Verkehrsplanung

Von Bergedorf nach Geesthacht in nur 15 Minuten

Bergedorf/Geesthacht. Die CDU-Bezirksfraktion wünscht sich die Wiederbelebung der AKN-Trasse nach Geesthacht mit einer modernen Stadtbahn. Sie fordert ein umfassendes Verkehrskonzept für Bergedorf und Umgebung. Die Stadtbahn könne später über Lohbrügge und Boberg bis Mümmelmannsberg ausgebaut werden.

Der Hamburger Senat schob sie Ende 2010 nach jahrelanger Planung aufs Abstellgleis. Zu teuer und zu kompliziert sei es, zwischen Altona, Winterhude und Steilshoop eine Stadtbahn auf die Schiene zu bringen. Jetzt soll eben diese moderne Form der Straßenbahn dem steigenden Verkehr in Bergedorf einen Riegel vorsetzen – geht es nach der CDU in der Bezirksversammlung. Sie fordert ein umfassendes Verkehrskonzept für Bergedorf und Umgebung. Kernpunkt: eine Stadtbahn von Geesthacht nach Bergedorf, die später einmal über Lohbrügge und Boberg bis zur U-Bahn Mümmelmannsberg ausgebaut werden könnte.

Während eine Hamburger Stadtbahn unter anderem an der Trassenfrage scheiterte, setzt die CDU auf vorhandene Schienen: Die Fraktion will prüfen lassen, ob moderne Züge auf dem AKN-Gleis vom alten Geesthachter Bahnhof über Escheburg, Börnsen bis zum Frascatiplatz rollen könnten. Eine Strecke, die sich in rund 15 Minuten zurücklegen ließe. Von dort könnte die Stadtbahn über eine neue Schleife durch die Vierlandenstraße, vorbei an der Kirche St. Petri und Pauli durch die Alte Holstenstraße und dann über den Weidenbaumsweg zurück ans AKN-Gleis geführt werden. Derzeit wird der Schienenstrang nur sporadisch als Gütergleis sowie an fünf Wochenenden im Jahr von der Museumsbahn „Karoline“ genutzt.

In Geesthacht zeigt man sich von der Idee begeistert. „Wir begrüßen den Vorschlag uneingeschränkt. Allerdings kann Geesthacht das Projekt nicht bezahlen“, sagt Bürgermeister Volker Manow und erinnert an eine Planung aus den frühen 90er-Jahren. Damals hatte Geesthacht geprüft, ob auf der AKN-Trasse S-Bahn-Verkehr möglich wäre. „Da waren Summen von 100 Millionen Euro im Gespräch, das kann Geesthacht nicht. Aber eine Planung unter der Hoheit von Hamburg und Schleswig-Holstein würde Sinn machen“, so Manow. Für vertiefende Gespräche mit dem Bergedorfer Bezirksamtsleiter Arne Dornquast stehe er gern zur Verfügung.

Auch die Geesthachter CDU hält den Plan der Bergedorfer Kollegen für sinnvoll – und realisierbar. „Eine Stadtbahn ist hochinteressant, weil eine Planung im Gegensatz zur S-Bahn unkompliziert ohne den Bund und das Eisenbahnbundesamt erfolgen könnte“, sagt CDU-Ortsvorsitzender Sven Minge. „Wir würden einen entsprechenden Antrag gern in die Ratsversammlung einbringen, damit unsere Stadt bald ihren Schienenanschluss bekommt.“

Weit weniger euphorisch ist Bergedorfs Bezirksamtsleiter – nicht nur, weil sich Hamburgs SPD-Senat aus Kostengründen gegen eine Stadtbahn entschieden hat. Überlegungen für die Nutzung der vorhandenen AKN-Trasse seien aus mehreren Gründen höchst fraglich, meint Arne Dornquast: „In Bergedorf führt die Trasse nicht zum Bahnhof, sondern über Nettelnburg Richtung Hamburg, der Abzweig ist an der falschen Stelle. Zudem beginnt sie in Geesthacht am falschen Platz, sie ist außerdem nur eingleisig – mehr Probleme kann man sich mit einem Projekt kaum bereiten.“ Dass die Trasse für eine Verbindung zwischen Geesthacht und Bergedorf ungeeignet ist, sei schon vor Jahren von Hamburgs Baubehörde festgestellt worden.

Dennoch hält Bergedorfs Verwaltungschef Vorstöße für grenzübergreifende Verkehrsplanungen oder zumindest Absprachen von wichtigen Projekten für zwingend, um den Verkehrsproblemen in der Region zu begegnen. Dabei gebe es gemeinsame Interessen, etwa den Bau der A?21, um mehr Verkehr um den Ballungsraum herumzuführen. „Im Süden Hamburgs steht ein Verkehrskonzept mit den Umlandkreisen kurz vor der Vollendung. Bei uns wird es darum gehen, Verkehrsplanungen mit den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn zu koordinieren“, sagt Dornquast.