Bergedorf

30-fach mehr Feinstaub

Silvester-Böllerei Norbert Fleige misst auf seiner Terrasse

Bergedorf. . Norbert Fleige schaut mit gemischten Gefühlen auf die Montag wieder bevorstehende Böllerei. „Mal abgesehen von den Ängsten, die Tiere in der Silversternacht auszustehen haben, schädigen wir uns auch nachhaltig selbst – sogar wenn wir selbst nicht zündeln“, sagt der Grünen-Bezirksabgeordnete mit Blick auf seinen Feinstaubsensor.

Das Gerät, das seit Frühjahr 2017 an der Terrasse von Fleiges Haus in Neuallermöhe angebracht ist, zeigte schon beim vergangen Silvester extreme Ausschläge: Pünktlich um Mitternacht stieg die Feinstaubbelastung in Neuallermöhe demnach um das 30-Fache der sonstigen Maximalwerte des Jahres – vor allem bei den feinsten, sogenannten PM-2,5-Partikeln, die auch in die Blutbahn gelangen können.

„Ähnlich extrem ist es bei allen anderen privaten Stationen, die dank einer Stuttgarter Initiative im ganzen Bundesgebiet verteilt sind“, sagt Fleige. Die Daten sind abrufbar unter http://luftdaten.info.

Unter derselben Adresse finden Interessenten auch Hinweise, wie sie selbst an eine Messstation kommen und die bei sich zu Hause installieren können. „Die Kosten liegen bei rund 40 Euro“, sagt Norbert Fleige, der sich freut, dass zumindest dieses Netz stetig wächst. „Das öffentliche Messnetz ist ja eher das Gegenteil von expansiv.“

Dennoch spricht sich der Grüne nicht grundsätzlich gegen das Böllern aus: „Ich habe selbst Kinder, da halte ich nichts von grundsätzlichen Verboten. Aber zu einem bewussteren Umgang mit dem Thema möchte ich mit meiner Messstation schon beitragen.“

Genau dazu fordert auch das Bezirksamt dringend auf – allerdings vor allem wegen der akuten Brandgefahr: Zusammen mit der Feuerwehr warnt es vor dem Abbrennen von Böllern in der Nähe von Reetdach- und Fachwerkhäusern. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Abstand von 50 Metern und bei Raketen sogar von 200 Metern. Wird das ignoriert, drohen Geldbußen von bis zu 50.000 Euro.

Ein anderes Thema beschäftigt zum Jahreswechsel traditionell den Mieterverein: Wie laut darf in einer Wohnung gefeiert werden?

„Grundsätzlich gilt in Mehrfamilienhäusern auch in der Silvesternacht das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Doch die ab 22 Uhr geltende Nachtruhe sollte wegen der Festtradition zum Jahreswechsel nach hinten verschoben werden. „Geböllert werden darf aber nur von 18 Uhr bis 1 Uhr morgens. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Geldbuße“, so Chychla.