Denkmalschutz

Nach Schüttfort der Abriss vom Schilling-Haus?

Foto: Bettina Biester

Bergedorf. Der Bergedorfer Denkmalsachverständige Dr. Geerd Dahms kritisiert in deutlichen Worten den Abbruch der Schüttfort-Häuser. Zudem hat er die Befürchtung, dass schon bald wieder der Abrissbagger anrückt.

Als Geerd Dahms 1957 geboren wurde, lag Bergedorf in Trümmern. Doch Schuld waren nicht die Kriegsbomben, sondern die Stadtplaner. Sie ließen mitten durch die historische Vorstadt eine Schneise für die schöne neue Zeit schlagen, konkret die Bergedorfer Straße. Und der Denkmalschutz hielt still.

Dies war quasi der Urknall, der den Historiker und Denkmalsachverständigen bis heute erschüttert. Denn die Nachbeben der „Durchbruchstraße“ halten in seinen Augen bis zum aktuellen Abriss der Schüttfort-Speicher an. Wir haben mit Dahms über den heutigen Umgang der Bergedorfer mit dem Denkmalschutz gesprochen:

bz: is in die 90er-Jahre wurden abrissgefährdete Denkmäler in Bergedorfs City noch besetzt. Bei den Schüttfort-Speichern an der Chrysanderstraße hat sich niemand angekettet. Sind die Menschen unkritisch geworden?

Dr. Geerd Dahms: Die Bergedorfer reagieren heute anders. Wie in den einschlägigen Internet-Foren nachzulesen ist, wollen sich viele in Zukunft genau überlegen, wo sie ihre Schuhe kaufen.

Was ist dran an dem Argument, dass der Denkmalschutz-Gedanke heute sehr viel mehr Gewicht hat, als noch in den 50er- oder sogar den 80er-Jahren? Hat man in Bergedorf dazugelernt?

Aus meiner Sicht ist eher das Gegenteil eingetreten. Im Sachsentor wird mit der wunderbaren Architektur und dem historischen Flair geworben. Sie stehen angeblich für die Attraktivität dieses Einkaufsstandorts. Aber schizophrener Weise fällt ausgerechnet hier ein Jahrhunderte altes Gebäude nach dem anderen, nur um Neubauten mit noch mehr Verkaufsfläche Platz zu machen.

Aber das Denkmalschutzamt hat grünes Licht gegeben.

Ein Skandal. Es ist nicht nachvollziehbar, warum dort erst die Erhaltenswürdigkeit und Ortsbildprägung eines Altbaus ausdrücklich hervorgehoben wird, um dann doch dem Abriss zuzustimmen.

Auslöser soll ein Fachgutachten sein, das die Baufälligkeit der Gebäude feststellte.

Aber wo ist dieses Gutachten? Komisch, dass die Behörde genau das bis heute nicht vorlegt. Aus meiner Sicht hat das Denkmalschutzamt damals ohne Not einen kapitalen Fehler gemacht.

Das neue Hamburger Denkmalschutzgesetz regelt die Unterschutzstellung ganz anders. Hilft das, alte Bausubstanz besser zu schützen?

Das Denkmalschutzamt kann tatsächlich von heute auf morgen jedes mindestens 30 Jahre alte Gebäude unter Schutz stellen, das aus städtebaulichen, geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen dafür in Frage kommt. Dazu braucht es kein Verfahren und eigentlich nicht mal eine Information des Eigentümers.

Sie sagen also, dass der Abrissbagger wieder kommt. Welches Gebäude im Sachsentor fällt als nächstes?

Gefährdet ist jedes Haus, das als Neubau mehr Fläche bietet. Ich will hier keinem Grundeigentümer auf die Füße treten, der sich für den Erhalt seines Altbaus einsetzt. Aber wenn in Bergedorf Abriss-Gerüchte aufkommen, zeigt die Erfahrung, dass zwei Jahre später der Abrissbagger kommt. Leider ist heute das ehemalige Gerber-Zunfthaus, bekannt als Schilling-Haus an der Ecke Sachsentor/Chrysanderstraße, im Gespräch.

Das ausführliche Interview lesen Sie in der Printausgabe der Bergedorfer Zeitung / Lauenburgischen Landeszeitung vom 14. April. ePaper / Abo