Lichtwarkhaus

Neubau: Kein Platz mehr für das "Haus der Jugend"

Bergedorf. Das Projekt neues Lichtwarkhaus nimmt Fahrt auf: Während im Bezirksamt immer neue Wünsche eintrudeln, beginnen die Vorbereitungen für den Bebauungsplan: Neben dem „Bergedorf-Ei" sollen mindestens 100 neue Wohnungen Platz finden. Für das "Haus der Jugend" wäre dann kein Raum mehr.

Die Finanzierung ist noch nicht gänzlich geklärt, doch das Projekt neues Lichtwarkhaus nimmt bereits Fahrt auf. Während verschiedene Nutzer- und Interessengruppen ihre Forderungen anmelden, scheint eines inzwischen klar: Im Neubau wird das Haus der Jugend (HdJ) keinen Platz mehr finden. Aber auch manche neuen Wünsche lassen sich auf der kleinen städtischen Grünfläche zwischen Schiffwasser und Bergedorfer Straße nicht realisieren.

Die Forderung nach einem großen Saal für kulturelle Veranstaltungen im Bergedorfer Stadtgebiet hatte schon bei den Planungen für das Lichtwarkhaus in den 1950er-Jahren eine Rolle gespielt. Er wurde nicht realisiert. Der ursprünglich als großzügiges Foyer geplante Eingangsbereich ist heute der größte Saal im Gebäude, fasst jedoch kaum 300 Menschen.

Gerd Plambeck, Vorsitzender des Seniorenbeirats, will nun die Chance beim Schopfe packen: „Nachdem die Planungen für ein neues Kino samt größerem Saal für Veranstaltungen wohl wieder vom Tisch sind, sehen wir in absehbarer Zeit kein anderes Projekt, mit dem sich ein größerer Veranstaltungsraum realisieren ließe.“ Plambeck sieht nicht nur Bedarf für einen Mehrzwecksaal: Mit den Einnahmen aus kulturellen Veranstaltungen, Ausstellungen und Messen „könnte man die Unterhaltungskosten des Projekts zum größten Teil wieder hereinholen.“

Doch soweit wird es kaum kommen. Das kleine Grünareal an der B 5 bietet für ein solches Projekt zu wenig Platz, wissen die Planer. In einem mehrgeschossigen Oval, das schnell den Namen „Bergedorf-Ei“ erhielt und die zur Verfügung stehende Grundfläche weitgehend ausreizt, sind je Geschoss nur etwa 500 Quadratmeter realisierbar.

Die Vielzahl eingehender Ideen und Forderungen sollen rasch ausgewertet werden, wo möglich, im Raumprogramm für den Neubau Eingang finden, sagt Bezirksamtsleiter Arne Dornquast. „Ostern soll das Raum- und Funktionsprogramm auf dem Tisch liegen, wir brauchen beides als Basis für ein allgemeines Wettbewerbsverfahren.“

Einige Punkte stehen bereits: Natürlich muss der Neubau barrierefrei sein, breite Türen und behindertengerechte Toiletten sind ebenso Pflicht wie Aufzüge zu den verschiedenen Stockwerken. Dornquast: „Andere Fragen müssen wir noch klären, etwa ob sich Nutzergruppen in das Gebäude einkaufen dürfen.“

Die Finanzierung ist auch noch nicht geklärt. Etwa zwei Millionen Euro würde die Sanierung des alten Lichtwarkhauses verschlingen. Es würde danach zwar über eine neue Heizung und neue Installationen verfügen sowie eine Wärme gedämmte Außenfassade – von der Nutzbarkeit eines Neubaus wäre es jedoch weit entfernt. „Wir gehen davon aus, dass die Hansestadt die 1,5 Millionen Euro dazugeben wird, die es ansonsten in die Sanierung des alten Hauses gesteckt hätte.“ Werde, wie geplant, die bislang noch von der Stadtentwicklungsbehörde verwaltete Grünfläche kostenlos an das Bezirksamt übertragen und gelinge der Verkauf der alten Lichtwarkfläche an einen Investor, sei die Finanzierung zu machen. 100 Wohnungen oder mehr plus Tiefgaragenstellplätze könnten neu entstehen.

Dass ein neues Lichtwarkhaus kaum der richtige Platz für das HdJ sein kann, darüber herrsche weitgehend Einigkeit, sagt Dornquast. „Jugendliche wollen sich doch nicht auf einem zentralen Marktplatz treffen, wo sie jederzeit damit rechnen müssen, dass die Eltern im Bus vorbeifahren. Auch der Leiter des HdJ hält einen solchen Standort für problematisch.“

Ob ein neues Haus der Jugend auf dem Gelände des HdJ-Adventure-Parks sinnvoll und notwendig ist, oder andere Standorte, darüber wird noch beraten werden. Angesichts der von Hamburg durchgesetzten Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit werden freie Träger und Politiker im Jugendhilfeausschuss einen Blick darauf haben, ob nicht ein städtisches HdJ reicht. Das „Pinkhouse“ beim Heckkaten erfreut sich einiger Beliebtheit und ist per Fahrrad binnen weniger Minuten zu erreichen. Wer einen selbstverwalteten Treff vorzieht, den zieht es in „Unser Haus“ an der Wentorfer Straße.