Debatte

Kampf dem Chaos: Politiker fordern Verkehrskonzept

Foto: Thomas Voigt / Voigt

Bergedorf. Den ganz normalen Wahnsinn können viele Bergedorfer täglich erleben. Wenn sie auf dem Sander Damm im Stau stehen, von der Wentorfer Straße oder dem Weidenbaumsweg links abbiegen wollen oder als Radfahrer den Mohnhof passieren wollen. Ein Verkehrskonzept soll die Situation verbessern.

Ende der 90er-Jahre kamen Bezirkspolitiker zu der Erkenntnis, dass Bergedorf ein Verkehrskonzept braucht. Der Beschluss blieb jedoch weitgehend wirkungslos. Nun fordert Bergedorfs Politik erneut ein Gesamtverkehrskonzept.

Anlass war in der Bezirksversammlung eine von der CDU anberaumte „Aktuelle Stunde“ zum Thema Verkehr – womit zunächst der geplante Umbau der Kreuzung Vierlandenstraße/B5 gemeint war. Wie berichtet soll dieser Knotenpunkt noch im Frühjahr umgestaltet werden. Um Platz für einen neuen Bushalt am CCB zu schaffen, soll es auf der B5 nur noch einen Geradeausstreifen Richtung Hamburg geben und nur einen Linksabbieger aus der Vierlandenstraße. Die CDU lehnt diesen Umbau ab, fürchtet trotz längerer Grünphasen auf der B5 ein Nadelöhr. Jörg Froh (CDU) kündigte nun an: „Wir werden zur Bezirksversammlung im April einen ausgearbeiteten Antrag zu einem Verkehrskonzept für Bergedorf einbringen.“ Sinnvoll wäre nach ansicht der CDU, die Planung an dieser Kreuzung auszusetzen und das Geld besser in den Knoten Sander Damm/Kurt-A.-Körber-Chaussee oder Sander Damm/B5 zu investieren. Auch der jüngst vorgestellte Lärmaktionsplan mache deutlich, wie wichtig es sei, den Sander Damm zu ertüchtigen.

„Das ist genau die Richtung, in die wir immer diskutieren“, stellte dazu Links-Fraktionschef Stephan Jersch fest. Von Maßnahme zu Maßnahme werde irgendetwas geplant und diskutiert. In der Konsequenz werde irgendwo ein Radweg gebaut oder noch ein Wohngebiet, etwa am Weidenbaumsweg abgesegnet. „Dann heißt es: Das bisschen Verkehr geht da auch noch – dabei ist alles ein weiterer Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Sein Fazit: „Wir brauchen ein Gesamtverkehrskonzept für Bergedorf, ähnlich wie das Wohnungsbauprogramm oder das Gewerbeflächenkonzept.“

So ein Konzept dürfte allerdings jede Menge Diskussionsstoff bergen – stehen sich doch oft die Interessen von Autofahrern und Radlern gegenüber. Das Beispiel Vierlandenstraße zeigt die Schwierigkeit. Ein Vertreter der Ortsgruppe des Fahrradclubs ADFC beschwerte sich in der Bezirksversammlung über die geplante „Anforderungstaste“ – dass also nicht mehr automatisch Grün für sie wird. Viele Fraktionen können darin keine Benachteiligung erkennen, die Grünen jedoch wollen genau solche Interessen gewahrt wissen.

Ein Gesamtverkehrskonzept stößt aber bei Vielen auf Gegenliebe. „Ich gebe Ihnen Recht, wir brauchen ein Konzept“, stellte der Verkehrsausschuss-Vorsitzende Bernd Schrum (SPD) fest. Auch für die B5, die zwar als Bundesstraße nicht in der Zuständigkeit des Bezirks liegt, aber viele Probleme verursacht. 45 Prozent der Autos auf der B5 würden Bergedorf nur durchfahren, so Schrum. Diese etwa 8000 bis 9000 Pkw gelte es, „schon in Höhe Curslack von der B5 abzugreifen“ und auf die Autobahn zu leiten.

Für die Kreuzung Vierlandenstraße dürfte ein Gesamtverkehrskonzept zu spät kommen, der Baubeginn sei unabwendbar, meinte Schrum: „Da hängen ja auch andere Baumaßnahmen wie die von Hamburg Wasser dran.“