Bergedorf

Plötzlich greift der Denkmalschutz

Bauvorhaben Gefahr durch „vereinfachtes Genehmigungsverfahren“ – Behörde will nicht nachbessern

Bergedorf. . Wer in Hamburg einen Altbau modernisieren oder durch ein neues Gebäude ersetzen will, kann eine böse Überraschung erleben: Wählt er das übliche „vereinfachte Genehmigungsverfahren“ nach Paragraf 61 der Hamburgischen Bauordnung, kann das Denkmalschutzamt trotz behördlicher Genehmigung jederzeit sein Veto einlegen.

So ist es im vergangenen Herbst selbst dem Bezirksamt ergangen, das die alte Poststelle neben der Einfahrt zum Rathaus an der Wentorfer Straße für einen Fahrradstellplatz abreißen wollte. Doch als die Pläne auf dem Tisch lagen, teilte das Denkmalschutzamt überraschend mit, dass es sich dabei um das alte Gärtner-Wohnhaus der Messtorffschen Villa handelt, aus der vor 91 Jahren das Bergedorfer Rathaus wurde. Mithin handele es sich um ein „erkanntes Denkmal“, das zwar nirgends eingetragen aber laut novelliertem Hamburgischen Denkmalschutzgesetz trotzdem zu erhalten ist. Eingeschaltet wurde das Amt seinerzeit vom Kultur- & Geschichtskontor.

„So kann es jedem Hauseigentümer ergehen, denn das vereinfachte Genehmigungsverfahren umfasst zwar die Überprüfung der Naturschutzbelange, nicht aber des Denkmalschutzes“, sagt André Wegner, Fachsprecher Bau der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung. „Das muss dringend nachgebessert werden.“

In seiner heutigen Form ist der Paragraf 61 eine hochexplosive Mogelpackung, warnt auch Denkmalsachverständiger Dr. Geerd Dahms: „Die sogenannte Vereinfachung besteht allein darin, die Fragen des Denkmalschutzes auf den Antragssteller abzuwälzen. Das ist in der Praxis einer der Hauptstreitpunkte bei Bauvorhaben. Denn wer soll ahnen, dass selbst Gebäude von 1982 schon erkannte Denkmäler sein könnten? Vor allem, wenn das nirgends vermerkt ist? So landen regelmäßig teure Modernisierungs- oder Neubaupläne im Papierkorb.“

Trotzdem sieht die zuständige Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen keinen Handlungsbedarf, wie sie der Bezirksversammlung in ihrer morgigen Sitzung (18 Uhr; Rathaus) mitteilt: Man sehe „keine Notwendigkeit“, das einfache Genehmigungsverfahren um die automatische Abprüfung der Denkmalschutz-Belange zu erweitern, heißt es in der Antwort auf einen Prüfauftrag aus dem November. Für Geerd Dahms ist das nicht nachvollziehbar: „Der Umweltschutz wird überprüft, weil das ein Bundesgesetz ist, doch der auf einem Landesgesetz basierende Denkmalschutz nicht. Dafür muss im Notfall der Bauherr gerade stehen. Offenbar nimmt der Senat seine eigene Gesetzgebung nicht besonders ernst.“