Letzte Ausnahme?

Tauziehen um Bergedorf-Logo wird immer kurioser

Ganz im blau-grünen Bergedorf-Design: der Stand der Tourismus-Unternehmen des Bezirks auf der Messe Reisen Hamburg.

Ganz im blau-grünen Bergedorf-Design: der Stand der Tourismus-Unternehmen des Bezirks auf der Messe Reisen Hamburg.

Foto: BGZ

Bergedorf. Der Senat pocht auf das einheitlichen Hamburg-Design. CDU-Chef Gladiator sauer: „Wir planen doch keinen Bexit“.

Bergedorf.  . Trotz eigenem Stand wäre Bergedorf auf der Messe Reisen Hamburg in diesem Februar beinahe unsichtbar angetreten: Weil das Bezirksamt finanziell am Auftritt der hiesigen Tourismusunternehmen in den Messehallen beteiligt ist, müsste der Auftritt eigentlich im Hamburger Design mit angedeutetem Überseedampfer gestaltet werden. Diesen Grundsatz hat, wie berichtet, die Senatskanzlei verfügt. Bergedorfs Besonderheit, symbolisiert durch sein geschwungenes Blau-Grün, sind unerwünscht, sobald mit dem Bezirksamt eine Hamburger Behörde beteiligt ist.

Senat pocht auf Hamburger Markenstrategie

Während der Senat die Vorgabe mit Hamburgs Markenstrategie begründet, die „für den Wettbewerb mit anderen Metropolen“ wichtig sei, reiben sich Bergedorfer die Augen: „Auf der Messe werden wir direkt neben dem Stand der Hamburg Tourismus GmbH stehen. Wenn wir da in identischem Design auftreten, sind wir praktisch unsichtbar. Den Charme unseres Bergedorfer Standes macht ja gerade die Tatsache aus, dass wir als einziger Hamburger Bezirk selbstständig für uns und unsere Attraktionen wie Schloss und Sternwarte werben“, sagt Marion Meier. Die Geschäftsführerin von Paddel Meier in Kirchwerder ist Organisatorin des Bergedorfer Messeauftritts.

„Persönliche Gespräche als Erfolgsgeheimnis“

„Die persönlichen Gespräche sind das eigentliche Erfolgsgeheimnis unseres Standes“, ergänzt Willi Timmann von der Gemeinschaft Vier- und Marschlande. „Da kommen Hamburger, Menschen aus der Metropolregion und auch zahlreiche Bergedorfer – also genau unsere Zielgruppe, um mit den Rundümwieserinnen, den Ernteköniginnen oder Vertretern von Betrieben wie dem Zollenspieker Fährhaus und anderen Bergedorfer Institutionen zu sprechen.“

Große Nachfrage der Bergedorfer Unternehmen

Um die Beteiligung von Unternehmen muss sich der Arbeitskreis Bergedorf-Tourismus keine Sorgen zu machen: Mit 25 Betrieben aus den Bereichen Freizeit, Gastro, Hotel und Tourismus sind auf dem Bergedorf-Stand so viele wie noch nie vertreten. Entsprechend dürfte sich die Beteiligung des Bezirksamtes auf deutlich unter die maximal zugesagten 1700 Euro reduzieren. Ob das Geld auch die kommenden Jahren noch fließt, sofern der Stand sein Design behält, oder die Messe Reisen Hamburg 2019 die letzte Ausnahme bleibt, ist offen.

„Bergedorf plant keinen Bexit“

Für den CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator ist das absurd: „Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich das Bezirksamt den Hamburger Vorgaben derart kampflos beugt“, ärgert sich Bergedorfs CDU-Chef. Er hat das Thema zum Inhalt einer elf Punkte umfassenden Anfrage an den Senat gemacht. Dass die Antworten jetzt auffällig sparsam ausfallen und auf keine seiner Fragen eingegangen wird, macht ihn wütend: „Das ist ebenso frech wie der ganze Vorgang. Bergedorf plant nicht etwa den ,Bexit’. Es will Teil Hamburgs bleiben, aber trotzdem für sich werben dürfen.“ Gladiator kündigt eine zweite Anfrage an, dann mit dem Tenor „Was hat der Senat zu verbergen?“

Reisemesse täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet

Unabhängig davon laufen die Vorbereitungen für den Bergedorf Stand auf Hochtouren. Wer ihn auf der Messe Reisen Hamburg vom 6. bis 10. Februar (10 bis 18 Uhr) auf dem Gelände an der Karolinenstraße besuchen will, findet ihn in Halle B4. Details unter: www.reisenhamburg.de.