Bergedorf.

Warme Füße für die Obdachlosen

Stiftung Haus im Park spendet gefütterte, regendichte Schuhe an zehn wohnungslose Männer

Bergedorf.  Seine Turnschuhe würden einen eiskalten Winter nicht überstehen. Jetzt hat Göhsin (38) endlich ein zweites Paar Schuhe: braun, dick gefüttert, Größe 45. „Die kann ich echt gut brauchen, weil ich seit zwei Jahren auf der Straße bin und keine Wohnung finde“, sagt der Hamburger türkischer Abstammung. Mit dem Winternotprogramm ist er im Obdachlosen-Container des Kirchspiels Bergedorfer Marschen untergekommen. Neben der Assisi-Kirche wohnen derzeit zehn Männer. Und sie alle waren eingeladen, sich neue Winterschuhe auszusuchen.

Nachdem im vergangenen Jahr die Stiftung Haus im Park neue Matratzen gespendet hatte, durften es diesmal Schuhe sein – natürlich von Schüttfort, denn „der Senior war Mitbegründer unserer Stiftung“, sagt Vorstand Ulrich Wolgast. Für 800 Euro konnte Betriebsleiter Dirk Hillmann multifunktionale Treter zum Einkaufspreis präsentieren: „Die Männer haben die gleichen Bedürfnisse wie unsere anderen Kunden auch. Die Schuhe sollten wasserdicht sein und wechselbare Fußbetten haben. Gut, wenn noch Thermo-Sohlen reinpassen.“

Da konnte ebenso Jörg geholfen werden („ich habe so einen hohen Spann“) wie Jerzy, der zwei sehr unterschiedlich große Füße hat: „Links Größe 41 und rechts 43, das hat meine Mutter früher beim Schuhkauf auch immer gewundert. Aber jetzt ziehe ich links eben zwei dicke Socken an“, sagt der 63-Jährige aus Polen.

Glücklich ist auch Kalle, der sich dunkelbraune Schuhe (im Wert von 160 Euro) aussuchen durfte. „Hoffentlich werden sie nicht geklaut“, sagt der 61-jährige Sachse. Seit 2013 „macht er Platte“, oft im Schlafsack auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz in der Hamburger City: „Aber da wird man nachts von betrunkenen Jugendlichen überfallen, die Tabak oder Pfandflaschen klauen. Ich bin froh jetzt um den Platz im Container, wir mögen uns alle“, sagt Kalle – und verrät auch, warum er „einfach abgesackt“ ist: „Ich hatte einen guten Job als Modell- und Sargtischler. Dann starb aber meine Frau, haben sie mir die Kinder weggenommen. Ich hab die Arbeit verloren, konnte die Kleinen nicht mehr ernähren.“

Es folgten Alkohol, Burnout und Hoffnungslosigkeit. „Aber ich gebe nicht auf, habe mich schon bei der Wohnungsnothilfe gemeldet. Ich wünsche mir wieder ein richtiges Dach über dem Kopf, bin sehr genügsam und würde gern hier in Bergedorf bleiben.“