Mieterverein

Ein Drittel kann Miete bald nicht mehr zahlen

Die Kosten für energetische Sanierungen, wie hier die Wärmedämmung, können Eigentümer anteilig auf ihre Mieter umlegen.

Die Kosten für energetische Sanierungen, wie hier die Wärmedämmung, können Eigentümer anteilig auf ihre Mieter umlegen.

Foto: Armin Weigel / picture-alliance / Armin Weigel

Die Mieten in Hamburg schießen durch die Decke. Der Mieterverein fordert nun Schutz vor Mieterhöhungen nach Modernisierungen.

Bergedorf.  Der Hamburger Mieterverein schlägt Alarm: „Rund ein Drittel der Hamburger wird sich in den nächsten Jahren ihre Miete nicht mehr leisten können“, sagte Siegmund Chychla, Chef des Mietervereins, gestern bei einer Pressekonferenz. So hoch sei der Anteil der Hamburger mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 1500 Euro pro Monat. Und gerade für sie werden die steigenden Mieten zu einem großen Problem.

Zu wenig Sozialwohnungen

Als Gründe für die Steigerungen nennt Chychla, dass viel zu wenig neue Wohnungen gebaut werden. Zwar sei das Ziel des Senats von 10.000 Wohnungen jährlich grundsätzlich gut, die Zahl der Sozialwohnungen jedoch viel zu niedrig. Hinzu komme, dass viele Vermieter bei bestehenden Mietverträgen alle Chancen ausnutzten die Mieten zu erhöhen. „Das ist ein Teufelskreis“, so Chychla, der in Sachen Mieterschutz von einem „totalen Versagen“ der Politik sprach.

Laut Mieterverein kommt es regelmäßig zu extremen Mieterhöhungen nach Modernisierungen. In einem besonders drastischen Fall soll eine Rentnerin für ihre Mietwohnung in Harvestehude über 400 Prozent mehr zahlen – insgesamt dann 1400 Euro pro Monat für 42 Quadratmeter. Nicht ganz so heftig geht es in Bergedorf zu. Aber auch hier gibt es Fälle, bei denen hohe Modernisierungskosten auf die Mieter umgelegt werden.

Mieterhöhung um knapp die Hälfte

So bekam R. Kamrad vor drei Wochen Post. Darin teilt ihm sein Vermieter mit, dass das Haus an der Fockenweide, in dem er seit Jahrzehnten zusammen mit seiner Frau auf knapp 70 Quadratmetern wohnt, ab Februar modernisiert wird. Sobald die Arbeiten fertig sind, steigt die Kaltmiete von bislang 412 Euro auf 626 Euro – ein Anstieg um knapp die Hälfte. „Ich war geschockt, als ich das gelesen habe“, so Kamrad. Einen moderaten Mietanstieg könnte der 68-Jährige verstehen, zumal sich die Heizkosten wohl verringern werden. Nun schaue er sich aber schon nach anderen Wohnungen um.

Unterschriften gesammelt

„Ich kenne Fälle, in denen wurde die Miete erhöht, aber nur für eine gewisse Zeit“, so Kamrad. In seinem Fall ist die Erhöhung jedoch dauerhaft – und sie ist rechtens. Laut Gesetz können Vermieter elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Jahresmiete umlegen, ohne Kappungsgrenze und ohne Begrenzung durch die ortsübliche Miete. Trotzdem hat Kamrad sich mit seinen Nachbarn zusammengetan und bislang 14 Unterschriften gesammelt. Gemeinsam mit dem Mieterverein wollen sie überlegen, was sie gegen die Preissteigerung tun können.

„Wir haben die Auflage, die Häuser zu modernisieren und die Kosten dafür sind in den letzten Jahren stark gestiegen“, sagt Julia Hartenstein, Chefin des Vermieters Glunz. Die Erhöhungen seien, wenn man auf die neuen Preise pro Quadratmeter schaut, in einem vertretbaren Rahmen.