Gerichtsurteil

Wohnung gesprengt: Bewährungsstrafe für Axel B.

Am Tag nach der Explosion: Brandermittler untersuchen die verwüstete Wohnung des Angeklagten.

Am Tag nach der Explosion: Brandermittler untersuchen die verwüstete Wohnung des Angeklagten.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. Er zündete einen Sprengkörper im Schlafzimmer – und kam dabei um ein Haar zu Tode. Jetzt stand Axel B. (52) vor Gericht.

Bergedorf.  Die zerstörerische Tat vor fast zwei Jahren hat furchtbare Spuren hinterlassen, den Angeklagten für sein Leben gezeichnet: Die rechte Gesichtshälfte eine einzige vernarbte Brandwunde, ein Ohr versengt, die rechte Hand halb gelähmt, humpelt er hinter seinem Rollator durch den Gerichtsflur. „Sie haben Ihr Leben in die Luft gesprengt“, wird nach dreistündiger Verhandlung der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vorm Bergedorfer Amtsgericht feststellen.

Im Cannabis-Rausch den Sprengkörper gezündet

Es ist blanker Irrsinn, was der Bergedorfer Axel B. (52) sich in der Nacht zum 31. März 2017, einem Freitag, geleistet hat. Auf dem Hochbett im Schlafzimmer seiner Wohnung an der Bleichertwiete entzündete er im Cannabis-Rausch einen illegalen Sprengkörper.

Die Detonation hätte den gelernten Fotografen nicht nur um ein Haar getötet. Sie verwüstete sein Zimmer, seine Wohnung und das Treppenhaus und setzte das dreistöckige Gebäude in Brand.

Schwere Brandverletzungen und Risswunden

Aus der obersten Etage kamen drei Bewohner mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Ihnen schnitt der dichte Rauch im Treppenhaus den Weg ab, bis die Feuerwehr sie vom Balkon retten konnte. B. selbst kam mit schweren Brandverletzungen und Risswunden ins Unfallkrankenhaus Boberg. „Durch die Wunde unterm linken Schlüsselbein konnte ich das Rippenfell und den Lungenflügel sehen“, berichtete gestern der Notarzt als Zeuge im Amtsgericht.

Ein verkorkstes Leben

Auch vor der Tat, die das ganze Haus über Monate unbewohnbar machte, lässt sich Axel B.s Leben einfach nur als verkorkst bezeichnen: Als Kind gegen vieles allergisch und häufig krank, mit Ach und Krach den Hauptschulabschluss geschafft, seit dem 17. Lebensjahr immer wieder depressiv, ebenso lange abhängig von Cannabis – bis zu fünf Gramm von der Droge brauchte er am Tag. Krankheiten wie Multiple Sklerose und Asthma machten das Elend komplett.

Selbstmord-Absicht nicht geklärt

Ob er den Sprengsatz zündete, um Selbstmord zu verüben, ließ sich gestern nicht klären. B. wusste es nicht mehr. „In der tiefsten Depression spürt man sich nicht mehr, und dann setzt der Gedanke an Selbstmord Gefühle wieder frei“, versuchte sein Anwalt den seelischen Zwiespalt zu erklären.

Nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig

„Tut mir furchtbar leid, die ganze Scheiße, die da passiert ist“, beteuerte der Angeklagte, der seit der Tat eine Drogentherapie macht, gegenüber einem Nachbarn, der als Zeuge auftrat. Und: „Ich hätte nie gedacht, dass ich so ein Unheil damit anrichte.“

Richterin Schoel und Staatsanwalt Rebsdat fanden das überzeugend, ordneten die Tat als fahrlässig und nicht als vorsätzlich ein. Das Urteil des Schöffengerichts gegen den wegen Drogenhandels Vorbestraften: 14 Monate Haft auf Bewährung. B.s Anwalt hatte auf sechs Monate, der Staatsanwalt auf 18 Monate plädiert.