Bergedorf

Viel Zukunft – aber kein Blick zurück

Empfang im Spiegelsaal Kürzeste Rede eines Bezirksamtsleiters – Liedertafel sorgt für Tanzeinlage

Bergedorf. . Scheinbar läuft alles gut in Bergedorf. Das jedenfalls ist Tenor der kürzesten Rede, die ein Bezirksamtsleiter je beim Neujahrsempfang im Rathaus gehalten hat: Zwölf Minuten brauchte Arne Dornquast, um die knapp 150 Gäste im Spiegelsaal auf „ein ziemlich sicher schönes Jahr 2019 für den Bezirk“ einzustimmen.

Kurz war die Rede, weil Bergedorfs Verwaltungschef gleich ganz auf einen Rückblick verzichtete. Entsprechend schmerzlich vermissten viele im Publikum die Rede des Bürgervereins, der bis zu seiner Auflösung vor zwei Jahren als Gastgeber traditionell mit kritischen Bergedorfer Augen auf die Entwicklung des östlichsten Hamburger Verwaltungsbezirks schaute.

So aber blieben Themen wie der Verzicht des Amtes auf das Bergedorf-Logo oder die vielen Fragezeichen bei der Entwicklung der ehemaligen Post-Fläche im Zentrum ohne Resonanz. Ebenso die bevorstehende Umsiedlung des 99 Jahre alten Bergedorfer Schrebergartenvereins für die Erweiterung des Forschungs- und Innovationsparks am Curslacker Neuen Deich.

Dass 2019 schön werden dürfte, machte Dornquast an den politischen und den inhaltlichen Mitsprachemöglichkeiten der Bergedorfer fest: „Am 26. Mai wird die neue Bezirksversammlung gewählt – und gleichzeitig das Europaparlament. Zudem startet der Wahlkampf für die Bürgerschaft, die im Februar 2020 neu bestimmt wird“, sagte Bergedorfs Rathauschef, der dringend dazu aufrief, „Parteien zu wählen, die unsere demokratischen Grundwerte vertreten“.

Vor allem aber warb er für aktive inhaltliche Mitgestaltung der Zukunft des Bezirks: „Am Sonnabend, 2. Februar, nehmen wir uns einen ganzen Tag Zeit, um mit allen interessierten Bürgern den Rahmen des Bergedorfer Entwicklungskonzeptes abzustecken.“ Dornquast rief dazu auf, die Leitlinien bis ins Jahr 2035 festzulegen. Aufgeteilt in die Bereiche „eigen bleiben“, „offen sein“ und „weiter gehen“ solle die Zukunftswerkstatt den Dreiklang festlegen, in dem sich Bergedorf in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten als (besonderer) Teil Hamburgs entwickelt.

„Es geht zunächst um die Frage, wofür Bergedorf eigentlich steht und was keinesfalls verschwinden darf“, so Dornquast. „Gehören Lohbrügge, Bergedorf-West oder Neuallermöhe dazu? Oder was ist zu tun, damit sich ihre Bewohner als Bergedorfer fühlen?“

Doch gehe es nicht allein darum, „eigen“ zu bleiben: „Bergedorf muss offen sein für Veränderungen, für neue Bürger, die Vielfalt, Lebendigkeit und natürlich auch Kaufkraft bringen“, gab der Bezirksamtsleiter die Richtung vor. „Wir sind Teil der Freien und Hansestadt. Aber nicht alles, was aus Hamburg kommt, muss automatisch gut sein.“ Für die Zukunft seien intelligente Lösungen gefordert: „Mit den Bergedorfern gemeinsam möchte ich den Bezirk in den kommenden eineinhalb Jahrzehnten mit Augenmaß entwickeln. Dazu gehört unter anderem der jetzt entstehende Bebauungsplan für Oberbillwerder, bei dem wir dafür sorgen wollen, Hamburgs 105. Stadtteil zu einem Stück Bergedorf zu machen.“

Gleiches gelte für das künftige Körber-Haus: „Es liegt an uns allen gemeinsam, dieses neue kulturelle Zentrum mit Leben zu füllen“, sagte der Bezirksamtsleiter, der kurz darauf – wenn auch zögerlich – ein spontanes Tänzchen mit Cora Satori aufs Parkett des Spiegelsaals legte. Die Leiterin der Bergedorfer Liedertafel, die den Neujahrsempfang musikalisch perfekt inszenierte, sorgte so für langen Applaus.