Bergedorf/Hamburg.

Übergangen? Klage endet mit Vergleich

Behinderter fühlte sich diskriminiert

Bergedorf/Hamburg.  So schnell kann ein Firmenchef mit hohen Schadenersatzforderungen konfrontiert werden: 6700 Euro forderte ein 32jähriger Bürokaufmann von dem Bergedorfer Kfz-Sachverständigen Nahsen Tas, nachdem er sich dort erfolglos um einen Teilzeitjob beworben hatte. Als zu 30 Prozent Behinderter sei er bei der Besetzung der Stelle diskriminiert worden, argumentierte der abgewiesene Bewerber. Jetzt wurde der Fall vor dem Hamburger Arbeitsgericht verhandelt.

Rund 30 Arbeitsuchende hatten sich für den in einer Stellenanzeige ausgeschriebenen Job beworben. Doch niemand wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, weil die Stelle dann doch firmenintern besetzt wurde.

Eine schon seit längerem im Betrieb beschäftige Teilzeitsekretärin wird mehr Wochenstunden als bisher arbeiten. Alle Bewerberinnen und Bewerber erhielten deshalb schriftliche Absagen. Damit hielt der Firmenchef das Problem für erledigt, nicht aber der abgewiesene Bürokaufmann: Er klagte wegen Diskriminierung auf Schadenersatz.

Der beklagte Kfz-Sachverständige wurde von dem Hamburger Rechtsanwalt Dr. Sven-Erik von Wolffradt vertreten. Die Klage gegen seinen Mandanten sei völlig unbegründet, argumentierte der Jurist in der Verhandlung. Bei der Besetzung der ausgeschriebenen Stelle sei niemand bevorzugt und daher auch niemand benachteiligt worden.

Der Fall sei „eher schwierig“, befand die Arbeitsrichterin. In ihrer langjährigen Praxis sei so etwas bisher kaum vorgekommen. Die Anwältin des Klägers betrachtete die Sachlage dagegen als eindeutig. Ihr Mandant sei bei der Stellenbesetzung diskriminiert worden, müsse daher angemessen entschädigt werden.

Die Verhandlung endete dann mit einem überraschenden Vergleich: Der beklagte Kfz-Sachverständige erklärte sich bereit, 500 Euro an eine Bergedorfer Behinderten-Einrichtung zu spenden, im Gegenzug sollte der Kläger auf seine Schadenersatzansprüche verzichten. Die Richterin zeigte offen Sympathie für diese Lösung, die Anwältin des Klägers gab sich dagegen reserviert. Sie müsse erst mit ihrem Mandanten telefonieren. Das tat sie dann auch – und gab danach grünes Licht für den Vergleich.

„Vielleicht wollte der Kläger den Job gar nicht, sondern nur den Schadenersatz“, sagte der sichtlich erboste Bergedorfer Kleinunternehmer nach der Verhandlung. „Wenn er persönlich erschienen wäre, hätte ich ihn gefragt, ob er noch mehrere solcher Prozesse laufen hat.“ Ihre Anwaltskosten müssen beide Parteien übrigens selbst tragen. So lautet die gesetzliche Regelung für Arbeitsgerichtsverfahren in der ersten Instanz.