Sielbau

Noch bis 2016 wird in Bergedorfs Zentrum gebuddelt

Bergedorf. Das Siel unter der Hassestraße ist fast fertig. Bald knöpft sich Hamburg Wasser den Mohnhof und die Holtenklinker Straße vor. Überläufe der Kanalisation sollen durch die umfangreichen Bauarbeiten um 90 Prozent reduziert werden.

Das Quartier Bergedorf-Süd ist fest im Griff von Hamburg Wasser – und bleibt es noch über Jahre. Mindestens bis 2016 werden hier die gut 100 Jahre alten Siele ausgewechselt. Auch die Engpässe auf den benachbarten Hauptverkehrsstraßen sind längst nicht überstanden: Die Planung sieht für 2014 Großbaustellen unter anderem auf der Kreuzung Mohnhof vor und schon für kommendes Jahr auf der Holtenklinker Straße.

In Richtung Geesthacht wird 2013 zunächst auf knapp einem Kilometer Länge zwischen Mohnhof und Arnoldistieg die Trinkwasserleitung erneuert. Anschließend folgt in gleicher Länge die unter der Fahrbahn liegende Kanalisation. Mit welchen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen ist, steht noch nicht fest. Denn die konkreten Planungen der Baustellen beginnen erst 2013. „Wahrscheinlich werden wir vielfach in Tunnelbauweise, also unterirdisch arbeiten, um die Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Ole Braukmann, Sprecher von Hamburg Wasser.

Im Stadtteil Bergedorf-Süd erwartet den östlichen Teil dann das, was die westlichen Nachbarn rund um die Hassestraße schon heute durchmachen: Brookstraße, Bleichertwiete, Soltaustraße und Arnoldistieg erhalten neue Siele, müssen also auf ganzer Länge aufgegraben werden. Anschließend erfolgt eine Neugestaltung des Straßenbildes mit schmaleren Fahrbahnen und Parkstreifen.

Wie das aussieht, ist gegenwärtig schon in kleinen Teilen des Neuen Wegs und der Rektor-Ritter-Straße zu besichtigen. Ob die Arbeiten wie dort auch mehrere Monate dauern, bleibt abzuwarten. An der Notwendigkeit der Sanierung lässt der zuständige Referatsleiter bei Hamburg Wasser, Thomas Hildebrandt, keinen Zweifel: „Die aktuellen Siele sind 100 Jahre alt und für die heutigen Durchleitungen zu klein. Soll die Gefahr von Überläufen gebannt werden, müssen wir handeln.“

Siel unter der Hassestraße liegt – jetzt folgt Neuer Weg

Dass der Stadtteil Bergedorf-Süd buchstäblich am Ausfluss der Bergedorfer Kanalisation liegt, haben die Bewohner zuletzt immer wieder zu spüren bekommen. Kaum geht über Hamburgs Osten ein Starkregen nieder, fluteten Fäkalien die nahe Brookwetterung – und immer wieder auch Straßenzüge des 100 Jahre alten Quartiers.

Damit das anders wird, müssen neue Siele her. So sieht es jedenfalls Hamburg Wasser, das städtische Unternehmen, zu dem die Hamburger Wasserwerke und die Stadtentwässerung gehören. Seit zwei Jahren gleicht Bergedorf-Süd deshalb einer Großbaustelle, wird ein zweistelliger Millionenbetrag vergraben: Sämtliche Siele werden erheblich vergrößert. Denn in dieser Kanalisation sammeln sich neben dem Regenwasser nicht mehr nur die Abwässer des östlichen Bergedorf, wie zur ihrer Bauzeit 1908. Längst sind auch Wentorf, Börnsen, Escheburg, Aumühle und Wohltorf angeschlossen.

„Unser Ziel ist es, die heute durchschnittlich drei bis fünf Überläufe pro Jahr um 90 Prozent zu reduzieren. Also statistisch auf einen Überlauf alle fünf Jahren“, rechnet Thomas Hildebrandt vor, zuständiger Referatsleiter bei Hamburg Wasser. Das sei eine deutliche Aufwertung der Gewässergüte des Flüsschens Brookwetterung, lasse nicht zuletzt auch die Bewohner von Bergedorf-Süd wieder ruhig schlafen.

Ein erster Teilabschnitt auf dem Weg dahin steht jetzt kurz vor der Vollendung: Mit dem bevorstehenden Abschluss der Sielbauarbeiten in der Hassestraße ist eine wichtige Umleitung im Abwassernetz gerade in Betrieb gegangen. Sie leitet die heranströmenden Fäkalien jetzt von der Holtenklinker Straße in das ebenfalls schon erneuerte Siel unter der Rektor-Ritter-Straße Richtung Neuer Weg.

Doch nach dem Sielbau ist vor dem Sielbau – jedenfalls in Bergedorf-Süd: Während sich an der Hassestraße noch weitere Rohrarbeiten und die Wiederherstellung der Straße noch bis zum Jahresende ziehen, macht Hamburg Wasser im Neuen Weg hinter dem Restaurant „Casa Vecchia“ Ende des Monats die nächste Großbaustelle auf: Sechs Monate wird hier gearbeitet, um die Sielverbindung von der Bergedorfer Straße bis zur Rektor-Ritter-Straße zu schließen. „Eine wichtige Parallele zum Siel unter der Hassestraße“, sagt Hildebrandt.

Für ihn ist anschließend der September 2013 das wichtige Datum: Dann soll Bergedorfs neue Hauptabflussleitung fertiggestellt sein – quasi der Ausfluss der Badewanne Bergedorf-Süd. Das Bauwerk verbindet den Bezirk direkt mit Hamburgs Hauptklärwerk Köhlbrandhöft.