Reaktionszeiten

Bekommt Neuallermöhe eine Feuerwache?

Foto: Timmann

Bergedorf. Neuallermöhe soll eine eigene Berufsfeuerwache bekommen. Die Wache in Billstedt könnte weiter nach Osten verlegt werden. Das Ziel der Innenbehörde: Die Anfahrtszeiten der Feuerwehr müssen im Bezirk Bergedorf weiter reduziert werden.

Es wird wie eine geheime Kommandosache behandelt: Seit Monaten brüten Hamburgs Feuerwehr-Führung und Innenbehörde über dem „Strategiepapier 2010“ für die Berufsfeuerwehr. Weder der Personalrat noch der Innenausschuss der Bürgerschaft haben die gut 700 Seiten starke Untersuchung über Struktur und Mängel der 1940 Retter starken Berufswehr bisher zu Gesicht bekommen.

„Ich bin irritiert über diese Verzögerungstaktik“, sagt CDU-Bürgerschaftsabgeordneter Dennis Gladiator. „Mir drängt sich die Frage auf, ob hier auf Anweisung von oben vielleicht sogar nachgearbeitet wurde.“ Hintergrund: Auf seine erste Kleine Anfrage gab es vom Senat nur ausweichende Antworten. Doch Gladiator legte nach, hatte im zweiten Anlauf Erfolg: Auf drei Seiten gibt es erste offizielle Details zur Struktur-Untersuchung, die vor zwei Jahren noch vom schwarz-grünen Senat in Auftrag gegeben worden war.

Der Inhalt bietet tatsächlich einigen Zündstoff, regen die Gutachter doch gleich sechs zusätzliche Wachen für Hamburgs Berufsfeuerwehr an, ferner drei Verlegungen. Auch die Personalstärke muss in ihren Augen deutlich erhöht werden, damit jeder Wohnungsbrand innerhalb von acht Minuten erreicht werden kann. Im Strategiepapier werden dafür mindestens 134 neue Stellen gefordert, soll die Zeit überall eingehalten werden sogar 644.

Als besonderer Problemfall wird dabei der Hamburger Osten angesehen. Um im weitläufigen Bergedorf die Anfahrtszeiten auf das geforderte Maß zu reduzieren, sollen gleich zwei Bauvorhaben in Angriff genommen werden: Für Neuallermöhe wird eine eigene Wache empfohlen, zudem die Verlegung der Berufsfeuerwehr Billstedt nach Osten angeregt.

„Ob Hamburg seinen Bürgern die empfohlene Sicherheit bieten will, müssen nun die Politiker entscheiden“, sagt Olaf Reichelt, Personalratschef der Berufsfeuerwehr, der natürlich weiß, dass das sehr kostenintensiv wird. „Heute können wir maximal 80 Kollegen im Jahr für Lehrgänge freistellen. Wollen wir um 134 oder gar über 600 Feuerwehrleute wachsen, muss sich das erheblich ausweiten. Mein Vorbild ist die Hamburger Polizei: Sie hat vom Innensenator grünes Licht für mindestens 250 Neueinstellungen im Jahr. Da müssen wir als Feuerwehr auch hin.“

Eine wachsende Konkurrenz zu den in Bergedorf traditionell starken Freiwilligen Wehren sieht Reichelt dabei nicht: „Die Berufsfeuerwehr deckt die geforderte Einsatzzeit vielleicht zu 85 Prozent ab. Für den Rest sind die freiwilligen Kollegen unverzichtbar.“

Auch Thomas Hebisch, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Nettelnburg, die von einer Wache in Neuallermöhe direkt betroffen wäre, sieht darin kein Problem: „Je schneller ein Feuer erreicht wird, umso besser ist es. Ich hoffe aber, dass die neue Struktur nicht einfach von oben verordnet wird, sondern es vorher ergebnisoffene Gesprächsrunden mit allen Beteiligten gibt.“