Konzerte

Misstöne um Live-Musik im Schlosshof

Foto: NEWS & ART / Neff

Bergedorf. Das Schloss hat den Konzertveranstalter "Club am Donnerstag" vor die Tür gesetzt und zwei für September geplante Konzerte abgesagt. Hintergrund ist ein heftiger Streit zwischen den Organisatoren der Livekonzerte und der Schloss-Gastronomin Ina Rump - offenbar ein Kampf hinter den Kulissen um die Kulturhoheit im Schlosshof.

Die Nachricht von Olaf Matthes, Leiter des Bergedorf-Museums im Schloss und Vize-Chef des Vereins der Freunde, an die Konzertveranstalter von „Club am Donnerstag“ (CaD) ist eindeutig: „Unter diesen Umständen können die beiden letzten Veranstaltungen des CaD im Schlosshof nicht durchgeführt werden.“ Nach zehn Donnerstags-Konzerten des CaD mit je rund 100 Besuchern und einem Musikfestival mit acht Bands ist das der Rausschmiss durch den Schlossherrn.

Hintergrund ist ein Streit zwischen den Machern des CaD und der Wirtin des „Café la note“, Ina Rump, die qua Exklusivvertrag für die Schloss-Gastronomie das Publikum mit Bier, Wein und Häppchen versorgt. Dabei soll es um die Freigetränke der Bands gegangen sein. Zunächst um deren zu knappe Menge. Später, als sich die Musiker mit Bierflaschen und Whisky für Mixgetränke aus dem eigenen Autokofferraum versorgten, soll die aufgebrachte Wirtin dem Veranstalter „Vertragsbruch im Verzehr von Eigengetränken“ vorgeworfen haben und den Musikern im Backstagebereich zur „Beweissicherung“ mit der Kamera auf den Leib gerückt sein. Gegenüber unserer Zeitung will Ina Rump sich nicht äußern. Nur so viel: „Die Zusammenarbeit mit dem Club am Donnerstag hat nicht funktioniert.“ Auch dort versucht man die Wogen zu glätten. Initiator Ludger Skibowski spricht von „Dissonanzen mit der Gastronomin“.

Doch hinter der Bühne sind die Beteiligten offenbar weniger höflich miteinander umgegangen. „Massive Misstöne“ habe es im Backstagebereich gegeben, berichten Musiker. Beide Parteien haben mittlerweile Anwälte eingeschaltet. Die Gastronomin habe dem Club am Donnerstag vorgeworfen, Musiker und Veranstalter hätten sich auf ihre Kosten hemmungslos betrunken. Dort munkelt man, Ina Rump wolle, ob des großen Erfolges der Konzertreihe, nun in Eigenregie selbst Rockkonzerte an Donnerstagen im Schlosshof veranstalten.

Vor dem Hintergrund, dass kurzfristig die Entscheidung über die neue Organisationsstruktur im Schloss fallen wird, wirkt der Streit wie der vorgezogene Kampf um die Kulturhoheit im Schlosshof. Mittlerweile ist auch das Bezirksamt eingeweiht.

Eine Krisensitzung am Montagnachmittag im Schlosshof, bei der der Vorsitzende des Freundeskreises und Anwalt Harm Reese zwischen den Streithähnen vermitteln sollte, führte zum Eklat.Diese sollten eine Vereinbarung unterschreiben, in dem die Menge der Musikergetränke genau geregelt und ein "respektvoller Umgang" vertraglich festgeschrieben werden sollte. Doch zwischen den Zeilen entdeckte der Verhandler des CaD den von der Gastronomin eingefügten Satz: "Der CaD wird künftig keine weiteren Veranstaltungen im Schloss mehr durchführen". Klar, dass die Verhandlungen scheiterten.

Wie es nun weitergeht mit den Open-Air-Konzerten im Schlosshof, ist völlig unklar. Für heute Abend lädt der CaD zum Konzert mit der in Sydney gefeierten Roots-Band „Rhys Crimmin & the Toms“ aus Australien in das „Happy-Billard“ (20.30 Uhr) an der Kurt-A.-Körber-Chaussee ein. Zeitgleich präsentiert im Schloss die Band „Rock’s Off“ Coversongs von AC/DC oder Status Quo. Mike Weil, der als Betreiber des „BeLaMi“ an der Holtenklinker Straße ebenfalls regelmäßig Donnerstagskonzerte veranstaltet, kann über den Streit im Schloss nur schmunzeln: „Wettbewerb belebt das Geschäft. Der Markt wird’s am Ende regeln.“ Ludger Skibowski fürchtet dagegen eine „gegenseitige Kannibalisierung“.

Ina Rump interessieren die anderen Veranstalter „überhaupt nicht“. Sie sei beauftragt, das Schloss samt Innenhof gastronomisch zu beleben. Wegen des Exklusiv-Vertrags käme der CaD an ihr auch nicht vorbei. Auch was die künftige Struktur im Schloss angeht, gibt sie sich selbstbewusst: „Ich bin die einzige, die definitiv hier bleibt.“