Christoph Krupp

Ein Jahr Chef der Senatskanzlei

Foto: Rückert

Bergedorf. Zwei Stunden lang diskutierte Senatskanzlei-Chef Dr. Christoph Krupp beim JuSo-Stammtisch über die Hamburger SPD-Politik. Dabei hatte er viele Themen am Wickel: Windenergie, Bürgerhäuser, Jugendarbeit.

An Stammtischen ist er eher selten anzutreffen, schließlich ist Dr. Christoph Krupp seit ziemlich genau einem Jahr Chef der Senatskanzlei und hat dort 200 Mitarbeiter zu führen. Dennoch machte der Ex-Bezirksamtsleiter für den Bergedorfer Juso-Stammtisch eine Ausnahme und diskutierte mit den jungen Sozialdemokraten zwei Stunden lang über Hamburgs Politik unter Bürgermeister Olaf Scholz. „Toll, dass Du sogar als Staatsrat den Kontakt zu Bergedorf hältst“, begrüßte Juso-Vorsitzender Nils Springborn seinen Gast im Restaurant Am Pool.

Mit Wahlversprechen sei man sehr zurückhaltend gewesen, habe eine gerade Linie gefahren, fasste der 52-Jährige sein erstes Jahr im Senat zusammen: „Wir haben die Studiengebühren abgeschafft, die Erhöhung der Kita-Gebühren zurückgenommen und den Wohnungsbau in Schwung gebracht“, sagte Krupp – und lehnte sich dabei freilich nicht gemächlich zurück. Dass es bei diesen Erfolgen „weder einen wilden Hühnerhaufen noch Spiegelfechtereien“ gegeben habe, sei sicher der sachlich-nüchternen Art des Bürgermeisters zu verdanken, der auch vor der Entscheidung, Sexualstraftäter in Jenfeld unterzubringen, lange nachgedacht habe: „Das bleibt das einzige Angebot der Stadt, das müssen wir durchhalten, auch wenn die Bürger stinkwütend sind.“

Wütend, vor allem ratlos sind auch manche Bergedorfer, machte etwa Katja Kotzbau deutlich, die im Jugendhilfe-Ausschuss sitzt, der zehn Prozent für die offene Kinder- und Jugendarbeit einsparen soll: „Was sollen wir denn machen, wenn wir keinen Jugendclub schließen wollen?“, fragte die 22-Jährige. Krupp meinte, die Jugendzentren müssten künftig mehr an den Wochenenden öffnen, verwies zudem allgemein auf neue Kooperationen für die Ganztagsbetreuung in Schulen.

Auch die Sorge, die Lehramts-Studentin Lisa Rabe (22) umtreibt, wird schwer zu lösen sein: „Die Windkrafträder sollen höher gebaut werden, und nur wir Bergedorfer sind immer die Gelackmeierten, weil es hier so viele Grünflächen gibt.“ Ohne Atomstrom sei Windkraft besonders wichtig, am besten an wenigen Standorten konzentriert, sagte Krupp: „Wir werden auch im Hafen Windräder aufstellen, zudem einige Tausend in der Nord- und Ostsee.“

Ein weiteres Thema, das den Jusos unter den Nägeln brennt, ist der Platzmangel in Hamburgs Uni, wo es selbst in der Bibliothek kaum mehr freie Stühle gebe. Krupp zuckte mit den Schultern: „Die Hochschulen pochen auf Autonomie. Und wenn jetzt 280 statt zuvor 242 Millionen Euro fließen, müsste man dafür vernünftig Uni machen können.“

Weitere Themen drehten sich ums Geld, denn „wir dürfen uns nicht kaputtsparen, müssen auch außerhalb von Steuern die Einnahmen erhöhen“, wandte Wirtschaftsprüfungs-Assistent Lars Poggensee (24) ein – und erntete Gegenwind: „Vielmehr müssen wir die Steuern sogar anheben und fordern eine Vermögenssteuer“, so Krupp.

Ernstes Blickes erklärte der Staatsrat den Bergedorfer Jusos, warum „Olaf es unmoralisch findet, mehr Geld auszugeben als die Hamburger uns geben“. Langfristiges Steuern sei das Zauberwort, um im Jahr 2020 insgesamt 12,5 Milliarden Euro einnehmen zu können, 1,5 Milliarden mehr als heute: „Wir wollen weniger Neues ausprobieren, lieber die guten Dinge erhalten“, kommentierte Krupp auch mit Blick auf das Bürgerhaus Allermöhe: „Wir sollten Bestehendes erhalten, uns auf Sachverstand vor Ort verlassen. So sollte auch der Bezirk argumentieren, wenn es um Geld für die Stadtteilentwicklung geht.“ Genau dieses Thema wird heute, 17.30 Uhr, im Bergedorfer Hauptausschuss diskutiert.