Gedenkstein

Mahnmal geschändet - 36-Jähriger festgenommen

Foto: Carsten Neff

Bergedorf. Polizisten haben einen 36-Jährigen festgenommen, der das Mahnmal gegen Zwangsarbeit vor dem CCB-Fachmarktzentrum geschändet haben soll.

Das Plastik verdeckt ein Hakenkreuz, das ein 36-Jähriger am Sonnabendabend in das Mahnmal gegen Zwangsarbeit geritzt hat. Zertretene Blumen rund um die Betonskulptur neben dem CCB-Fachmarktzentrum sind weitere Zeugen der Schändung.

Passanten hatten gegen 21.30 Uhr beobachtet, wie der Mann zunächst die Blumen aus der Stele zertrat, sich dann mit einem Messer an dem Mahnmal für polnische Zwangsarbeiter zu schaffen machte und anschließend auf die ins Pflaster eingelassene Gedenktafel urinierte. Die alarmierten Polizisten nahmen den Täter vorläufig fest. Es soll sich um ein Mitglied der Trinkerszene handeln, die sich regelmäßig auf dem Platz neben dem Fachmarktzentrum trifft. Ein Alkoholtest ergab 2,07 Promille. Bei dem 36-Jährigen wurde ein Einhandmesser sichergestellt.

Anschlag bei der Einweihung

Bundesweit Schlagzeilen machte ein Anschlag bei der Einweihung des von dem Bergedorfer Künstler Jan de Weryha gestalteten Mahnmals im September vergangenen Jahres. Ein Rechtsradikaler aus Lohbrügge hatte damals Tränengas auf die polnischen Ehrengäste, ehemalige Zwangsarbeiter, gesprüht. Neun Menschen wurden verletzt, sieben mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Gerade erst Blumen niedergelegt

Der Bildhauer geht trotz des betrunkenen Täters von einer geplanten Tat aus: "Es ist eine Reaktion auf den erneuten Besuch der Opfer vom September 2012 in Bergedorf. Sie waren am Donnerstag auf Einladung des Senats erneut hier. Wir hatten nachmittags eine kleine Feier am Mahnmal, die Gruppe legte Blumen nieder." Von der Tat erfuhr er gestern durch einen Anruf unserer Zeitung. Er will sich die Beschädigung heute anschauen. "Ich gehe davon aus, dass ich den beschädigten Beton ausbessern kann", sagt de Weryha.

Polizei befürchtet Nachahmer

Es ist das erste Mal, dass das Mahnmal selbst beschädigt wurde. Zuvor hatte es einige Nazischmierereien im Umfeld, etwa dem Tunnel unter der Bergedorfer Straße, gegeben. "Wenn erst jemand mit solchen Schändungen anfängt, kommt es leicht zu Nachahmungstaten", befürchtet ein Polizist. Die Menschen sollten daher besonders aufmerksam sein und notfalls die Polizei rufen.

Der 36-Jährige wurde in Hamburgs Polizeipräsidium erkennungsdienstlich behandelt und nach seiner Ausnüchterung auf freien Fuß gesetzt. Er muss nun mit einer Anklage wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung rechnen.