Mahnmal

Dieser Künstler arbeitet unter Polizeischutz

Foto: NEWS & ART/Carsten Neff

Bergedorf. Der Bildhauer Jan de Weryha hat am Dienstagvormittag sein Mahnmal für Zwangsarbeiter repariert. Zwei Polizisten beschützten den Künstler dabei. Ein 36-Jähriger hatte in der Nacht zum Sonntag ein Hakenkreuz in die Betonstele geritzt.

Zwei Stunden lang brauchte Künstler Jan de Weryha gestern, um sein Kunstwerk am Schleusengraben zu reparieren. Wie berichtet, hatte ein betrunkener Pole (36) am Sonnabend mit einem Messer ein Hakenkreuz in das Mahnmal geritzt, das an die Zwangsarbeiter im Dritten Reich erinnern soll.

Komplizierte Wiederherstellung der Oberfläche

„Die Reparatur ist kompliziert“, stellt de Weryha fest: „Die Oberfläche der Betonstele hat die Maserung von Holz. Wenn ich das Hakenkreuz nur zuspachtel oder die Fläche abschleife, sieht man das hinterher stärker als zuvor.“ Mit feinen Spachteln, Pinseln und unterschiedlich eingefärbter Füllmasse tupft der Bildhauer das Nazi-Emblem Schicht für Schicht weg. Zwei Polizisten sind währenddessen zu seinem Schutz abgestellt.

Nach dem Reizgasanschlag bei der Einweihung im September 2012 hat der Künstler schlicht Angst: Er ist überzeugt, dass die Schändung des Mahnmals geplant und gezielt ausgeführt wurde.

Polnische Delegation war am Donnerstag in Bergedorf

Denn erst zwei Tage zuvor hatte eine Delegation ehemaliger polnischen Zwangsarbeiter weiße Rosen an der Stele niedergelegt – und sich in freundlicher Atmosphäre mit dem Kunstwerk auseinandergesetzt. Das war bei der Eröffnung am 21. September vergangenen Jahres nicht möglich: Der 42-jährige Frank A. aus Lohbrügge hatte bei seiner Attacke Tränengas gesprüht und neun Menschen verletzt.

„Sie sind heute frei von Groll gegen die Deutschen, der Besuch war ein Ausdruck der Versöhnung“, sagt Bezirksamtsleiter Arne Dornquast, der in den Spiegelsaal des Rathauses geladen hatte. Zudem waren die Gäste, die vom Freundeskreis der KZ-Gedenkstätte Neuengamme betreut werden, in der Hamburger City, berichtet Vorsitzende Barbara Hartje: „Wir besuchten die Gartenschau, und Bürgermeister Olaf Scholz empfing uns im Gästehaus des Senats.“

Prozess wegen Gasanschlag Mitte September

Bald aber werden die ehemaligen Zwangsarbeiter wieder an die üble Attacke erinnert: Mitte September wird im Bergedorfer Amtsgericht gegen Frank A. verhandelt, „wobei eine Rechtsanwältin in der Nebenanklage fünf der Opfer vertritt“, sagt Hartje: So sei man dichter am Verfahren und hoffe auf Entschädigung.

Politik möchte Patenschaft für Betonstele

Wie aber kann das Mahnmal künftig besser geschützt, sein Umfeld angemessen gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Woche des Gedenkens“, weiß Liesing Lühr (GAL): „Ich möchte eine Art Patenschaft anregen, wir könnten die Stehle ehrenamtlich pflegen.“

Schon jetzt werde der Platz am Kampdeich mehr als üblich gereinigt, sagt Arne Dornquast, der sich jedoch über weitere Ideen zur Gestaltung freut – und damit über einen Antrag, den die SPD in der Bezirksversammlung einreichen wird: Wir wünschen uns einen Ideenwettbewerb für die Ufergestaltung am Serrahn. Und dazu möchten die angehenden Stadtplaner der HafenCity-Universität bitten, eine Projektgruppe mit dem Thema zu betrauen“, erläutert Paul Kleszcz, dessen Familie aus Polen stammt.