Max-Bahr-Gebäude

Gutachter gegen XXXL-Möbelmarkt in Bergedorf

Möbelmarkt oder Maschinenbau – was wird aus dem Leerstand an der Kurt-A.-Körber-Chaussee?

Möbelmarkt oder Maschinenbau – was wird aus dem Leerstand an der Kurt-A.-Körber-Chaussee?

Foto: Jan Schubert / BGZ

Bergedorf. Der Bezirk wehrt sich gegen einen Möbelmarkt an der Kurt-A.-Körber-Chaussee. Ein neues Gutachten gibt ihm Recht.

Bergedorf.  Abgesehen von einer Zwischennutzung als Flüchtlingsunterkunft steht der ehemalige Max-Bahr-Baumarkt an der Kurt-A.-Körber-Chaussee seit Jahren leer, wächst hier das Unkraut aus allen Ritzen. Eigentümer des Grundstücks ist der Möbelriese XXXLutz (251 Einrichtungshäuser in neun europäischen Ländern), der hier ein „Mömax-Trendmöbelhaus“ eröffnen möchte – samt Wohn-Accessoires, Porzellan und „trendiger Deko“. Wie berichtet, ist das dem Bezirk wenig genehm: Zum einen gibt das der Bebauungsplan nicht her, zudem wird Konkurrenz für die Einzelhändler in der Bergedorfer City befürchtet.

Keine typische Einzelhandelslage

Die Fläche wird womöglich noch längere Zeit brachliegen. Der Stadtentwicklungsausschuss diskutiert morgen, 18 Uhr, über die Aktualisierung des Bergedorfer Einzelhandels- und Zentrenkonzepts. Ein neues Gutachten der GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH) zeigt auf, dass der leer stehende Baumarkt „keine typische Einzelhandelslage“ darstelle, ein Ausbau würde den Zielen des Bergedorfer Einzelhandelkonzeptes entgegenstehen, heißt es darin. Außerdem sei der Bezirk in Sachen Möbel-Sortiment bereits gut aufgestellt, es bestehe hier „kein akuter Handlungsbedarf“.

Politik bleibt gesprächsbereit

Eine klare Absage also an den Möbelriesen XXXL? „Wir sind immer noch gesprächsbereit, denn die angebliche Überversorgung im Möbelbereich schließt sicher auch Ikea mit ein. Das müssen wir erst mal hinterfragen. Erst dann werden wir eine Duftmarke setzen“, meint CDU-Fraktionschef Sven Noetzel. Er erinnert daran, dass XXXL zu Zeiten der dringenden Flüchtlingsunterbringung „sehr kooperativ“ gewesen sei, man sich daher jetzt auch ehrlich mit deren Interessen auseinandersetzen müsse: „Dem politischen Anstand gebührt mindestens ein begründetes Nein.“

WSB und BID dürfen mitreden

Das sieht Paul Kleszcz ähnlich, meint indes: „Das unabhängige Gutachten gibt jetzt ein klares Nein vor. Das ist eindeutig. Wenn ein Möbelmarkt hier nicht sinnvoll ist, werden wir uns auch nicht drängen lassen“, sagt der SPD-Fraktionschef. Bei der Aktualisierung des Bergedorfer Einzelhandels- und Zentrenkonzepts werden auch die Träger öffentlicher Belange beteiligt. So haben etwa der Bergedorfer Wirtschaftsverband (WSB), die Handwerkskammer und das BID Lohbrügge voraussichtlich vom 16. März bis zum 6. April die Möglichkeit, sich zu äußern.

Standort „prädestiniert für Maschinenbau“

„Ich glaube nicht, dass der Möbelmarkt in Bergedorf zu einem großen Zankapfel wird“, sagt Sven Noetzel. Dann müsse man aber eben auch aushalten, dass die Fläche noch etwas länger ungenutzt bleibe. Paul Kleszcz hält den Standort „prädestiniert für Maschinenbau“. Demnach sei hier Ingenieurstechnik und Forschung denkbar, auch eine Nutzung durch Handwerker, so der Sozialdemokrat: „Wir werden den B-Plan jedenfalls nicht anfassen.“ XXXL will mit der Politik im Gespräch bleiben.