Bergedorf.

Wo Bergedorfer der Schuh drückt

Erster Bürgermeister Peter Tschentscher spricht im Lichtwarkhaus über Stadtentwicklung und Verkehr

Bergedorf.  Wie ein Pastor wirke er auf sie – rhetorisch geschliffen, mit ruhiger Stimme und am Ende glaube sie ihm auch noch alles, was er sage. So beschreibt eine Besucherin, die ihre Bedenken bezüglich des neuen Stadtteils Oberbillwerder äußert, leicht ironisch das Gespräch mit dem neuen Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Montagabend im Lichtwarkhaus. Peter Tschentscher kann sich mit dem Vergleich sogar anfreunden: „Pastoren nehmen Sorgen, die man so nicht haben muss.“ Vor etwa 250 Bergedorfern bezog der Bürgermeister Stellung zu einigen Themen, die die Menschen bewegen, und versuchte, Zuversicht auszustrahlen.

Oberbillwerder

Natürlich wirft Hamburgs zweitgrößtes Stadtentwicklungsprojekt mit seinen 7000 Wohnungen für 15 000 Menschen viele Fragen auf – nach Zerstörung der Natur, der Versiegelung von Flächen und der weiter anwachsenden Verkehrsbelastung. Für Tschentscher steht fest, dass das Angebot an guten und günstigen Wohnungen eine der wichtigen Fragen für die Zukunft Hamburgs ist. „Es ist klar, dass die Stadt weiter wachsen wird, und darauf müssen wir uns einstellen.“ Das sei nicht negativ, an manchen Orten Deutschlands sehe man, dass Schrumpfen viel schlimmer sei. In Hamburg müsse viel gebaut werden und „direkt angrenzend an den S-Bahnhof Allermöhe sei genau die richtige Stelle“. Dort werde ein attraktives Quartier entstehen, bei dessen Erschließung alle Einwände berücksichtigt, gewissenhaft geplant werde.

Verkehrsanbindung

Volle Züge und Straßen – auch ohne weiter steigende Einwohnerzahlen – das ist das tägliche Leid vieler Bergedorfer. Tschentscher setzt voll auf den öffentlichen Nahverkehr. Er verspricht, mit der Bahn darüber zu reden, wie die Kapazitäten von und nach Bergedorf erhöht werden können, zum Beispiel mit engerem Takt und längeren Zügen.

Starkregen

Das Unwetter an Himmelfahrt und seine Folgen beschäftigen den Bezirk weiter. Was kann getan werden, damit die Schäden bei solchen Ereignissen in Zukunft geringer ausfallen? „Ich fürchte, solche Ereignisse haben mit dem Klimawandel zu tun“, so Tschentscher. Klimaschutz sei daher wichtig. Auf ausreichende Entwässerung werde in Oberbillwerder ganz genau geachtet. Ein Konzept über zusätzliche Schöpfwerke im Bezirk sei schon in Planung, aber noch nicht umgesetzt. Offen bleibt jedoch, wie neue Schöpfwerke, in denen das Wasser erst viele Stunden nach einem extremen Regenfall ankommen, überhaupt helfen können.

Breitbandausbau

Für diejenigen, die in den ländlichen Gebieten nur schlechte Internetanbindung haben, möchte sich Tschentscher bei den Telekommunikationsunternehmen einsetzen: „Der Ausbau ist keine staatliche Aufgabe, aber der Markt hat versagt.“ Auch müsse geprüft werden, wie zusätzliche Investitionsmittel aus Bundesprogrammen eingesetzt werden können.

G20

Knapp ein Jahr danach wird auch in Bergedorf noch über die Gewalt auf dem Gipfel diskutiert. Der Frage, warum nach der Auswertung des Videomaterials keine einzige Anklage gegen Polizisten erhoben wurde, weicht der Bürgermeister aus, eine Kennzeichnungspflicht wird nicht angesprochen. Für Tschentscher steht fest: „Die Polizei hat einen sehr, sehr guten Job gemacht“. Aber: „Einen G20 in dieser Form werden wir nicht mehr organisieren.“