nur ein langer Fußweg führt dorthin.

Bergedorf.  Ein generationsübergreifendes Kultur- und Begegnungszentrum mit Theatersaal, Bücherhalle, Seniorentreff – aber ohne barrierefreien Zugang für bewegungs-beeinträchtigte Gäste? Einige Bezirkspolitiker im Stadtentwicklungsausschuss zeigten sich ausgesprochen erstaunt über die aktuellen Pläne des Architekturbüros Treibhaus zum Körber-Haus. Landschaftsplaner Stefan Stitz vom Bezirksamt präsentierte sie den Fachpolitikern.

Kein Platz für Parkplatz

Tatsächlich ist das Problem eines barrierefreien Zugangs derzeit noch ungelöst, denn das neue Körber-Haus, niedriger und flächiger geplant als ganz zu Beginn, nimmt fast den kompletten Raum der Halbinsel im alten Bergedorfer Hafen ein. Für den bisherigen Parkplatz, den das alte Lichtwarkhaus mit Zufahrt über die Holzhude bot, ist da kein Platz. Und die Fußwege zum Körber-Haus aus Richtung Norden von der Bergedorfer Straße sind mehr als 50 Meter weit.

Verschlungener Weg durch die Hotel-Garage

„Gehbeeinträchtigte Personen können sich bis zur Straße Am Schiffwasser fahren lassen“, meinte Stitz. „Oder sie gelangen durch die Tiefgarage des H4-Hotels zum Hotel-Lift, fahren dann ins Erdgeschoss hinauf und gehen dann zum Körber-Haus schräg gegenüber.“ – „Das ist beides viel zu weit“, ereiferte sich Helmuth Sturmhoebel von den Linken. „Ein großer Teil des Publikums dort werden ältere Leute sein, viele nicht gut zu Fuß. So eine schlechte Erreichbarkeit ist für sie eine Zumutung.“

Wegerecht für Anlieferung

Schon die Anlieferung und Abholung von Lebensmitteln und Getränken, Büchern oder Theaterrequisiten erinnert beim geplanten Körberhaus an einen Seiltanz. Sie soll über die Holzhude zwischen Hotel und Tiefgaragen-Notausgang erfolgen. Danach müssen die Fahrzeuge eine große Linkskurve auf das Privatgelände der dahinterliegenden Wohnanlage fahren und dann rückwärts zur Körberhaus-Rampe rollen. Ein Wegerecht ist laut Baudezernent Uwe Czaplenski dafür vereinbart. Ob aber auch Besucher auf diesem Wege in das Gebäude gelangen dürfen, ist offenbar mehr als fraglich.

Müllfahrzeug zu schwer

Zudem führt dieser Weg großenteils über die Tiefgarage hinweg. „Wie schwer dürfen die Fahrzeuge dort denn sein?“, wollte Jörg Froh (CDU) wissen. „13 Tonnen“, so Czaplenski. Froh wundert sich: „Ein Müllfahrzeug wiegt doch schon 20 Tonnen.“ Nun soll ein eigenes Mobilitätsgutachten den Weg zu einer Lösung bahnen.