Tierschutz

Bergedorf bekommt einen Gnadenhof für Stadttauben

Annett Behrend mit der weißen Taube „LIsa“ und Susanne Gentzsch mit der verletzten Stadttaube „Fiodora“.

Annett Behrend mit der weißen Taube „LIsa“ und Susanne Gentzsch mit der verletzten Stadttaube „Fiodora“.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

„Gandolfs Taubenhof“ stellt am Sonnabend die neue Voliere am Pollhof vor und informiert über Tierschutz.

Bergedorf.  Vielleicht findet jeder Mensch mal seine Mission. Und so ist Susanne Gentzsch stets mit Leinenbeutel, Schere und Körnerfutter unterwegs. Sie will verletzte Stadttauben retten. Ein Dutzend Tierschützer haben sich vom Verein „Hamburger Stadttauben“ abgewandt und bilden das Team um „Gandolfs Taubenhof“: „Wir glauben, dass die Tauben ein großen Schlag brauchen, wo sie an der frischen Luft spielen und baden können“, sagt Gentzsch. 25 Quadratmeter groß ist die Voliere, die nun mit 45 Tieren bestückt am Pollhof steht, hinter der Igel-Station des Vereins „Looki“. Am Sonnabend beginnt um 12 Uhr die Eröffnungsfeier mit Informationen über das Leben und Elend der Tiere, „die sonst keine Lobby haben“.

gebissen und aufgespießt

Vor einer Woche hatte eine Lohbrüggerin eine flügelverletzte Taube nahe dem Marktkauf-Center entdeckt, gefangen und in einen Karton gesteckt. Über Facebook meldete sie den Notfall „Wakti“ den Tierschützern. Der Vogel lebt jetzt im Gnadenhof neben „Elmar“, der aus einem Nest in Billstedt gefallen ist. Auch „Friedolin“ und „Papillon“ haben jetzt einen Ring samt Nummer, die auf ihr Schicksal verweist: Manche haben Bisswunden oder waren auf „Spikes“ aufgespießt, mit denen sich Hauseigentümer vor dem Dreck schützen wollen. Andere hatten sich mit ihren schuppigen Füßen in Haaren, Fäden, Angelschnüren oder Kabelbindern verfangen.

„Sie ernähren sich notgedrungen von Müll“

„Tauben sind verwilderte Haustiere, die ursprünglich mal in Schlägen von Züchtern gelebt haben und darauf getrimmt wurden, jährlich zweimal sechs Eier zu legen. Wir müssen die Population kontrollieren, in Volieren können wir die Eier gegen Gipseier tauschen“, sagt Susanne Gentzsch. Sie weiß, dass sich viele Menschen vor den Tieren ekeln und Angst vor Krankheiten haben. „Aber wenn die Taube in der Stadt keine Körner findet, lebt sie notgedrungen von Müll und Essensresten, bekommt davon Durchfall und Parasiten.“ Man müsse dringend mehr Taubenschläge bauen – „sonst bleibt es ein sich im Kreis drehendes Elend“, setzen sich auch die Tierschützerinnen Nicole Conrad und Annett Behrend für ein „nachhaltiges Taubenmanagement“ ein.

Gefährdete Hochzeitstaube

Einmal habe sie beobachtet, wie ein Betrunkener am Hauptbahnhof einer verletzten Taube auf den Kopf trat: „Seither fange ich die Tiere und bringe sie erst einmal in meine Wohnung in Bahrenfeld“, sagt Nicole Conrad. Sie erzählt auch von der weißen Taube „Mephisto“, die sich nicht in einen Schwarm integrieren konnte, nur knapp dem Hungertod entgangen sei: „Diese Hochzeitstauben finden oft nicht den Weg zurück. Und wenn wir die Züchter anrufen, sagen die bloß, wir sollten ihnen den Hals umdrehen. Die nehmen kein krankes Tier zurück.“ Zum Glück arbeite man mit der Lohbrügger Kleintierpraxis Dr. Venske gut zusammen: „Die Vogelspezialistin impft und hilft in Notfällen.“

Nabu: „Nicht vom Aussterben bedroht“

Kranke oder verletzte Tier zu pflegen und aufzupäppeln, sei nicht verwerflich, meint Dr. Christian Gerbich vom Bergedorfer Nabu. Aber es handele sich nun nicht gerade um eine vom Aussterben bedrohte Tierart, die ein besonderes Schutzkonzept brauche: „Andere Städte jagen sie mit Netzen, setzen Falken ein oder tun was ins Futter, damit sie nicht mehr fortpflanzungsfähig sind.“ Von wegen Futter: „Davon gibt es auch in der Stadt genug. Der Hungertod ist da eher eine natürliche Auslese.“