Bürgerpreis

In die Aufgaben nur reingerutscht

Foto: Bluhm

Lohbrügge. Organisations- und Multitalent Ute Schönrock ist seit über 30 Jahren im Dienste des Bürgervereins tätig. Ihr Engagement wurde schon mit der Ehrennadel der Bezirksversammlung geehrt. Jetzt ist sie für den Bürgerpreis vorgeschlagen worden.

Wer drei Jungen großgezogen, oft vier Enkelinnen zu Besuch hat, neun verschiedene Gruppen im Lohbrügger Bürgerverein betreut und mit seinem Team monatlich ein öffentliches Frühstück mit Vortrag für durchschnittlich 70 Personen vorbereitet, weiß, wie man organisiert. Wenn Ute Schönrock (68) die Liste ihres Engagements aufzählt, muss sie lachen. Denn es bleibt noch Zeit zum Lesen, Handarbeiten und im Sommer für den Schrebergarten.

„Manchmal überlege ich, ob ich mich nicht mit ‚Vorzimmer Ute Schönrock’ melden soll“, sagt ihr Mann Fritz und schmunzelt. Bei fast allem ist er mit von der Partie. „Ich bin da reingerutscht“, sagt die gebürtige Holsteinerin, die ihren Mann in Lübeck beim gemeinsamen Arbeitergeber, der Post, kennen gelernt und 1964 geheiratet hat. Mit Umwegen landete das Paar in Lohbrügge. Die Söhne, mittlerweile 46/44/42, wurden geboren.

„In den Bürgerverein sind wir 1971 eingetreten, weil der mittlere Sohn im Ballon-Weitflug (bis Danzig) den ersten Platz gemacht hat“, erinnert sich Ute Schönrock. Allerdings gab es keine Zeit, sich zu engagieren. Klassenelternvertreterin, der Job mit Engagement im Personalrat und Ehefrau waren gerade genug. „Ein bisschen Vorstandsarbeit. Aber 1997 ging es richtig los“, sagt die Seniorin. Da hat sie die Gruppe „Rückengerechte Gymnastik“ als deren Obfrau übernommen. Dabei blieb es nicht: Es folgten „Walken + Talken“, „Yoga“, „Hockergymnastik“, die „Plattschnacker“ und eine „PC-Gruppe“ für Mitglieder des Bürgervereins. Das daran jede Menge Bürokratie hängt – von den Verhandlung über Raummiete, Abrechnung mit Übungsleitern bis zur Auflistung der Musik für Gema-Gebühren und schließlich noch der Jahresbericht für die Mitgliederversammlung – ahnen wenige. Gemütliches Beiwerk sind die Treffen zum Grillen, Frühstücken oder Kaffeetrinken – alle meist in ihrem Schrebergarten.

„Beim Bügeln kam mir so 2007 die Idee, ein Frühstück für Jedermann zu organisieren. Ein allgemein interessanter Vortrag sollte das Angebot komplettieren“, berichtet Ute Schönrock von den Anfängen. „Die große Verlegung der Bushaltestellen“ war 2008 die Premiere, wenngleich noch ohne Frühstück. Abgeltungssteuer und viele andere Themen folgten. Zwölf Personen umfasst ihr eingespieltes Team nach vier Jahren. „Nur einmal hatten wir zu wenig eingekauft. Seitdem gibt es eine Reserve, auch wenn sich niemand anmelden muss“, sagt sie zufrieden. Das „Haus brügge“ stehe kostenlos zur Verfügung, ein Sprungbrett-Mitarbeiter koche Kaffee. Gemeinsam erwirtschaftet das Team aus dem Eintritt (3,50 Euro) sogar Überschüsse. Nutznießer waren bislang die Sternenbrücke, Bergedorfer Tafel, Hospizverein und das Info-Haus Boberg. 2012 soll die „Hilfe für das schwer kranke Kind“ bedacht werden.

Ute Schönrocks Freude über den Erfolg war beim jüngsten Treffen irritiert. Nicht, dass Angela Braasch-Eggert für den erkrankten Bezirksamtsleiter Arne Dornquast vortrug. Als Bezirksversammlungschef Christoph Mallok das Wort ergriff und eine Laudatio über ihren Einsatz hielt, wurde ihr mulmig. „Ich wusste gar nicht, dass es eine Ehrennadel der Bezirksversammlung gibt“, gibt sie zu. „Ich habe mich sehr über die Anerkennung gefreut, vor allem für das Team. Denn allein würde man das nie schaffen“, sagt sie. „Und ohne die ganzen Vorübungen im Sprechen vor vielen Menschen, hätte ich an dem Morgen nicht ein Wort rausbekommen.“