Urheberrecht

Facebook-Usern droht Abmahnwelle

Foto: dapd

Bergedorf. Eine gelbe Gummiente sorgt für Schlagzeilen: Ein Facebook-User postete das Entenbild auf dem Profil eines Anderen - und verlangte dann Entschädigung für die Veröffentlichung. Verbraucherschützer befürchten jetzt eine Abmahnwelle.

Eine gelbe Gummiente sorgt derzeit für Aufruhr im sozialen Netzwerk Facebook – genauer das Lichtbild des Plastiktierchens. Ein User hat das Foto seiner Quietscheente an die öffentliche Pinnwand eines anderen Nutzers gepostet, um diesen sodann frech-dreist für die Veröffentlichung des Entenfotos abzumahnen. Schließlich habe der Pinnwandbesitzer nicht das Recht am Bildnis der Ente und müsse somit für die Veröffentlichung des urheberrechtlich geschützten Werkes zahlen – Schadensersatz in noch nicht festgelegter Höhe.

Auch wenn dies für Internetnutzer mit normalem Menschenverstand nach einer irrwitzigen Netzwerkposse anmutet, könnte die Gummiente für den Besitzer des Facebookprofils teuer werden. 10?000 Euro Abmahnwert setzen Fachanwälte für die Facebookseite eines durchschnittlichen jugendlichen Users an. Und rechtlich gilt: Wer ein Profil in sozialen Netzwerken veröffentlicht, ist für die Inhalte auf der eigenen Pinnwand verantwortlich, selbst wenn diese von dritten dort eingestellt werden.

Geschäftstüchtige Anwaltskanzleien wittern schon den großen Reibach, Verbraucherschützer sehen gar eine Abmahnwelle ungeahnten Ausmaßes auf die knapp 25 Millionen Facebooknutzer in Deutschland zurollen. Und kaum ein Thema wird derzeit im Netz so heiß diskutiert wie der Fall der gelben Ente.

Dabei wird bekanntlich vieles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Bislang gibt es noch kein einziges Gerichtsurteil, das die Haftung für fremde Postings auf dem eigenen Profil bestätigt. Würde die Rechtsprechung diese Urheberrechts-Falle anerkennen, würde damit das ureigene Schneeball-Prinzip der Social-Networks ausgehebelt: Das mehr oder minder öffentliche Teilen und Weitergeben von Informationen, Links aber auch Bildern oder Videos.

„Der Gesetzgeber kann mit der rasanten Entwicklung nicht Schritt halten“, erklärt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Es gebe, gerade was soziale Netzwerke angehe, massive Gesetzeslücken im Urheberrecht. „Die Richter stehen in einem weitgehend luftleeren Raum“.

Unproblematisch ist das Teilen eigener Inhalte, also selbst verfasster Texte oder eigenhändig erstellter Fotos und Videos, so lange alle darauf gezeigten Personen damit einverstanden sind. Schon das Teilen von fremden Links mit dem sogenannte „Like-Button“ kann jedoch zu Urheberstreitigkeiten führen. Denn das „Liken“ ist juristisch kein Zitieren. Dazu nämlich muss sich der Zitierende mit dem Zitat auseinandersetzen und dieses in einen eigenen Sachverhalt interpretierend einbetten. Bei fremden Fotos oder Videos schützt auch die Angabe des Erstellers nicht vor Schadensersatzklagen.

Wer ganz sicher gehen will, sollte sein Profil nur für enge Freunde sichtbar machen und die eigene Chronik für fremde Postings sperren.