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Trotz Euro-Krise: Zuversicht bei Firmen

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Bergedorf/Geesthacht. Griechenland, Irland, Portugal und demnächst wohl auch Spanien und Italien: Die Eurokrise nimmt immer gewaltigere Ausmaße an. Die regionalen Unternehmen reagieren dennoch gelassen auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Die Euro-Schuldenkrise spitzt sich zu: Nach dem Fall von Griechenland, Irland und Portugal wackeln als weitere Dominosteine der Währungsunion nun Spanien und Italien. Gleichwohl hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft gestern seine diesjährige Wachstumsprognose für Deutschland von 0,7 auf 0,9 Prozent erhöht – wegen der niedrigen Zinsen. Unternehmen unserer Region betrachten die Turbulenz auf dem Finanzmarkt angst-, aber nicht sorgenfrei.

„Wer ruhig bleibt, gewinnt“, sagt Petra Nitzbon-Grimberg vom Lohbrügger Ergotherapiegeräte-Hersteller Nitzbon AG. „Natürlich wird der wankende Euro uns etwas kosten, aber die Krise in den Jahren 2008/09 haben wir schließlich auch überlebt.“ Für Gerhard Erb, Geschäftsführer des Bergedorfer Schiffsschrauben-Herstellers Jastram, ist der Tiefpunkt bereits erreicht: „Die großen Aufträge bleiben aus, denn die Frachtraten sind im Keller, da werden kaum Schiffe gebaut. Wir leben jetzt von kleinen Aufträgen für Yachten, Arbeits- und Binnenschiffe.“

„Freilich bereitet die Krise uns Sorgen“, sagt Ralph Kamenz, Geschäftsführer des Reinbeker Papiergroßhandels Michaelis. „Denn als produktionsverbindender Großhandel sind wir abhängig von der Auftragslage der Druckereien, die wir mit Papier beliefern. Und wenn Industrieunternehmen wie Mercedes oder BMW in Griechenland oder Spanien keine Autos mehr verkaufen, geben sie auch weniger Aufträge an Druckereien, die unser Papier kaufen. Schlaflose Nächte habe ich aber nicht. Denn Michaelis hat sich wegen des rückläufigen Papiergeschäfts schon seit mehr als zehn Jahren auf neuen Geschäftsfeldern diversifiziert.“

Achim Hütter vom gleichnamigen Glinder Aufzughersteller gewinnt der Euro-Krise sogar Positives ab: „Wenn der Euro-Kurs sinkt, werden unsere Produkte auf dem Weltmarkt preislich attraktiver.“

„Die Frage ist, ob sich eine neue Krise auf Länder wie Griechenland oder Spanien konzentriert oder es zum Flächenbrand kommt. Dem könnten wir uns kaum entziehen“, sagt Thorsten Körner, Geschäftsführer der Geesthachter Metallwarenfabrik Walter Förster. „Ich denke aber, dass wir sehr gut aufgestellt sind.“ Einen Abschied vom Euro hält er für undenkbar. „Er ist nun mal unsere Hauptwährung.“

Dr. Karl-Friedrich Marcus, Geschäftsführer beim Lebensmittelfarbe-Produzenten Sensient Food Colors GmbH, beobachtet einen Rückgang der Geschäfte mit Griechenland. Kunden in Spanien und Italien kaufen jedoch unverändert Sensient-Produkte. „Aber falls der Euro abgeschafft und die D-Mark mit einer Aufwertung wiederkommt, würden wir zwangsläufig teurer werden“, so Marcus. Immerhin macht der Europa-Export 70 Prozent seines Geschäfts aus.

„Mit griechischen Firmen haben wir keine Geschäftsbeziehungen, Italien macht uns genug Sorgen“, sagt Dirk Klinnert, Chef von K&S Antriebssysteme in Schwarzenbek. Das Unternehmen vertreibt und modifiziert Elektromotoren, wird unter anderem von italienischen Firmen beliefert. Gehen seine Lieferanten im Sog der Eurokrise pleite, hat Klinnert das Problem, qualitativ gleichwertigen Ersatz zu finden.