Jerry Kwarteng

Ein Lohbrügger dreht an der Seite deutscher Stars

Jerry Kwarteng, Schauspieler aus Lohbrügge, vorm Michel.

Jerry Kwarteng, Schauspieler aus Lohbrügge, vorm Michel.

Foto: Christina Rückert / BGZ / Christina Rückert

Lohbrügge. Seine Heimat Hamburg trägt der 42-Jährige, der jetzt in Berlin lebt, im Herzen: „Ich bin Lokalpatriot“.

Lohbrügge.  Hier noch ein Handschlag zum Abschied, da ein nettes Wort und eine Umarmung: Herzlich verabschiedet sich die Filmcrew an diesem Morgen in der Hamburger Hotellobby am Michel voneinander. In ihrer Mitte: Jerry Kwarteng aus Lohbrügge. Der 42-Jährige, das wird beim Blick in einige bekannte Gesichter klar, hat es in den Kreis namhafter Schauspieler geschafft: Gerade hat er mit Armin Rohde die „Nachtschicht“ in Hamburg gedreht, zuvor stand er mit Natalia Wörner und Ralph Herforth vor der Kamera und demnächst wird er an der Seite bekannter Comedians wie Michael Kessler eine Hauptrolle in der neuen Sat.1-Serie „Die Läusemutter“ spielen.

Keine Frage: Der Lohbrügger, der die Grundschule Mendelstraße und das Gymnasium Bornbrook besuchte, hat sich als Schauspieler einen Namen gemacht. Und auch wenn Jerry Kwarteng vor einiger Zeit aus beruflichen Gründen nach Berlin gezogen ist, trägt er die Heimat doch immer im Herzen: „Ich bin totaler Lokalpatriot“, sagt er. Hamburg, und vor allem Lohbrügge, sind für ihn das Zuhause. „Die letzten 100 Kilometer vor Hamburg merke ich immer, wie meine Freude ansteigt.“ Und wenn er in Bergedorf ist, geht Jerry Kwarteng „zum Beispiel immer, wenn Zeit ist, einmal durch das Grüne Zentrum“.

Als Pflegekind wächst er bei Familie Arndt auf

Dass der 42-Jährige so eine enge Bindung an die Heimat hat, ist auch seiner Familie zu verdanken: Als Pflegekind wuchs Kwarteng in der Familie von Dr. Claus Arndt (1927–2014) auf, eines bekannten SPD-Rechtspolitikers, der unter anderem an den deutschen Ostverträgen der 1970er-Jahre mitwirkte und sich für Minderheitenrechte einsetzte.

Der kleine Jerry war 1976 als Kind eines ghanaischen Paares, das in Hamburg Wirtschaft studierten, in der Hansestadt zur Welt gekommen. „Ich war als Baby lebensbedrohlich krank“, erzählt der Schauspieler heute. Er hatte ein schweres Lungenleiden und schiefe Gliedmaßen, die gerichtet werden mussten. Die Ärzte räumten ihm größere Überlebenschancen ein, wenn er in Hamburg bliebe und nicht mit den Eltern zurück nach Ghana ginge. So kam das Kind in die Familie von Dr. Arndt und seiner Frau Elke, die drei eigene Kinder hatten (darunter die heutige SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Peri Arndt) und nun auch einen Pflegesohn.

Nach dem Abi studierte er Jura

Jerry Kwarteng wuchs behütet auf, Claus und Elke Arndt nennt er bis heute liebevoll „meine Mutter und meinen Vater“. Nach dem Abitur am Gymnasium Bornbrook trat er zunächst in die Fußstapfen Claus Arndts und studierte in Hamburg Jura. „Schon während der Zeit habe ich auch Theater gemacht“, erzählt der Vater zweier Kinder, der mehrere Sprachen spricht. Doch nach dem Abschluss zog es ihn zunächst ins Ausland: In Barcelona arbeitete er im Eventbereich, kehrte erst 2009 mit der spanischen Wirtschaftskrise nach Deutschland zurück, zog nach Berlin. „Da habe ich mir gesagt: ,Okay, du unternimmst noch einen letzten Versuch mit der Schauspielerei’, und bin auf eine Schauspielschule gegangen.“

Relativ schnell klappte es dann mit den ersten Rollen. „Tatort“, „Unter anderem Umständen“, „Bettys Diagnose“, „Tierärztin Dr. Mertens“: Jerry Kwarteng kann eine ganze Reihe bekannter Filmprojekte nennen, auch ein internationales von Oscar-Preisträger und Regisseur Giuseppe Tornatore. Doch bei aller Dankbarkeit hat er auch eine Mission: Er wünscht sich, dass schwarze Schauspieler weniger stereotyp besetzt werden.

„Es fehlen Geschichten von Menschen wie mir“

„Es fehlen die Geschichten von Menschen wie mir“, meint er. Also Menschen, die zwar zufällig eine andere Hautfarbe haben, aber Deutsche sind, durch und durch. Ganz normale Menschen mit einem normalen Leben. Stattdessen seien Menschen anderer Hautfarbe oft Täter oder Opfer, anhand derer die Geschichte anderer erzählt werde.

„Ich war noch nie in Ghana und bin gern Deutscher“, sagt Kwarteng. „Wir alle haben dieselben Sorgen, das bringt uns alle doch eigentlich zusammen. Wir sollten nicht immer nur auf die Unterschiede hinweisen.“