Bergedorf

Bergedorfs Prominenz anno 1910

Foto-Fundstück Ausgrabungen lockten vor 100 Jahren an den Doktorberg / Serie zum Lichtwark-Heft (3)

Bergedorf. . Die Suche nach den ersten Siedlungsspuren in Bergedorf ist auch vor 100 Jahren schon auf großes Interesse gestoßen. Ein Foto vom Sommer 1910 – Fundstück aus dem Museumsarchiv – zeigt eine überaus prominente Runde, die eine Ausgrabungsstätte am Doktorberg besucht.

Mit feinem Grabungswerkzeug legt Prof. Karl Hagen, Chef des Hamburger Völkerkundemuseums, Relikte eines etwa 2300 Jahre alten Urnengrabes frei. Im neuen Lichtwark-Heft, das jetzt für 8 Euro im Bergedorfer Buchhandel zu haben ist, werden Hagens Zuschauer nun detailliert beschrieben. Vielen von ihnen ist heute eine Straße in Bergedorf gewidmet.

Unter den Abgebildeten sind Prof. Dr. Justus Brinck-mann, erster Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe mit Wohnsitz im Bergedorfer Villengebiet, außerdem Heimatforscher Andreas Spiering und Kaufmann Gustav Glaesz, die beide maßgeblichen Anteil am Aufbau der Sammlung des Bergedorfer Bürgervereins hatten, heute Grundlage des Museums im Schloss. Einen kritischen Blick auf die Ausgrabung wirft der Bergedorfer Bürgermeister Hans Lange.

Weitere Prominente sind der Zeichner und Maler Hermann Haase sowie Wilhelm Kreyenberg, Rektor der Mädchenschule an der heutigen Chrysanderstraße. Außerdem Georg Hulbe, auf dessen Grundstück die Fundstätte lag.

Das Urnengrab, vier Wochen vor dem Fototermin von Spaziergängern am Rand des Bergedorfer Gehölzes nahe der schon damals existierenden Tennisplätze entdeckt, enthielt übrigens Gefäße mit menschlichen Knochen. Sien wurden als Reste einer Feuerbestattung aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. datiert. Es gilt als sicher, dass sie Teil eines umfangreichen Gräberfeldes waren, das durch die langjährige landwirtschaftliche Nutzung des Areals aber weitgehend zerstört worden war. So ist in einem Bericht unserer Zeitung vom 23. Juni 1910 zu lesen: „Herr Ludwig von Have hat, wie er mitteilt, hier vor 20 Jahren eine Menge Urnen herausgepflügt, sich aber leider nicht um den Inhalt gekümmert.“

Der letzte erhaltene Grabhügel wurde 1978 durch Hamburgs Bodendenkmalpflege untersucht und wiederhergestellt. Er ist bis heute am Zugang zum Bergedorfer Gehölz als archäologisches Geländedenkmal deutlich zu erkennen.