Riesennager

Nutrias werden zur Plage - Feuer frei?

Foto: Wiebke Schwirten / dpa und Thomas Heyen

Boberg. Nutrias breiten sich in Deutschland aus, ein großes Vorkommen gibt es auch in Boberg. Der Riesennager ist eine Gefahr für Deiche.

Bergedorf.  Mit ihren weißen Schnurrhaaren und den orangefarbenen Zähnen sehen sie knuffig aus, fast wie große Meerschweinchen. Doch die Nutrias werden zu einem Problem, das Millionenschäden nach sich ziehen kann: Die aus Südamerika stammenden Riesennager graben Gänge und Höhlen in Schutzdeiche und Böschungen. Und sie werden immer mehr.

In Niedersachsen, das 650 Kilometer Sturmflutdeiche und etwa 1000 Kilometer weitere Deiche schützen muss, wurden 2018 von Jägern 24.320 Nutrias erlegt – so viele wie nie zuvor. Und dennoch breitet sich die Population immer weiter aus, da die Tiere das ganze Jahr über Junge bekommen können. Bei der Landwirtschaftskammer sollen daher nun drei Berufsjäger angestellt werden, um den Kampf gegen die Nager zu koordinieren, berichtet die „Hannoversche Allgemeine“.

Die Population wächst

Auch in Bergedorf bereiten die Nutrias Probleme, nicht nur an den Deichen. So beklagen Landwirte, dass Rinder und Pferde auf unterhöhlten Flächen einbrechen und sich verletzen können. Zuletzt wurde sogar ein Zehn-Kilo-Tier in einem Boberger Privatgarten entdeckt. Die alarmierte Polizei informierte Bergedorfs Revierförster Tim Laumanns, der warnt: „Die Population wächst rasant, weil das Weibchen dreimal im Jahr zehn Junge bekommt.“

Nutrias wurden einst als Zuchttiere für den Pelzhandel importiert, etliche entflohen oder wurden absichtlich freigelassen. Ihre Nachkommen richten heute allein in Niedersachsen jährlich Schäden in Millionenhöhe an. Wie Niedersachsen setzt auch Nordrhein-Westfalen, wo Nutrias in Naturschutzgebieten an der holländischen Grenze für erhebliche Schäden an Pflanzen verantwortlich sein sollen, auf Abschussprämien. „Es werden Prämien von sechs bis 20 Euro pro Tier gezahlt. Im nächsten Jahr werden deutschlandweit sicher über 100.000 Nutrias getötet“, sagt Tim Laumanns.

Winter könnte Population dezimieren

Hamburg will zunächst abwarten und die Population beobachten und dokumentieren. Das ist das Ergebnis einer Konferenz, zu der die Loki-Schmidt-Stiftung mit der Umweltbehörde eingeladen hatte. Dabei waren Jäger, Land- und Forstwirte, zudem Vertreter von Naturschutz- und Wasserverbänden. Alle hoffen auf einen frostigen Winter, der die Population dezimieren könnte. Naturschützer warnen vor einer Bejagung, da Jäger die Nutria mit dem schützenswerten Biber verwechseln könnten (dessen breiter Schwanz ist im Wasser etwa nicht erkennbar).

„Dieses Restrisiko ist sehr klein, die Jäger sind gut ausgebildet“, hält Tim Laumanns dagegen. Er warnt: „Abwarten ist legitim. Aber wer warten will, muss hinterher auch eine Lösung parat haben, wenn die Landwirte auf ihren Schäden sitzenbleiben oder der Steuerzahler den Hochwasserschutz ausgleichen muss.“