70 Jahre nach dem Abitur

Geritzte Herzchen auf der Schulbank

Bergedorf.  Schulbetrieb in Bergedorf vor 70 Jahren: Das heutige Luisengymnasium war eine Mädchenschule, das Hansa-Gymnasium eine Jungenschule. Da aber die Hansa-Schule nach dem Krieg noch ein Lazarett war, fand der Unterricht ab 1947 auch im Gebäude der Luisenschule statt, im Schichtbetrieb vormittags und nachmittags. Die Luisen-Mädchen und Hansa-Jungen sollten sich beim Schichtwechsel nicht treffen oder gar miteinander sprechen, weswegen sie auch unterschiedliche Treppenhäuser benutzen mussten.

Erinnerungen wie diese machten die Runde, als sich an diesem Wochenende sieben Abiturienten des Hansa-Gymnasiums aus dem Abiturjahrgang 1948 im Restaurant Forsthaus Bergedorf wiedertrafen. Der damalige Abiturient Hans-Walter Behr hatte seine ehemaligen Schulkameraden zusammengetrommelt.

Die Ehe aus dem Tintenfass

Dr. Karsten Gärtner vom Vorstand des Vereins der Freunde und Schüler der Hansa-Schule besuchte das Jubiläumstreffen und erinnerte an die besonderen Umstände, unter denen das Abitur vor 70 Jahren stattgefunden hatte.

Übrigens: Die strengen Hüter der Moral an der Luisenschule waren nicht sehr erfolgreich: Schon am zweiten Tag entdeckten sie ein in den Schultisch geritztes Herz. Natürlich gab es eine gepfefferte Strafpredigt und sogar die Androhung, einen Verweis zu kassieren. Dennoch fanden sich immer wieder heimliche Mitteilungen zwischen Jungen und Mädchen in den Tintenfässern der Schultische – aus einer dieser ,,Tintenfassbekanntschaften“ ist Jahre später sogar eine Ehe geworden.