Protest-Fest

„Dürfen wir im Rathaus chillen?“

„Info-Protest-Fest“ in Lohbrügge: David, Alex und Sascha (v.l.) haben es sich gestern mitten auf dem Lohbrügger Markt gemütlich gemacht: Wenn ihr Awo-Jungentreff schließen müsste, würden sie eben im Rathaus chillen, sagen sie grinsend – und schicken Hamburgs Bürgermeister eine Postkarte gegen die Kürzung der Jugendhilfe.

„Info-Protest-Fest“ in Lohbrügge: David, Alex und Sascha (v.l.) haben es sich gestern mitten auf dem Lohbrügger Markt gemütlich gemacht: Wenn ihr Awo-Jungentreff schließen müsste, würden sie eben im Rathaus chillen, sagen sie grinsend – und schicken Hamburgs Bürgermeister eine Postkarte gegen die Kürzung der Jugendhilfe.

Foto: Strickstrock / BGZ

Bergedorf. Jugendpolitik Ausschuss lädt Hamburger Polit-Experten zur Anhörung

Bergedorf.  Hunderte von Bergedorfer Postkarten mögen das Hamburger Rathaus erreichen: „Bitte spart nicht an der offenen Kinder- und Jugendarbeit, sie ist uns wie ein zweites Zuhause“, schreiben die Jugendlichen an die „liebe Frau Senatorin“, den „lieben Herrn Bürgermeister“. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass das Geld (die Rahmenzuweisungen der Sozialbehörde) nicht ausreicht, um alle Jugendclubs zu finanzieren und die Mitarbeiter tarifgetreu zu bezahlen. „Wenn immer mehr Einrichtungen schließen, dürfen wir dann im Rathaus chillen?“, fragen die Kids.

„Nur Kosmetik und hilft uns nicht weiter“

Bezirksversammlung und Jugendhilfe-Ausschuss hatten im November einstimmig beschlossen, dass der neue Doppelhaushalt um mindestens 16,22 Prozent wachsen müsse. Stattdessen wurden bloß 1,6 Prozent angekündigt – für den neuen Jugendclub am Gleisdreieck: 32 500 statt 329 000 Euro. „Das ist nur Kosmetik und hilft uns nicht weiter“, kritisiert die AG OKJA (offene Kinder- und Jugendarbeit), die im Übrigen auf „wertschätzende Lippenbekenntnisse“ verzichten könnte: „Davon lässt sich kein Mitarbeiter bezahlen, keine Heizung reparieren oder Ferienfreizeit finanzieren.“

Jugend- und Finanzexperten der Bürgerschaft

Das weiß der Jugendhilfe-Ausschuss nur allzu gut und bittet die finanz- und jugendpolitischen Sprecher der Bürgerschaftsfraktionen zu einer öffentlichen Experten-Anhörung: Nächsten Dienstag, 26. Juni, beginnt sie um 18 Uhr im Lichtwarkhaus. Klare An- und Aussagen werden von Peri Arndt (SPD), Dennis Gladiator (CDU) und Mehmet Yildiz (Die Linke) erwartet, zudem kommen Landesvertreter von FDP und den Grünen. Letztere taten sich übrigens schwer mit einer Zusage, sahen sich die Politiker doch am Gängelband der Verwaltung. „Der Ausschuss ist aber nicht die Verwaltung, wir bitten lediglich Experten um ihre Stellungnahmen“, sagt Vize-Vorsitzender Stefan Thomsen.

Jugendarbeit nicht „im Vorübergehen abhaken“

Bergedorfs Pädagogen wollen eine „stimmgewaltige Öffentlichkeit“ herstellen, „damit die verantwortliche Politik merkt, dass die OKJA nicht mal so im Vorübergehen abzuhaken ist“. Einfach abhaken lassen sich zum Beispiel auch nicht die gut 50 jungen Flüchtlinge, die im „Jungentreff plus“ am Billebogen betreut werden. Dessen Finanzierung läuft mit Glück noch bis zum Jahresende. „Aber wir brauchen auch 2019 wieder 30 000 Euro, um Schul- und Praktikumsplätze zu vermitteln, bei Fragen rund um Wohnung und Arbeit zu helfen. Wir geben den Jugendlichen Halt und Orientierung“, bekräftigen die Pädagogen.