Badeunfall

14-Jährige tot geborgen - Freundin (15) im Koma

Neuallermöhe. Die in der Nacht zum Dienstag tot aus dem Badesee in Allermöhe-Ost geborgene 14-jährige Schülerin konnte nach Angaben von Angehörigen überhaupt nicht schwimmen. Zuvor hatte am frühen Abend ein Badegast die 15 Jahre alte Freundin der Toten bewusstlos aus dem Wasser gezogen. Die Hintergründe sind noch unklar.

Helfern gelang es, die Lohbrüggerin am Strand wiederzubeleben. Ärzte versetzten das Mädchen in ein künstliches Koma. Ihr Zustand sei weiterhin kritisch, heißt es aus der Uniklinik Eppendorf.

Wie es zu dem tragischen Doppelunfall kommen konnte, ist noch weitgehend unklar. Ein 42-jähriger Schwimmer hatte am Pfingstmontag gegen 18 Uhr die verzweifelten Rufe der 15-Jährigen gehört und war dem Mädchen zu Hilfe geeilt. Gemeinsam mit anderen zog der Mann die Schülerin an den Strand rechts vom Badesteg, das Mädchen atmete schon nicht mehr.

Der Retter und eine weitere Helferin begannen sofort mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage. Gleichzeitig alarmierten Badegäste die Feuerwehr. Nur wenige Minuten später kreiste der gelbe ADAC-Rettungshubschrauber über dem Strand. Da sich bei dem sonnigen Sommerwetter mehrere Hundert Badegäste am See tummelten, landete der Notarzt etwas abseits auf einer Wiese. Im Laufschritt bahnte sich der Arzt mit seinem Beatmungsgerät eine Gasse durch die zahlreichen Schaulustigen, die in mehreren Reihen dicht gedrängt die Rettungsmaßnahmen beobachteten. Die eintreffenden Polizisten hatten große Mühe, die Gaffer zurückzudrängen. Viele filmten mit ihren Handys, andere tollten völlig unbeeindruckt nur wenige Meter vom Notarzt im Wasser herum.

Nachdem die Retter die Schülerin stabilisiert hatten, wurde sie mit dem Hubschrauber in die Uniklinik nach Eppendorf geflogen. Die 15-Jährige liegt auf der Intensivstation im künstlichen Koma, ihr Zustand sei weiterhin lebensbedrohlich, so die Polizei gestern unter Berufung auf das UKE. Erste Meldungen der Polizei, nachdem die Schülerin stark alkoholisiert gewesen sei, haben sich am Dienstag nicht bestätigt.

Ertrunkene Schülerin war Nichtschwimmerin – Bergung erst nach fünf Stunden

Gut vier Stunden nach dem ersten Notruf, dann ein weiterer Alarm am See. Ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Helfern der DLRG suchte im Dunkel der Nacht nach der Freundin der Verunglückten. Das 14-jährige Mädchen war nicht nach Hause gekommen. Zudem waren, nachdem sich der Strand geleert hatte, ihre Tasche und Kleidungsstücke dort gefunden worden.

Polizeibeamte suchten mit Hunden das Gelände am Badesee ab, die Feuerwehr untersuchte die Schilfgürtel mit Wärmebildkameras, zeitgleich suchten Rettungstaucher im See nach der Vermissten. Um 23.40 Uhr dann die traurige Gewissheit: Ein Taucher findet die 14-Jährige auf dem Grund des Badesees. Der Notarzt kann nur noch ihren Tod feststellen. Rätselhaft bleibt: Nach Auskunft von Angehörigen soll das Mädchen Nichtschwimmerin gewesen sein.

Wurde die Lage falsch bewertet? Polizei: "Wir hatten keine Hinweise“

Der tragische Badeunfall ereignete sich am Pfingstmontag gegen 18 Uhr. Erst knapp viereinhalb Stunden später, um 22.21 Uhr, wurden Rettungstaucher für eine großangelegte Suchaktion im Badesee alarmiert. Als die Taucher um 23.40 Uhr die 14-jährige Schülerin auf dem Grund des Sees fanden, war es für eine Rettung viel zu spät.

„Wir hatten bei dem ersten Rettungseinsatz am frühen Abend keine Ahnung, dass sich noch ein Mädchen in Gefahr befindet“, erklärt Polizeisprecher Mirko Streiber die zeitliche Abfolge. Erst im Laufe der Ermittlungen zur Identität der geretteten 15-Jährigen Lohbrüggerin habe die Polizei Kenntnis davon erhalten, dass das Mädchen in Begleitung einer Freundin gewesen war. „Nachfragen bei den Eltern des zweiten Mädchens ergaben, dass dieses noch nicht zu Hause angekommen war“, erklärt der Polizeisprecher. Zudem seien erst, nachdem sich der Strand mit Einbruch der Dunkelheit geleert hatte, dort Tasche und Kleidungsstücke des vermissten Mädchens gefunden worden.

Nach Erkenntnissen unserer Zeitung muss die Polizei aber schon kurz nach 18 Uhr gewusst haben, dass die verunglückte Lohbrüggerin nicht allein am Badesee war. Noch während die gerettete Schülerin am Strand vom Notarzt behandelt wurde, suchte eine Polizistin lautstark nach möglichen Angehörigen: „Kennt jemand das verunglückte Mädchen?“ Darauf meldete sich ein Mann bei der Polizistin, der angab, an der Rettung des Mädchens beteiligt gewesen zu sein. Der Mann schilderte: „Die war mit einer Freundin im Wasser“. Rückfrage der Polizistin: „Und wo ist diese Freundin jetzt?“ Antwort des Zeugen: „Keine Ahnung, die ist jetzt weg.“ Die Polizistin hatte diese Information offenbar auch weitergegeben. Unser Reporter hörte, wie mehrere Beamte später davon sprachen: „Und was machen wir jetzt mit der vermissten Freundin?“

„Wir werden der Sache nachgehen und die Abläufe eingehend prüfen“, verspricht Polizeisprecher Streiber, betont aber: „Es gab für den Einsatzleiter zunächst keine konkreten Hinweise, dass sich noch jemand in Lebensgefahr befindet.“ Es hätte auch sein können, dass sich die Begleiterin im Schock über den Unfall vom See entfernt hatte.

Dringender Zeugenaufruf

Um die bislang noch weitgehend unklaren Umstände des Badeunfalls zu klären, bittet die Polizei Badegäste, die die beiden Mädchen am Montagnachmittag am Strand oder im Wasser gesehen haben, sich bei der Polizei zu melden. "Es waren hunderte am Badesee, da muss es Leute geben, welche die Mädchen am oder im Wasser, einzeln oder zu zweit, beobachtet haben", hofft Polizeisprecher Mirko Streiber auf Hinweise unter Telefon: (040) 4286-56789 .