Billwerder.

Ein Dorf im Wandel – Verändert sich auch das Leben?

Billwerder Um 1150 erstmals besiedelt, wächst das Dorf an der Bille stetig – Zu aktuell gut 4600 Einwohnern sollen etwa 18.000 in Oberbillwerder kommen

Billwerder.  Es ist knapp 950 Hektar groß und reicht vom Unteren Landweg bis zur Grenze nach Bergedorf-West: Billwerder. Die Bille, die Kirche, die Bahnlinie, Natur und Gewerbe, Bauern- und Pferdehöfe finden sich hier, ebenso das Gefängnis und die Flüchtlingsunterkunft Gleisdreieck. Ein Dorf im Wandel, der Bau von Oberbillwerder wird erneut Änderungen bringen. Wie lebt es sich in dem langen Straßendorf? Was ist den Menschen wichtig? Was schätzen, was fürchten sie? Wir haben nachgefragt und Menschen aus Billwerder zugehört.

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„Bis vor ein paar Jahren war das hier eigentlich recht dörflich. Aber es hat sich enorm verschlechtert“, sagt Hans-Jürgen Meier (70). Er lebt schon immer in Billwerder, war am Billwerder Billdeich 33 Gärtner in eigener Gärtnerei, 40 Jahre bei der FF Billwerder, auch Wehrführer. Von nachmittags bis 23 Uhr seien viele Lkw unterwegs, Tendenz steigend. „Hier unten in der Nähe der Autobahn ist sehr viel mehr los als oben“, sagt Meier. „Unten“ sind die Häuser zwischen Autobahn und Unterer Landweg, „oben“ alles jenseits des Mittleren Landwegs am Billwerder Billdeich in Richtung Bergedorf.

„Ich wohne hier sehr gerne, stadtnah, Einkaufsmöglichkeiten links und rechts, am Wochenende ein Idyll“, sagt Hannelore Meier. Die 68-Jährige lebt seit 50 Jahren in Billwerder, arbeitete in der Gärtnerei mit, engagiert sich als Landfrau, war auch Ortsvorsitzende. Mit den Einkaufsmöglichkeiten sind Billstedt und Bergedorf gemeint, denn in unmittelbarer Umgebung ist nichts mehr. „Der dörfliche Charakter ist hier weg. Viele alte Nachbarn sind nicht mehr da, die neuen fühlen sich oft nicht so verbunden“, sagt Hannelore Meier. Früher gab es einen Schlachter (Stöck) und einen Bäcker (Krogmann) am Billwerder Billdeich, sogar einen Edeka (Goosmann) und gleich mehrere Kneipen. Aber Hinzmanns Gasthof, der weiße Schwan (Ferber, später „Schatzis Deichperle“), die Kneipe bei Krogmann oder Garben (schräg gegenüber vom Feuerwehrhaus) sind von der Bildfläche verschwunden.

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Seit der Fusion der Feuerwehren Billwerder und Allermöhe steht das Feuerwehrhaus am Billwerder Billdeich leer und es fehlt etwas im Dorf. Das findet auch Eberhard Stöck. Der 66-Jährige betrieb mit Ehefrau Gisela lange das Fleischereifachgeschäft am Billwerder Billdeich (früher auch Kampchaussee und Neuallermöhe Grachtenhaus). Er engagiert sich im Kirchengemeinderat, war auch in der Feuerwehr aktiv. „Die Feuerwehr war immer so ein Anstifter, hat sich engagiert, das Dorf zusammenzubringen“, sagt Eberhard Stöck. Ob Feuer oder Feier, da waren Billwerder „unten und oben“ immer da. Auch das Kulturheim war ein vereinender Treffpunkt. Vorbei. „Es hat eben alles seine Zeit“, sagt Hannelore Meier.

Eberhard Stöck bedauert, dass es kleinen Betrieben so schwer gemacht wird, zu überleben. Kostspielige Auflagen würden mehr, aber auch die Nachfolgefrage sei ein Problem. „Wer will schon noch 80 Stunden die Woche arbeiten.“ Er und seine Frau haben 2015 den fast 100 Jahre alten Traditionsbetrieb (1920 von Karl Kreinberg eröffnet) geschlossen. Dennoch sei Billwerder lebens- und liebenswert: „Es gibt ja auch ein großes Freizeitangebot, den See, die Boberger Niederung, Reitvereine, Turnverein, den Segelflugplatz, das Deutsche Malermuseum – alles direkt vor der Tür.“ Wer interessiert sei, könne sich viele Infos in Billwerder holen.

Die neue Siedlung „Gleisdreieck“ mache sich „hier unten“ in Billwerder kaum bemerkbar. Billwerder sei eben ein langgezogenes Straßendorf. Es gebe aber auch zu wenig Berührungspunkte. Eberhard Stöck erzählt, dass er ein paar mal gemeinsame Kaffeenachmittage besucht habe. Doch es fiel schwer, mit den Geflüchteten Themen zu finden. Am Ende hätten sich doch wieder Grüppchen gebildet – Einheimische hier, Neubürger dort. Hannelore Meier hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Landfrauen hätten mit Afghaninnen zusammen gekocht. Aber nach ein paar Terminen war Schluss. „Die Geflüchteten ziehen sich zu schnell zurück, bleiben unter sich“, bedauert sie. Wenn bei der Siedlung ein Nahversorger gebaut werde, sei das nicht nur positiv, denn „dann bleiben die noch mehr unter sich“.

Zum in Billwerder häufig diskutierten Thema „Kriminalitätsanstieg“ sagt Hans-Jürgen Meier: „Hier macht sich das jedenfalls nicht bemerkbar.“ Über die Speditionen und Betriebe in der Nähe sei aber auch nachts viel los auf dem Abschnitt des Billwerder Billdeichs. Da könne kaum jemand unbemerkt irgendwo einsteigen. Die Kehrseite des starken Lkw-Betriebs: „Die Straße hat viele Schlaglöcher, ist laut. Da muss endlich mal etwas getan werden“, sagt Meier.

Oberbillwerder sieht man „unten“ in Billwerder einigermaßen gelassen, aber „ja, das ist schwierig“, sagt Eberhard Stöck. Er und Ehepaar Meier zweifeln, dass die Infrastruktur mithalten kann. „Das Projekt wird ja im Null-Komma-Nichts aus dem Boden gestampft. Von den 18.000 Menschen gehen ja viele zu Fuß, heißt es dann, da müssen wir uns um Straßen ja erstmal nicht kümmern. Das wird ein Schuss nach hinten“, ist Hans-Jürgen Meier sicher.

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Eine der ältesten Familien, die in Billwerder leben, ist die von Peter Graumann. Seine Familie betreibt dort seit mindestens 1650 Landwirtschaft. 1911 verkauften die Vorfahren des 57-Jährigen das Grundstück am Billwerder Billdeich an die Stadt. „Damals wurden alle großen Höfe in Billwerder, Allermöhe und Moorfleet verkauft“, sagt er. Die Stadt benötigte große Flächen, um Gewerbe und Industrie anzusiedeln, Kanäle für die Erweiterung des Hafens sollten ausgebaut werden. „Das hatte sich dann allerdings durch den Ersten Weltkrieg erledigt“, sagt der Landwirt. Das Land konnte von den Bauern weiter bearbeitet werden, sofern sie es von der Stadt pachteten.

1945 gab es 27 große Höfe, heute nur noch fünf Landwirte, so Graumann. Die Bauern mussten „immer um ihre Flächen bangen“, sagt er: „Die Diskussion um Oberbillwerder gibt es seit mehr als 20 Jahren. Damals wurde der Flächennutzungsplan geändert – zum Glück, denn der alte Plan sah noch mehr Wohnen und Gewerbe vor.“ Bei dem geplanten, neuen Stadtteil gehe es „nur“ um 120 Hektar, sagt Graumann und zwinkert.

In den 1840er-Jahren wurde der alte Bahndamm gebaut, 80 Jahre später der neue Bahndamm: „Beide Male wurden unsere Flächen durchschnitten. Vor der Zeit der Bahn besaß meine Familie 50 Hektar. Danach waren es noch 35. Die wurden 1911 verkauft.“ Früher, vor dem Schienenbau, habe das Dorf lange „Billwerder an der Elbe“ geheißen.

Weil Landwirte die Bewirtschaftung ihrer Flächen einstellten, konnten ihre Berufskollegen Land dazu pachten. Das taten auch die Graumanns. Der 57-Jährige verfügt heute über knapp 120 Hektar. Damit ist er der drittgrößte Pächter in Billwerder. „Unsere Flächen liegen verteilt, auch außendeichs an der Bille oder in der Boberger Niederung. Sie erstrecken sich von Bergedorf-West bis zur Autobahn 1.“

Peter Graumann, gelernter Schlosser, übernahm den Betrieb 1987 von seinen Eltern. „In den 70er-Jahren war nicht klar, dass ich den Betrieb weiterführen werde. damals musste ich mich umorientieren, weil unsere Pachtflächen für den Bau von Neuallermöhe-Ost zurückgehalten wurden.“ Damals habe es einen „Schwebezustand“ gegeben: „Wir durften weiter beackern, mussten aber täglich mit dem Anrücken der Raupen rechnen.“ Im Gegensatz zu heute, wo die Stadt Oberbillwerder auf großen Teilen der Pachtflächen der Landwirte plant, habe es damals einen Sozialplan gegeben, merkt Graumann an. „Damals hat sich der zuständige Senator hier blicken lassen.“

Graumann, Vater von drei erwachsenen Kindern, verfügt heute vor allem über Weideflächen. Er betreibt ausschließlich Viehhaltung – Pferde, Rinder, Schweine, Gänse –, benötigt die Flächen als Grünland (110 ha) und für den Anbau von Futtermais (sieben ha). Auf dem Graumann-Hof leben 45 Pensionspferde, die Stallungen sind ausgebucht, die beiden Reithallen werden häufig genutzt. „Meine Eltern haben Mitte der 70er-Jahre mit der Pferdepension angefangen. Sie haben damals eine Nische gesucht. Peter Graumann betreibt den Hof mit Hilfe seiner Lebensgefährtin, einer Aushilfe, einer Praktikantin – und seiner Mutter Helga (88). „Sie bekocht uns, hilft im Haushalt.“

Der 57-Jährige ist kein Fan von Oberbillwerder: „Das Verkehrsaufkommen wird unser Dorf nicht aushalten. Die Entwässerung ist ebenfalls problematisch.“ Vom Flächenfraß ist er kaum betroffen. „Wir werden nur zwei Hektar verlieren.“ Sorgen bereiten ihm die Ausgleichsflächen für Oberbillwerder, die in Unterbillwerder, zwischen dem Mittleren und dem Unteren Landweg, Gefängnis und Autobahn, entstehen sollen: „Da habe ich 70 Hektar Pachtfläche. Wird dort nur noch eingeschränkte Bewirtschaftung möglich sein?“ Schon Neuallermöhe-West sei ab 1989 auch auf Pachtflächen von Billwerder Bauern entstanden.

Heute sei das Leben insgesamt, auch in Billwerder, „etwas hektischer“, sagt Helga Graumann. Dafür sei die Arbeit der Landwirte früher umständlicher und zeitraubender gewesen. Das Dorf sei seit Jahrhunderten von der Stadt beeinflusst. „Dorthin haben wir Stroh und Futter verkauft, den Mist der Stadtpferde mitgenommen“, sagt ihr Sohn.

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Pastorin Dagmar Rosenberg (49) und Dorothee Stolzenburg (66), seit Mai 2017 Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Nikolai, erleben Billwerder im Umbruch. „Es ist eine große Verunsicherung zu spüren“, sagt Dorothee Stolzenburg. Bei Begegnungen würden die Menschen häufig wehmütig in die Vergangenheit und auf bereits geschehene Veränderungen blicken. Ob Bau der JVA Billwerder, Gewerbegebiet Allermöhe oder Flüchtlingsquartier im Gleisdreieck – alles spielte sich in unmittelbarer Nachbarschaft ab. „Und Oberbillwerder kommt jetzt noch einmal massiv obendrauf“, sagt Dagmar Rosenberg.

Für die 49-Jährige war Billwerder schon vom ersten Augenblick an etwas Besonderes. Seit vier Jahren ist sie Pastorin von St. Nikolai und kann sich noch genau daran erinnern, wie sie das erste Mal über den Billwerder Billdeich zu ihrem heutigen Arbeitsort fuhr. „Die Straße ist einfach entzückend. Man hatte den Eindruck, man kommt aus der Großstadt in eine andere Welt. Das ist mir direkt ans Herz gewachsen“, sagt sie.

Doch der lang geschlängelte Billwerder Billdeich, mit 8,1 Kilometern die viertlängste Straße in Hamburg, bringe auch die Besonderheit mit sich, dass es keinen Mittelpunkt gibt: „Ein Ort ohne Kern“, sagt Dagmar Rosenberg. Die Kirche könnte zu einem Mittelpunkt werden. Doch bislang ist sie eher ein liebgewonnenes Gebäude in der Skyline des Dorfes.

Denn viele Kirchgänger zieht es nicht mehr in das stattliche Gebäude von 1913. Mit unter 900 Gemeindemitgliedern bei gut 2200 Bewohnern des alten Dorfes – durch die Flüchtlingssiedlung Gleisdreieck kommt Billwerder auf insgesamt mehr als 4600 Einwohner – gibt es nur noch fünf Gemeinden von insgesamt 116 im Kirchenkreis Hamburg-Ost, die kleiner sind.

Bei allen Sorgen, was die Zukunft bringen wird, wollen die beiden Frauen in Oberbillwerder, wenn es dann gebaut wird, auch eine Chance sehen. Eine entsprechende Projektgruppe ist inzwischen im Kirchenkreis ins Leben gerufen worden. „Wir wollen nicht einfach hinnehmen, was geplant wird, sondern als Kirche Verantwortung für das kirchliche Leben des Stadtteils übernehmen und uns an den Planungen beteiligen“, sagt Dorothee Stolzenburg.

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Andreas Arlet (52) und Stefan Kubat (44) engagieren sich im Eisenbahner Turn- und Sportverein (ETSV) am Mittleren Landweg 40, der derzeit eine neue Halle und neue Außenanlagen erhält. Die beiden Vorstandsmitglieder freuen sich über viel „Potenzial für den Verein“, das die Flüchtlingssiedlung Gleisdreieck und Oberbillwerder beschert. Der geplante, neue Stadtteil werde vermutlich noch viel mehr Vereinseintritte bescheren. „Oder wird dort ein neuer Sportverein entstehen?“, fragt Stefan Kubat, der in Lohbrügge lebt.

„Ohne die Gleisdreieck-Siedlung und vermutlich auch ohne die Perspektive Oberbillwerder würde man die ETSV-Anlage nicht in diesem umfangreichen Maße erneuern“, sagt Andreas Arlet. 20 bis 40 Anwohner aus dem Gleisdreieck würden regelmäßig auf dem ETSV-Gelände Fußball spielen. „Die sind sehr freundlich, sprechen meist schon ganz gut Deutsch“, sagt Arlet, Jugendwart des Vereins. Es sei jedoch schwierig, sie zu einem Vereinsbeitritt zu bewegen. Derzeit zählt der ETSV rund 160 Mitglieder. „Als es sich vor einigen Jahrzehnten noch um einen Betriebssportverein der Deutschen Bahn handelte, war die Mitgliederzahl deutlich höher“, sagt Kubat.

Was das Bauvorhaben Oberbillwerder betrifft, haben die beiden Männer große Bedenken: „Die Bahnen sind schon jetzt oft überfüllt. Was passiert, wenn dort 18.000 Menschen hinziehen?“, sagt Arlet. Er fürchte, dass dort ein „neues Getto entsteht“ – „Parallelwelten wie am Osdorfer Born, in denen sich einzelne Bevölkerungsgruppen konzentrieren“. Der geplante, neue Stadtteil sei in jedem Fall „überdimensioniert“.

Arlet zog 2013 nach Lohbrügge, wohnte vorher zwölf Jahre lang am Luxweg in Billwerder. „Das Haus habe ich damals gekauft, weil die Gegend ländlich ist – bei guter Bahnanbindung. Die Autobahn ist gleich um die Ecke und die Innenstadt nicht weit“, sagt er. Seine Doppelhaushälfte liegt direkt gegenüber der Flüchtlingssiedlung. Er hat sie nach seinem Auszug vermietet. Als direkter Anlieger klagte er gegen den Bau der Flüchtlingssiedlung: „Die Art und Weise, wie das gelaufen ist, war nicht in Ordnung“, meint Arlet und verweist etwa auf „geschützte Vogelarten“. Die Anlieger seien übergangen worden.

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Gesa Kohnke-Bruns (52), lebt mit ihrem Mann Jörg Bruns (54) und drei erwachsenen Kindern am Billwerder Billdeich 438. Sie betreiben Landwirtschaft, zudem ist die Diplom-Agraringenieurin als Wasserschutzgebietsberaterin aktiv.

Gesa Kohnke-Bruns kommt ehedem aus Preetz bei Plön und lebt seit 1992 in Billwerder. Damals hatte Jörg Bruns den Hof übernommen, das Elternhaus renoviert. Sie liebt das Leben am Billwerder Billdeich, auch wenn es mit der Landwirtschaft nicht einfacher geworden sei in den vergangenen Jahren. „Worauf soll man sich einstellen? Auf Nässe, wie im vergangenen Jahr? Auf große Trockenheit, wie dieses Jahr? Öko? Extensiv?“, sagt sie und stellt für Letzteres fest: „Dann brauchen wir mehr Fläche.“ Doch die wird ihnen bald genommen, wenn Oberbillwerder kommt, verlieren sie viel Land, 80 Hektar von 120.

Der Blick in die Zukunft ist düster: „Darüber darf man gar nicht zu sehr nachdenken“, sagt die 52-Jährige. Wachstum sei nicht immer richtig. „Wir wollen unsere Äcker behalten, nicht nur Substanzlandschaft betreiben.“

Wie lebt es sich derzeit in Billwerder? „Es ist unruhiger geworden“, sagt Gesa Kohnke-Bruns. Es gebe viel mehr Verkehr auf dem Deich, das habe sich in den vergangenen zehn Jahren gefühlt verzehnfacht. Früher fuhren Anlieger über den Deich, heute sei er Durchfahrtstraße. „Das liegt auch an den Navi-Geräten, die Auswärtige bei Stau auf der B 5 oder auf der Autobahn hierher lotsen“, sagt sie. Laut sei es geworden, auch wegen der Kopfsteinpflasterflächen, die damals vor etwa 14 Jahren beim Ausbau des Billdeichs eigentlich als Raserstopper gedacht waren, „aber es fährt deswegen keiner langsamer“, sagt sie.

Hat die Besiedelung des Gleisdreiecks etwas verändert? „Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt. Aber Einsätze der Rettung und Polizei sind sehr viel mehr geworden“, sagt Gesa Kohnke-Bruns. In der Nachbarschaft werde über viele Einbrüche geklagt. „Die Angst ist größer geworden. Es ist nicht mehr das Paradies, wo man alle Türen offen lassen konnte.“

Aber es sei eben insgesamt sehr viel voller geworden in Billwerder und drumherum: Der Baggersee etwa sei im Sommer so überfüllt, da gehe kein Einheimischer mehr hin. Das gehe aber nicht nur Billwerder so. Bei schönem Wetter an die Landungsbrücken? „Lieber nicht“, sagt Gesa Kohnke-Bruns, Hamburg sei „grausam überfüllt“. Und das werde mit dem Bau von Oberbillwerder nicht besser. „Die Verkehrsplanung ist doch katastrophal“, sagt sie. „Ich finde, man muss erst die Straßen planen und dann die Häuser. Die Infrastruktur muss stimmen.“

Ist Billwerder dennoch schön? „Ja, es ist schön hier, das liegt an den Menschen“, sagt Gesa Kohnke-Bruns. Die Kirche engagiere sich, die Landfrauen, die Dorfgemeinschaft – auch einige Zugezogene machten da mit viel Eifer mit.

Für ihren Mann sei Billwerder richtig Heimat und es ist das Zuhause der Kinder. „In dem Haus steckt so viel Herzblut. Wir haben hier zig Bäume gepflanzt. Das kann man nicht einfach verlassen“, sagt Gesa Kohnke-Bruns. Sie wollen bleiben. Sie lieben es, im Garten zu sitzen, Platz zu haben, Ruhe zu haben. Solange es noch geht.