EU-Projekt

Straßenlaternen in Bergedorf werden „intelligent“

Wie hier in Geesthacht wurden in manchen Kommunen bereits LED-Leuchten installiert. Meist aber ohne Zusatztechnik.

Wie hier in Geesthacht wurden in manchen Kommunen bereits LED-Leuchten installiert. Meist aber ohne Zusatztechnik.

Foto: Christoph Brix

Bergedorf. Die Laternen können per Sensoren zahlreiche Daten sammeln, etwa freie Parkplätze oder Staus melden, nach Bedarf heller leuchten.

Bergedorf.  Es klingt nach einem Wunderwerk digitaler Technik: Die „intelligente Straßenlaterne“ könnte als Notrufsäule dienen, als Ladestation für E-Autos, WLAN-Hotspot, Helfer für die Verkehrslenkung. Sensoren im Mast registrieren freie Parkplätze, Staus, sich nähernde Autos oder Fußgänger und sogar Unfälle. Auch kann die Zauberlaterne Umweltdaten messen, etwa zur Luftqualität.

Laternen sollen spätestens Mitte 2019 in Bergedorf montiert werden

„Wir werden bis spätestens Mitte nächsten Jahres solche Laternen in Bergedorf haben“, kündigt Christoph Lindemann aus dem Bezirksamt an. Bergedorf ist Pilotgebiet in dem EU-Projekt „My Smart Life“, an dem hier unter anderem Telekom, VW, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Energienetz Hamburg und VHH beteiligt sind. Anzahl und Standorte der Laternen kann Projektleiter Lindemann noch nicht nennen: „Es gibt umfangreiche Pakete, wir diskutieren noch über die Sensorik und gewünschte Funktionen. Zudem muss geklärt werden, wer der Eigentümer der Daten sein wird und wie sie geschützt werden.“

Erhebliche Energieeinsparungen durch das Umstellen auf LED-Leuchten

Die Umstellung auf LED-Leuchten verspricht große Energieeinsparungen, wird von der EU gefördert und gefordert. „Allein durch den Austausch von einer Million alter Straßenlaternen gegen moderne könnte die EU ihre für 2020 gesetzten Klimaziele erreichen“, sagt Joachim Lonien vom Deutschen Institut für Normung (DIN).

Viele Städte tun sich mit der Umrüstung schwer

In Deutschland gibt es fast zehn Millionen Laternen in der kommunalen Infrastruktur. Fachleute schätzen, dass zwei Drittel älter als 25 Jahre sind. Doch tun sich viele Städte mit der Umrüstung schwer: Die Lebensdauer der LED-Leuchten ist geringer, die Umrüstung teuer. Und Hamburg hat erst im vergangenen Jahrzehnt die Straßenbeleuchtung umgestellt – auf Natriumdampf-Lampen, die damals Stand der Technik waren.

Leuchtstärke passt sich an jeweilige Situation an

LED verbraucht allerdings noch weniger Energie als die Natriumdampf-Technik – und soll auch „schlau leuchten“ können: So kann sich die Leuchtstärke an die Witterung anpassen. Oder die Lampe leuchtet auf, sobald sich eine Person nähert und dunkelt wieder ab, wenn sich niemand mehr in der Nähe befindet. Und nicht zuletzt: Die Laterne meldet von selbst, wenn eine Leuchte ausgefallen ist – also muss der Wartungsdienst nur noch in Notfällen ausrücken.

Experten berichten am Freitag, 4. Mai, im Schloss

Was die Bergedorfer Laternen alles können sollen, wird beim „Smart-Life-Talk“ am Freitag, 4. Mai, im Bergedorfer Schloss diskutiert. Zwischen 18 und 20 Uhr (Eintritt frei) referieren Vertreter vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und der Deutschen Telekom AG, die schon in 18 europäischen Städten „smarte Lösungen“ anbietet. Sie kann etwa von Erfahrungen aus dem kroatischen Dubrovnik berichten, wo bereits IT-gestützte Laternen stehen. Auch in Deutschland gibt es schon Pilotprojekte, so in Düsseldorf und Monheim am Rhein.