Betrug

Dubiose "Staatsanwältin" fordert Geld am Telefon

Foto: Thomas Schütt / Schütt

Neuallermöhe. Die Telefonbetrüger werden immer dreister und aggressiver. Jetzt haben sich kriminelle Trickbetrüger bei Bergedorfern als "Staatsanwaltschaft" ausgegeben. Im Visir der Betrüger sind vor allem ältere Menschen. Die Verbraucherzentrale schlägt einmal mehr Alarm.

Marlies Vogelaar ist wütend und ratlos. „Kann man denen nicht das Handwerk legen?“, fragt die 67-jährige Neuallermöherin. Schon wieder bekam sie einen ominösen Anruf. Nachdem ihr vor einigen Wochen ein Abonnementvertrag aufgeschwatzt werden sollte, kamen die Betrüger jetzt mit einer ganz besonders dreisten Masche: „Angeblich hatte ich die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Apparat. Die Dame drohte mir mit der Vollstreckung eines Strafbefehls über 5000 Euro“, berichtet Vogelaar empört. Sie habe eine Lotteriefirma betrogen, ihre Monatsbeiträge nicht bezahlt. „Dabei habe ich noch nie im Leben Lotto gespielt“, sagt Vogelaar. Seltsam kam es ihr auch vor, dass die Dame ihr am Telefon anbot, ihr 3500 Euro zu erlassen, wenn sie 1500 Euro sofort bezahle.

Als Marlies Vogelaar schließlich die Geduld verlor und die Anruferin fragte, ob sie das Ganze auch schriftlich haben könnte, fiel die ihr barsch ins Wort. „,Halt die Schnauze’ hat sie zu mir gesagt und den Hörer aufgelegt“, sagt Vogelaar entrüstet. Leider habe das Display ihres Telefons keine Nummer angezeigt, sodass sie den Anruf nicht zurückverfolgen kann.

„Doch auch wenn eine Nummer angezeigt wird, muss das nicht heißen, dass es auch die richtige ist“, sagt dazu die Expertin der Verbraucherzentrale, Julia Rehberg. So habe es in jüngster Vergangenheit sogar Vorfälle gegeben, bei denen die Nummer der Verbraucherzentrale angezeigt wurde, in Wirklichkeit aber ein Betrüger am Telefon war. Auch dabei ging es um Abonnementverträge. „Das Fälschen von Nummern hat leider Konjunktur, genauso wie solche Abzockversuche am Telefon“, sagt Rehberg. Jeden Tag gäbe es in Hamburg mehrere Fälle. Dabei werden die Täter immer aggressiver. „Da wird am Telefon oft eine bedrohliche Stimmung aufgebaut. Gerade ältere Menschen lassen sich davon beeindrucken.“

Am besten sei es, gleich aufzulegen, wenn einem etwas komisch vorkommt. Doch selbst wenn man sich am Telefon einwickeln lässt: „Es besteht ein 14-tägiges Widerrufsrecht, und ganz allgemein sind solche am Telefon geschlossenen Verträge meist nicht gültig.“ Falls Post mit Mahnungen kommt, „einmal per Einschreiben widersprechen und dann einfach nicht mehr reagieren“, empfiehlt Rehberg. Bei Problemen und Fragen berät die Verbraucherzentrale unter Telefon (040)24832-0.