Bergedorf

Todesopfer trotz Rauchmelder

Feuer  Häufige Fehlalarme hemmen Effizienz – Experten: Über neue Brandschutzmaßnahmen nachdenken

Bergedorf.  Für die 75-jährige Dame kam die Hilfe der Feuerwehr zu spät: Als die Retter mitten in der Nacht ihre Wohnungstür an der Leuschnerstraße aufbrachen und nur unter Atemschutz durch die dichte Rauchwolke in den Räumen vordringen konnten, fanden sie die Bewohnerin tot vor ihrem brennenden Bett. Sie war an einer Rauchgasvergiftung gestorben. Dabei hatte ihr Rauchmelder angeschlagen, jedoch hatten die Nachbarn zu spät darauf reagiert. Der Wettlauf gegen die Zeit war verloren.

Der Unglücksfall Ende Juni 2018 ist einer von bisher elf Todesfällen durch Brände in diesem Jahr in Hamburg. Was Brandschutzexperten dabei nur schwer erklären können: Seit 2011 müssen Wohnungen in Hamburg mit Rauchmeldern ausgestattet sein, dennoch steigt die Zahl der Brandtoten. Mehr als 30 Experten der Feuerwehr, Brandursachenermittler und Rechtsmediziner aus Deutschland und Österreich berieten gestern auf einem Symposium über die Ursachen. Im vergangenen Jahr kamen in Hamburg zwölf Menschen bei Bränden ums Leben, zwei mehr als 2016.

Jeder Brandtote sei ein Einzelfall, sagte Oberbrandrat Franz Petter. Unter den Opfern seien ältere und bewegungseingeschränkte Menschen und solche, die unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol standen. Es komme auch vor, dass jemand beim Kochen einen Herzinfarkt erleide und erst anschließend ein Feuer entstehe.

„Auffällig ist die Tatsache, dass es viele Todesopfer gab, obwohl der Rauchwarnmelder ausgelöst hatte“, erklärte die Feuerwehr. Noch mehr Rauchmelder zu installieren, sei darum keine Lösung. Die Warngeräte sollten in Schlafzimmern und Fluren vorhanden sein. Rauchmelder im Keller oder Dachboden dagegen führten durch Staub und Temperaturschwankungen nur zu häufigen Fehlalarmen. Laut Oberbrandrat Petter muss nun über andere Brandschutzmaßnahmen nachgedacht werden: „Wir können aber niemanden davon abhalten zu kochen.“

„Eine häufige Brandursache ist die vergessene Pizza im Backofen oder das Schnitzel in der Pfanne“ bestätigt Thomas Hebisch, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Nettelnburg. Zu etwa 75 Haus- und Wohnungsbränden jährlich werden er und seine Leute gerufen, mehr als die Hälfte davon entsteht in der Küche. Thomas Girmann, Bereichsführer Bergedorf der Freiwilligen Feuerwehr, befürchtet, dass häufige Fehlalarme die Effizienz der Rauchmelder hemmen: „Wenn so ein Ding mehrfach wegen Haarspray oder Zigarettenrauch gepiept hat, ruft keiner mehr gleich die Feuerwehr.“