Neuallermöhe

Lernen wird hier zum Erlebnis

Clara-Grundwald-Schule startet Junior Akademie – Workshops statt Unterricht

Neuallermöhe. . Es scheppert gewaltig. Über den gesamten Schulflur. Das Scheppern wird immer lauter, je näher es dem Musikzimmer der Clara-Grunwald-Schule geht. Und das mitten in der Unterrichtszeit: Wer verursacht nur solchen Lärm? Klare Sache: die Grundschüler selbst in der Trommelgruppe „Parade der Kulturen“.

Sie schlagen minutenlang in einem Rhythmus auf Trommeln, Farbeimer, Einkaufswagen und Ölfässer ein, erzeugen eine ohrenbetäubende Klangkulisse. „Das macht unser Experte absichtlich. Die sollen sich erst einmal austoben, danach dann runterkommen und lernen, aufeinander zu hören“, erläutert Heide Momkämper.

Sie hat mit der Kulturwerft Hamburg das Konzept der Junior Akademie (JA!) entwickelt. Und diese JA! startet an der Grundschule mit einem neuen pädagogischen Ansatz. Nicht nur Lehrer vermitteln hier Wissen, sie werden von externen Experten aus der Berufswelt unterstützt: „So wird Schule zum Gesamterlebnis“, sagt Organisatorin Mombächer. Das Lernen von Rechnen, Schreiben und Lesen als Grundlage von allem geschieht dabei quasi nebenbei.

Mit zunächst drei Themen-Workshops – im zweiten Schulhalbjahr werden weitere folgen – starten zunächst 38 Dritt- und Viertklässler in der JA! Dreimal pro Woche, jeweils 75 Minuten, gibt es diesen besonderen „Unterricht“. Jeder Externe bekommt dabei eine Lehrkraft der Schule an die Seite gestellt. So ist es auch in der Kochgruppe „Lieblingsgericht“ von Philipp Johann, der normalerweise in seinem „Philipps Restaurant“ im Karolinenviertel an den Herdplatten steht. Die Kochgruppe produziert Pasta und Pesto selbst. „Ich wollte Kochen einfach gern lernen, vielleicht mal Chefköchin werden oder meine eigene Pizzeria aufmachen“, sagt die neunjährige Louisa, und ihre gleichaltrige Mitschülerin Roxana ergänzt: „Ich möchte meine Mama mit etwas Leckerem überraschen. Sie liebt Makkaroni.“

Doch bei dieser ersten vagen Idee einer späteren beruflichen Laufbahn bleibt es nicht: Die Kinder lernen nebenbei, wie die Zutaten aussehen und auf italienisch heißen, rechnen die Verbrauchsmengen bis aufs Gramm genau aus, damit das Gericht auch schmecken möge. Am Schluss soll schließlich ein Kochbuch mit eigenen Rezepten selbst geschrieben werden.

In der „Parade der Kulturen“ geht es ums Rhythmusgefühl, als Ergebnis der „Junior Baumeister“ soll ein kleines Gartenhaus auf dem Schulgelände gebaut werden – alles wird dann präsentiert beim „Marktplatz der Kulturen“ vor den nächsten Sommerferien.

Das sind erst die Auftaktgruppen, denn bald kommen noch der „Bühnenkampf“ (bühnenreife, gestellte Schlägereien lernen), „Pflanzen pflanzen“ (Kreation eines Wunschgartens auf dem Schulgelände) oder „Poetry Slam“ hinzu. Heide Mombächer ist überzeugt: „Die Lehrer werden neue Qualitäten der Kinder kennenlernen.“

Die JA! nutzt die Gegebenheiten der Neuallermöher Grundschule aus, die sich „Vielfalt als Chance“ gesetzt hat. Unter den 380 Schülern werden 30 Muttersprachen gesprochen. Manuel Joost, stellvertretender Direktor: „Eine Akademie an einer Schule im sozial benachteiligten Bereich zu gründen, das hat was.“ Finanziert wird die JA! von Föderern aus der Wirtschaft.