EHEC

Gefährliche Bakterien – Immer mehr Menschen im Krankenhaus

Bergedorf. Der lebensgefährliche Darmkeim EHEC breitet sich weiter aus. Mittlerweile haben sich in Deutschland mehr als 130 Menschen angesteckt. Bei mindestens 40 von ihnen verläuft die Krankheit besonders schwer.

Viele leiden unter Nierenschäden. Der Zustand von mindestens zwei Patienten ist so kritisch, dass sie künstlich beatmet werden müssen. Zahlreiche Menschen liegen auf der Intensivstation, einige von ihnen erhalten Dialyse-Behandlungen. „Die Lage ist weiter ernst“, hieß es gestern aus der Gesundheitsbehörde in Hamburg.

In der Hansestadt und ihrem Umland sind bisher 40 Menschen erkrankt. Das Bergedorfer Bethesda Krankenhaus meldet zwölf Verdachtsfälle. „Wir sind gut vorbereitet“, sagte Bethesda Sprecher Andreas Rasche. Schließlich sei die Klinik seit kurzer Zeit auch mit einem modernen Isolationsraum, speziell zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, ausgestattet. „Wir gehen das routiniert an“, sagte Rasche. Dennoch sei die Häufung der Erkrankungen eine besondere Situation. Jetzt greife der für solche Fälle erstellte Pandemie-Plan der Klinik.

Auch im Johanniter-Krankenhaus in Geesthacht sind vier Menschen mit Verdacht auf eine EHEC-Erkrankung stationär aufgenommen worden. „Wir müssen die Patienten isolieren. Sie dürfen ihre Zimmer nur in Ausnahmefällen mit Mund und Nasenschutz verlassen und nichts anfassen“, sagte Dr. Ulrike Müller, Hygienebeauftragte und Oberärztin. Auch Ärzte dürften nur mit Kittel, Handschuhen, Haar-, Mund- und Nasenschutz zu den Erkrankten. „Die Hände sehr oft zu desinfizieren , ist das A und O“, mahnte die Ärztin. Außerdem werde derzeit doppelt so häufig im Krankenhaus geputzt als sonst. Das ist eine präventive Maßnahme: „Es können auch Menschen hier infiziert sein, die noch gar keine Symptome zeigen.“ Dr. Müller empfiehlt Menschen mit Anzeichen wie Magenkrämpfen und wässerigem oder blutigem Durchfall, dringend zum Hausarzt zu gehen.

„Die Zahl der schweren Verläufe in einem kurzen Zeitraum ist sehr ungewöhnlich, auch die betroffenen Altersgruppen sind untypisch. Aktuell sind vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen, betroffen“, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Die etwa 40 schweren Verläufe litten unter dem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das von dem Darmbakterium verursacht wird. Dabei kann es zu Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einem Mangel an Blutplättchen kommen.

Die schweren Erkrankungen, die auch von blutigen Durchfällen begleitet seien, häuften sich seit der zweiten Maiwoche. Laut RKI treten auch weiterhin neue Fälle auf. Erkrankt seien vor allem Menschen in Norddeutschland. Ein Team des Robert Koch-Instituts ist derzeit in Hamburg, wo bislang rund 30 HUS-Fälle gemeldet wurden.

In Niedersachsen und Bremen sind bislang 69 EHEC-Patienten bekannt. „Bei einigen besteht Lebensgefahr“, sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, in Hannover. In Schleswig-Holstein lagen am Montag 90 Verdachtsfälle vor, darunter 13 mit besonders schwerem Verlauf.

In Hessen erkrankten offiziellen Angaben zufolge bislang 16 Menschen an dem EHEC-Bakterium. Mecklenburg-Vorpommern meldet drei bestätigte Fälle und Nordrhein-Westfalen zwei. Im Saarland haben sich mindestens drei Menschen infiziert. In Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern gab es am Montagnachmittag noch keine bestätigten Fälle.

Zu den Symptomen der Erkrankung zählen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Normalerweise sind nach RKI-Angaben Kleinkinder betroffen. Warum sich nun vor allem Erwachsene infizieren, ist Experten unklar.

Ungewaschenes Obst und Gemüse könnten den Wissenschaftlern zufolge der Auslöser sein. Aber auch rohe Milch oder rohes Fleisch als Grund für die Krankheit bleiben im Visier der Fahnder. Befragungen von Patienten in Niedersachsen ergaben ebenfalls, dass vermutlich Gemüse die Ursache der Infektionen ist. Das Lebensmittel müsse sich noch irgendwo im Handel befinden, sagte Pulz vom Gesundheitsamt in Hannover.