Masern

1700 Kinder in Bergedorf sind nicht geimpft

Viele Kinder sind nicht gegen Masern geimpft.

Viele Kinder sind nicht gegen Masern geimpft.

Foto: Foto / dpa

Bergedorf. Auch im Bezirk gab es im März bereits einen Krankheitsfall. Das Gesundheitsamt berät über Impfschutz.

Bergedorf.  238 Menschen sind allein bis Mitte März in Deutschland an den Masern erkrankt. Und weil zuletzt fast alle Bundesländer von Ausbrüchen betroffen waren, gewinnt die Debatte um eine von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geforderte Impflicht an Fahrt. Tatsächlich ist auch in Bergedorf die Sensibilität für das Thema groß: „Wir haben hier bei uns nur eine Durchimpfung von etwa 93 Prozent“, stellt Dr. Jürgen Duwe, Leiter des Bergedorfer Gesundheitsamtes, fest. Die notwendigen 95 Prozent, die für eine „Herdenimmunität“ sorgen und damit weite Teile der Bevölkerung schützen würden, „haben wir schon seit Jahren nicht mehr erreicht“.

Familie erhielt Besuchsverbot

Dabei sind die hochansteckenden Masern in diesem Jahr auch in Bergedorf bereits ausgebrochen: Im März erkrankte ein Erwachsener aus einer vierköpfigen Familie. Die Familie erhielt ein Besuchsverbot, musste sich, wie in solchen Fällen üblich, isolieren.

Denn Masern können tödlich enden. Erst vor einigen Tagen starb ein Erwachsener in Hildesheim wohl an den Folgen einer Erkrankung. Laut Robert-Koch-Institut verlaufen die Masern vor allem bei Kindern zwischen ein und vier Jahren und Erwachsenen im Alter von 20 bis 39 Jahren oft so schwer, dass ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird.

Ein weiteres Problem seien mögliche Spätfolgen, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Jürgen Duwe: „Die werden oft als Masernspätfolgen gar nicht erkannt.“ Zum Beispiel, wenn ein Erwachsener an SSPE, einer Hirnhautentzündung, erkrankt, weil er als Baby die Masern durchmachte.

Babys unter einem Jahr werden nicht geimpft

Babys unter einem Jahr können noch nicht geimpft werden, zählen deshalb zu den Gruppen, die von einer „Herdenimmunität“ profitieren würden. Doch diese 95 Prozent Durchimpfung zu erreichen, ist schwierig: Bei den Schuleingangsuntersuchungen, zu denen das Gesundheitsamt alle Schulkinder einlädt, wird oft festgestellt, dass es vielleicht die erste Masernimpfung noch gab, die zweite aber schon nicht mehr. Duwe: „Wir beraten die Eltern. Aber es ist schwer, die fehlenden Prozent zu überzeugen“. So stagniert die Zahl der geimpften Kinder bei etwa 93 Prozent – bei knapp 24.000 unter 18-Jährigen im Bezirk sind das etwa 1700 Schulkinder ohne Masernschutz.

Erwachsene können sich nachimpfen lassen

Hinzu kommt, dass auch längst nicht jeder Erwachsene einen Schutz hat. Wer unsicher sei, könne sich meist problemlos nachimpfen lassen, sagt Duwe. Beratung dazu gebe es bei den Haus- oder Betriebsärzten oder in der Impfsprechstunde seines Amtes – jeden ersten Mittwoch im Monat.