80 Retter, 40 Mimen

Rettungsübung bei der HAW: Überfall auf Modenschau

Wer keinen Mucks mehr von sich gibt, muss sofort behandelt werden: Rettungssanitäter reanimieren einen vermeintlich Schwerverletzten.

Wer keinen Mucks mehr von sich gibt, muss sofort behandelt werden: Rettungssanitäter reanimieren einen vermeintlich Schwerverletzten.

Foto: HamburgNews

Lohbrügge. Für das Computer-Projekt "Virtuelles Hospital" der HAW hat der Studiengang Rettungsingenieurswesen einen Großeinsatz inszeniert.

Lohbrügge. „Helft mir doch! Es tut so weeehh!“ Die schmerzerfüllten Schreie hallen gespenstisch kreuz und quer durch den Betonbau. Unter der Treppe, hinter der Sitzgruppe, neben der alten Telefonzelle, an der Glastür zur Mensa – überall liegen vermeintlich Schwerverletzte mit riesigen aufgeschminkten Wunden. Sie brüllen sich die Seele aus dem Leib nach den Sanitätern, die konzentriert und zügig, aber nicht hektisch zu Werk gehen.

Einsatzdaten für die Computer-Software

Das Essener SEK der Polizei, die Feuerwehren aus Billstedt und Schwerin, Malteser-Hilfsdienst und Arbeiter-Samariter-Bund aus Hamburg – etwa 80 Rettungskräfte und 40 Simulationspatienten waren am Sonnabend bei einer Rettungsübung in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) aktiv.

Veranstalter war der Studiengang Rettungsingenieurswesen mit Prof. Dr. Boris Tolg und seinem Projekt „Virtuelles Hospital“. Übungen wie diese liefern den derzeit 40 angehenden Rettungsingenieuren an der HAW und weiteren 40 Bachelor-Studenten im Fach Gefahrenabwehr Daten zur Entwicklung eines Computerprogramms zum Einsatztraining.

Das Szenario am Sonnabend: Bei einer Modenschau in der HAW ist es zu einer Kesselexplosion gekommen, umherfliegende Teile haben mehr als ein Dutzend Gäste und Models verletzt. Dann gibt es auch noch einen Überfall, zwei maskierte Scharfschützen verletzen weitere Besucher der Veranstaltung. „Nicht sehr realistisch“, gibt Boris Tolg zu, „aber die Teilnahme des SEK hat sich kurzfristig ergeben, da haben wir die Überfall-Geschichte mit hinein genommen.“

Plötzlich doppelt so viele Verletzte

Wer schreien kann, hat noch Reserven und braucht keine unverzügliche Hilfe. Eiliger ist es meist bei denjenigen, die auf dem Boden liegen und keinen Mucks mehr von sich geben. Diese Grundregel beherzigt der Leitende Notarzt Dr. André Dankert, der die Verletzten bei der anfänglichen Sichtung in drei Kategorien einteilt. Roter Aufkleber bedeutet „sofort behandeln“, gelber Aufkleber „später behandeln“, grüner Aufkleber „Patient kann laufen, hinausführen zur Sammelstelle“.

Um es ein bisschen spannend zu machen, zieht Tolg während der Übung noch ein As aus dem Ärmel: Statt der angekündigten 20 Personen sind plötzlich doppelt so viele schwer verletzt – eine echte Herausforderung für die überraschten Retter. „Im großen Ganzen ist die Übung gut gelaufen“, sagt Boris Tolg abschließend.