Bergedorf.

Bergedorfer helfen im Senegal

Transporter soll medizinische Versorgung verbessern

Bergedorf.  Eine Urkunde musste her und ein möglichst hoheitlich aussehender Stempel. Dazu die geschwungene Unterschrift von „La Presidente de la Association Fluchtpunkt Bergedorf“. Lächelnd erzählt Anke Heidorn von den Bemühungen der Bergedorfer Flüchtlings-Initiative, einen gespendeten Rettungswagen in den Senegal zu begleiten: „Da braucht es viel offiziellen Schnickschnack, damit man keine Einfuhrzölle bezahlen muss“, schildert die 57-Jährige aus Kirchwerder.

Wie berichtet, hatten die vier Abgeordneten der Bergedorfer Linken ihre Aufwandsentschädigung gestiftet, damit ein 6500 Euro teurer, alter Transporter in das Dorf Djilékhar gebracht werden konnte. Dort leben 3000 bis 5000 Menschen („so genau wissen die es selbst nicht“) ohne Strom- und Wasserleitungen – und sie mussten mehrfach Tote beklagen, weil die Sandpiste bis zum 30 Kilometer entfernten Krankenhaus etwa bei schwierigen Geburten nicht rechtzeitig zu schaffen war. So hatte sich 2015 eine Initiative gegründet und ausgewanderte „Söhne des Dorfes“ um Hilfe für eine Medizinstation gebeten: Sie schrieben in die Hauptstadt Dakar, ins benachbarten Gambia und nach Europa.

Der 25-jährige Gärtner Bathie Diaw hatte in Reinbek von dem Aufruf erfahren und den „Fluchtpunkt Bergedorf“ informiert. Für den Transport spendete der Bergedorfer Gebäudereiniger Andreas Koch 1500 Euro, weitere Spenden reichten für Blutzucker- und Blutdruckmessgerät, Stethoskop und Verbandskästen.

Die Original-Fahrzeugpapiere im Gepäck, machte sich Anke Heidorn auf den Weg in den 37 Grad heißen Senegal und wollte den Transporter nach seiner zweiwöchigen Seereise in Empfang nehmen: „Aber er war noch immer nicht da, so konnte ich nur symbolisch den Zweitschlüssel übergeben“, sagt sie – und schildert ein Willkommensfest mit größtem Tamtam: „Alle hatten ihre schönsten, bunten Kleider angezogen, strömten jubelnd und winkend auf mich zu. Sicher Tausend Menschen hörten, wie ich auf ihrer Sprache Wolof eine kleine Grußrede hielt.“

Der Präsident des örtlichen Gesundheitskomitees, der Bürgermeister und der Dorfchef (dessen Amt wird vererbt) freuten sich als offizielle Würdenträger über das Geschenk aus Bergedorf. Zudem war ein Präfekt der Bezirksregierung zugegen, der sehr wohl vernahm, dass künftig auch staatliche Unterstützung in Djilékhar erwartet werde. „Das alles wurde vom Regionalfernsehen gefilmt“, berichtet Anke Heidorn, die natürlich die kleine Medizinstation mit den beiden Krankenbetten besichtigte: „Inklusive einer Apothekerin und einem Krankenpfleger arbeiten jetzt sechs Leute da. Und irgendwann möchten sie auch einen richtigen Arzt einstellen.“

Für das erfolgreiche Projekt wünscht sich „Fluchtpunkt Bergedorf“ nun eine dauerhafte Partnerschaft, damit Krankenbetten und medizinische Geräte für die Geburtshilfe angeschafft werden können. Damit vielleicht ein zweites Patientenzimmer angebaut werden kann. Wer sich mit Spenden beteiligen will, nutzt das Bankkonto von A. Heidorn bei der Vierländer Volksbank: DE86 2019 0301 0000 1277 01.