Bergedorf.

Zeltdach im Schlosshof eingestürzt

Schneefall brachte Konstruktion ins Wanken – Schirm vermutlich reparierbar – Schadenshöhe noch unklar

Bergedorf.  Was für ein Schreck: Als die Putzfrau am Donnerstagmorgen um kurz nach 7 Uhr den Schlosshof betrat, war ihr der Weg versperrt. Das Regenschirmartige Zeltdach, das große Teile des Innenhofs überspannte und dort Open-Air-Veranstaltungen auch bei Schietwetter ermöglichte, war eingestürzt. Die meterlangen Metallausleger und die daran befestigten weißen Segel blockierten den Weg zum Museumseingang.

Notruf an das Bezirksamt. Ulf von Krenski, Vize-Verwaltungschef und Dezernent für Steuerung und Service, eilte zum Schloss: „Wir haben sofort einen Statiker beauftragt, um zu prüfen, ob eine weitere Gefahr für das Gebäude, unser Bergedorfer Schloss, besteht“, berichtet Krenski. Der massive metallene Hauptpfeiler in der Hofecke stand besorgniserregend schief, am Boden waren Steine aus dem Kopfsteinpflaster gebrochen.

Der Statiker konnte dann vorerst Entwarnung geben. „So wie es aussieht, ist der Pfeiler aus dem Bodenfundament herausgebrochen, hat sich aber nicht in sich verbogen“, hofft Krenski: „Das lässt hoffen, dass das Zeltdach kein Totalschaden ist, sondern vermutlich repariert und wieder aufgebaut werden kann.“

Als Ursache hat der Experte „zu hohe Schneelast“ diagnostiziert. Ulf von Krenski: „In der Nacht hat es etwa fünf Zentimeter Schneefall gegeben. Dann ging der Niederschlag in Regen über, so dass die Last noch weiter zugenommen hat und der Schirm der Belastung nicht weiter Stand halten konnte.“ Erst knickten die äußeren Stützen zur Seite weg, dann kam der Hauptpfeiler ins Wanken.

Besonders ärgerlich: Erst in der vergangenen Woche war die von der Bezirksversammlung schon vor längerer Zeit beschlossenen Aufrüstung mit einer Beleuchtungsanlage realisiert worden. „Wir haben besonders energiesparende mehrfarbige LED-Scheinwerfer aus der professionellen Veranstaltungstechnik angebaut. Sie hingen nur zwei Tage, waren noch nicht ein einziges Mal im Einsatz“, ärgert sich der stellvertretende Bezirksamtsleiter. Dass die Montage der Scheinwerfer etwas mit dem Zusammenbruch des Daches zu tun hat, schließt das Bezirksamt aus.

Am Donnerstag haben vier Mitarbeiter einer Spezialfirma die LED-Leuchten und die Verkabelung wieder abgebaut um danach das abgestürzte Schirmdach zu zerlegen. „Das ist ein kontrollierter Abbau. anschließend werden die tragenden Teile, wenn sie nicht unter Spannung stehen, genau überprüft“, erklärt Krenski: „Erst danach können wir genauer sagen, mit welchem Aufwand, zu welchen Kosten und bis wann wir den Schirm wieder aufstellen können.“

Die Innenhof-Überdachung hatte immer wieder für Schlagzeilen gesorgt: Umstritten war vor allem der Zeitpunkt, wann der Schirm im Frühjahr aufgespannt und im Herbst abgebaut werden sollte. Dafür sind jeweils bis fünf Mann zwei Tage lang beschäftigt. Das Schirmdach hat 80 000 Euro gekostet und wurde durch Spenden finanziert. Im Mai 2010 wurde es eingeweiht. Video: goo.gl/saBZCH