Rudolf-Steiner-Schule

Hasse-Aula: Der Denkmalschutz kommt zur Unzeit

Die Rudolf-Steiner-Schule  Am Brink

Die Rudolf-Steiner-Schule Am Brink

Foto: Christina Rückert / BGZ

Bergedorf. Die Rudolf-Steiner-Schule kann nun doch einen Pachtvertrag für 60 Jahre abschließen und plant einen Anbau für die Mensa.

Bergedorf.  Wenn ein kleiner Schulverein mit Hamburgs Finanz- und der Schulbehörde verhandelt, sich zudem auch noch die Kulturbehörde einschaltet – da kann es schon mal schweißtreibend werden. So erlebt es jedenfalls Thomas Schramm seit einigen Jahren. Der Geschäftsführer der Rudolf-Steiner-Schule Am Brink will doch eigentlich bloß den Mietvertrag verlängern, das Haupthaus vom Schimmel befreien und eine neue Mensa für die 416 Schüler bauen.

Das Blatt hat sich gewendet

Doch wie berichtet, bot die Finanzbehörde einen Erbbauvertrag über 50 Jahre an – zum stattlichen Preis von 2,4 Millionen Euro. Dass bei der Berechnung des Bodenwertes aber mit einer rentablen Wohnbebauung kalkuliert wurde, war ein Schock. Massive Kritik von Bergedorfer Lokalpolitikern und der Bezirksverwaltung konnten das Blatt nun wenden, nicht zuletzt auch eine Protestaktion „Fairer Preis“, die sich an die Schulbehörde richtete.

Neues Gutachten für Büronutzung

Und so wurde ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, das nun eine Büronutzung zugrunde legt. Sie sei schließlich der tatsächlichen Schulnutzung gleichzusetzen, heißt es einlenkend. Großes Aufatmen beim Schulverein: „Wir können nun einen Erbbau-Pachtvertrag über 60 Jahre mit einer Einmalzahlung von 1,5 Millionen Euro abschließen“, sagt Thomas Schramm, der mit einer solchen Darlehenshöhe von Anfang gerechnet hatte. Aber ganz ohne Blessuren geht es nicht: „Als Zugeständnis werden wir wohl die Baulücke an der Brookstraße abgeben müssen, wo noch Platz für ein Wohnhaus ist.“

Denkmalschutz kommt überraschend

Fast wäre also schon der Champagnerkorken geknallt, war man sich doch mit der Finanzbehörde einig – da meldete sich nur zwei Tage später die Kulturbehörde: Die Hasse-Aula sei nun unter Denkmalschutz gestellt, teilte sie der überraschten Schulleitung Anfang September mit. Ein ungünstiger Zeitpunkt, findet Schramm: „Jetzt müsste man eigentlich alles neu bewerten, denn Denkmalschutz ist bekanntlich immer eine finanzielle Belastung, zumal das Dach ausgebessert werden muss.“ Und von steuerlichen Vorzügen könne bei einem gemeinnützigen Verein nunmal keine Rede sein.

Schule feiert 30. Bestehen

Und das alles, wo der Schulverein im nächsten Jahr doch große Aufgaben schultern will: Im Frühjahr wird das denkmalgeschützte Vorderhaus (immerhin Hamburgs ältestes Schulgebäude) vom Schimmel befreit. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro. Ebenfalls 1,5 Millionen Euro soll der im Sommer startende Neubau kosten, der eine Mensa, den Hort und einen Musikraum aufnehmen kann.

Und das alles im Festjahr, denn die Rudolf-Steiner-Schule feiert ihr 30-jähriges Bestehen in Bergedorf: Nach einer Feier im Haus im Park startet am 10. Oktober ein Festumzug bis zum Brink, wo von 12 bis 15 Uhr ein Erntedankfest gefeiert wird – samt Ritterspielen, Infoständen und Führungen über das 11 000 Quadratmeter große Schulgelände.