Lohbrügge.

Alleinstehende Flüchtlinge helfen den Kleinsten

Bünt Weihnachtsfeier mit dem „Jungentreff Plus“ der Awo

Lohbrügge.  Falten, schneiden, kleben: Das ist schon niedlich, wenn starke, junge Männer basteln – und dabei kleinen Kindern erklären, wie das geht: Weihnachtssterne aus Butterbrotpapier und zuckerklebrige Keks-Häuser entstanden jüngst bei der Weihnachtsfeier in der neuen Flüchtlingsunterkunft am Bünt. Eingeladen hatte der Awo-Jungentreff, der am Binnenfeldredder jeden Mittwoch von 15 bis 18 Uhr Kinderspiele anbietet: „Inzwischen müssen die Kleinen auch nicht mehr so doll schubsen. Sie können schon ein bisschen Deutsch und haben die Spielregeln verstanden“, sagt Leiter Torben Köhler. Er hatte auch einen Weihnachtsmann bestellt, der Filzstifte, Flummis und Malblocks verteilte.

Besonders schön aber ist die ehrenamtliche Unterstützung aller großen Jungs über 15 Jahre. Sie waren allein aus Kriegsgebieten geflüchtet und wohnten in der Unterkunft an der Billwerder Straße, als 2015 der „Jugendtreff Plus“ gegründet wurde. „Für sie gibt es in Bergedorf kaum Angebote. Außerdem haben sie den Stempel ,aufmüpfig und gefährlich’, sobald mehr als drei zusammenstehen“, weiß Köhler. Und genau diese jungen Männer helfen heute den Jüngeren beim Basteln.

Da sind etwa Aiham (18) aus dem Irak, der jetzt zur Berufsschule geht, und der Türke Abdullah (17), der eine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten macht. Oder Mouataz (20) aus Syrien, der an der Stadtteilschule Richard-Linde-Weg gerade sein Abitur macht und gern Schauspieler werden möchte.

Heiligabend wird mit Raclette und Julklapp gefeiert

Jeden Dienstag treffen sie sich um 17 Uhr zum Kicken in der Turnhalle an der Leuschnerstraße, gehen dann zum Jungentreff (Walter-Freitag-Straße 8), um gemeinsam zu kochen – wenn es denn Geld für Lebensmittel gibt. „Für Sachmittel oder Ausflüge haben wir kaum etwas übrig. Aber wir sind schon froh, dass die Bezirksversammlung gerade beschlossen hat, die halbe Personalstelle meiner Kollegin zu erhalten“, sagt Köhler. So kann Betreuerin Eike Möller 2019 aus dem Quartiersfonds bezahlt werden, zudem sind mit den zugesagten 26.000 Euro noch einige Honorarstunden möglich – schließlich kümmert sich die Awo an fünf Tagen um die jungen Flüchtlinge.

Außerdem haben die Jugendlichen 500 Euro aus dem Verfügungsfonds des Stadtteilbeirates bekommen. Damit wird gefeiert: Am 24. Dezember gehen sie mit etwa 30 Leuten zunächst in den Krippenspiel-Gottesdienst von St. Petri und Pauli, anschließend gibt es Raclette, werden beim Julklapp Geschenke ausgewürfelt. Torben Köhler: „Dann sind ihre deutschen Freunde alle bei ihren Familien. Die unbegleiteten Flüchtlinge aber sind Weihnachten sonst allein.“