Umstellung

Ärztlicher Notdienst: Jetzt bundesweit unter 116 117

Bergedorf/Geesthacht. Der Notärztliche Dienst bekommt bundesweit eine einheitliche Rufnummer. Ab sofort kann die Einsatzzentrale der kassenärztlichen Bundesvereinigung von überall unter der Telefonnummer 116 117 angerufen werden. Die Nummer gilt nicht für lebensbedrohliche Notfälle.

Die Notrufe 110 und 112 kennen die meisten Deutschen, von sofort an gibt es eine weitere, bundesweit gültige Nummer, unter der Menschen Hilfe anfordern können. Mit 116 117 erreichen Anrufer die hochmoderne Einsatzzentrale der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Wer außerhalb der Praxisöffnungszeiten einen Arzt benötigt und keinen Rettungswagen, ist hier richtig.

Die Nummern der jeweils örtlichen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bleiben vorerst bestehen. „Unsere 22 80 20 ist hamburgweit bekannt, die schaffen wir nicht einfach ab“, sagt Dieter Bollmann, Chef der KV Hamburg. Zur Bekanntheit hat auch beigetragen, dass die Zahlen inzwischen auf einem knappen Dutzend silberner Einsatzfahrzeuge der KVH prangen. Die Dienst habenden niedergelassenen Ärzte sind nachts und an Wochenenden nicht mehr mit Taxen unterwegs, sondern in Begleitung geschulter Rettungsassistentin in speziellen Fahrzeugen.

Der Bedarf ist groß. Etwa 120 000 Einsätze fahren KVH-Ärzte im Jahr, behandeln bei hohem Fieber, rasenden Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen. Bei akuten Notfällen rufen sie einen Rettungswagen, um Patienten in ein Krankenhaus bringen zu lassen.

Sollte es zeitweilig Probleme mit der neuen Zentralnummer geben, bleibt immer noch der bekannte Anschluss. Tatsächlich soll hier weiter alles für den Zuständigkeitsbereich der KV Hamburg zusammen laufen. Die bundesweit gültige 116 117 bietet aber technischen Fortschritt.

Wer die neue Nummer wählt, wird in der Regel über die neue Einsatzzentrale der Kassenärztlichen Bundesvereinigung an die zuständige Stelle weitergeleitet. Anhand der Vorwahlnummer wird der Ort bestimmt. „Das funktioniert auch bei Handy-Anrufen, die Lokalisierung erfolgt dann über den jeweiligen Funkmast, den Einwahlpunkt des Handys“, erläutert Dieter Bollmann. Irrfahrten, weil diesseits und jenseits der Hamburger Landesgrenze gleichlautende Straßennamen existieren, könnten damit weitgehend ausgeschlossen werden. Im Zweifelsfall werden Anrufer zudem nach der Postleitzahl gefragt. „Wenn Anrufer die nicht nennen können, landen sie in einem Callcenter, wo dann mit Hilfe weiterer Fragen geklärt wird, wo sich der Hilfesuchende befindet.“

Wer in Umlandkommunen mit der Vorwahl 040 die bereits bekannte Nummer wählt, landet wie Hamburger Anrufer weiterhin direkt bei der KVH. Meist werden von hier aus die zuständigen Einsatzzentralen für Schleswig-Holstein und Niedersachsen informiert, etwa wenn ein Glinder oder Reinbeker, ein Wentorfer oder Börnsener die 22 80 20 gewählt hat. Doch es gibt auch Ausnahmen, sagt Bollmann: „Bis zur A 1 übernehmen wir die Versorgung der Menschen in Barsbüttel. Wer aber jenseits der Autobahn in Willinghusen oder Stemwarde wohnt, für den sind die Kollegen in Schleswig-Holstein zuständig.“

Wer in den Kreisen Herzogtum Lauenburg oder Stormarn den Bereitschaftsdienst rufen möchte, kann ebenfalls direkt die 116 117 wählen. „Das System erkennt automatisch, aus welchem Bundesland der Anruf kommt. Lediglich in einigen Randgemeinden, die bereits zum Hamburger Ortsnetz gehören, kann es sein, dass der Anrufer über die Telefontastatur seine Postleitzahl eingeben muss", sagt Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). Bis auf weiteres können Anrufer aus dem nördlichsten Bundesland auch die Telefonnummer 018 05 11 92 92 nutzen. Sie wurde 2007 geschaltet. Auch für Schleswig-Holstein existieren damit übergangsweise zwei Nummern für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Egal, von wo aus im Land die Nummern gewählt werden, die Anrufer werden immer an die Leitstelle des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der KVSH in Bad Segeberg vermittelt.

Die Kosten für die bundesweite Umstellung betragen mehr als drei Millionen Euro. Finanziert werden sie durch die gesetzlichen Krankenkassen.