Museumsfreunde

Mitarbeit an Schloss-Konzept abgelehnt

Foto: von Essen

Bergedorf. Der "Verein der Freunde des Museums für Bergedorf und die Vierlande" macht seinem Namen keine Ehre. Jetzt stellen sich die Mitglieder gegen die längst beschlossene Herauslösung ihres Museums aus der Stiftung Historische Museen Hamburg. Der Verein lehnt das Konzept des Bezirksamts ab.

Eigentlich heißen sie „Verein der Freunde des Museums für Bergedorf und die Vierlande“. Doch von diesem Namen scheinen sich die Unterstützer der Institution im Schloss immer weiter zu entfernen. Denn statt an der Zukunft des Museums konstruktiv mitzuarbeiten, verschließt sich die Mehrheit der gut 400 Vereins-Mitglieder der längst beschlossenen Herauslösung aus der Stiftung Historische Museen Hamburg.

„Wir appellieren an die Bürgerschaft, die Übertragung des Bergedorf-Museums an das Bezirksamt nochmals zu überdenken“, fasste Vereins-Chef Harm Reese die interne Diskussion zum Eckpunkte-Papier der Herauslösung zusammen, das Bezirksamtsleiter Arne Dornquast jetzt vor gut 100 Mitgliedern im großen Saal des Schlosses erläuterte. Die Mehrheit schloss sich der Vorstandsmeinung an, dass die Herauslösung erhebliche Risiken für die Funktionsfähigkeit des Bergedorf-Museums berge, weil ihm damit die wichtige Vernetzung mit den vielen musealen Kompetenzen der Stiftung abhanden komme.

Der Gast nahm diese Haltung der „Freunde“ mit einiger Verwunderung zur Kenntnis: „Ich habe einen klaren Auftrag für den Weg, den das Bergedorf-Museum gehen soll“, betonte Donquast. „Mein Angebot an die Museumsfreunde lautet jetzt, diese Herauslösung konstruktiv mitzugestalten. Ich halte es für ausgesprochen unglücklich, sich trotzdem darauf zu beschränken, nur den Weg zu kritisieren.“

Will der Verein Dornquasts Angebot noch nutzen, bleibt nicht mehr viel Zeit. Schon Anfang Mai muss das Konzept mit groben Zahlen für die zu übertragenden Finanzen wie Personal, laufende Kosten und Dienstleistungen dem Senat vorgelegt werden, damit es in den Entwurf des Hamburger Doppelhaushalts 2013/14 einfließen kann.

Genau diese Wochen will Harm Reese aber verstreichen lassen. Seine Begründung: „Erst wenn konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen, werden wir wissen, ob und wie das Museum in Zukunft vom Bezirk betrieben werden kann.“

Genau um diese Finanzen wird hinter den Kulissen gerade gepokert, wie Arne Dornquast gestern gegenüber unserer Zeitung andeutete: „Die Stiftung hat uns erstmals Zahlen genannt, die aus unserer Sicht allerdings sehr interpretationsbedürftig sind. Denn neben den schon mehrfach offiziell genannten 420?000 Euro an Fixkosten wurde bisher immer der sehr hohe Wert der weiteren Dienstleistungen der Stiftung für das Bergedorf-Museum betont. Genau das kann ich im jetzt genannten Betrag aber nicht erkennen.“ Über die konkret genannte Zahl wurde wegen der laufenden Gespräche Stillschweigen vereinbart.

Ganz verschließen wollten sich die Museumsfreunde dem Eckpunktepapier des Bezirks allerdings doch nicht – hat zumindest Arne Dornquast hat aus der Diskussion mitgenommen: „Wir werden die Anregungen der Museumsfreunde aufgreifen, die Rolle des Museumsleiters gegenüber dem Beirat zu stärken und die Einflüsse der Bürger auf die Ausstellungen etwas reduzieren. Schließlich wollen wir kein Disneyland, aber eben auch keinen Elfenbeinturm.“

Die scharfe Kritik des ehemaligen CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Fridtjof Kelber an der Herauslösung des Museums aus der Stiftung wegen der fehlenden Kultur-Kompetenz des Bezirksamts weist Dornquast zurück: „Die Fachleute sind das Museumsteam selbst. Und die finden bei uns im Rathaus künftig Gehör – was man von der Stiftung gegenwärtig offenbar nicht behaupten kann.“