Testkauf

Die Kunst, einen Wintermantel zu finden

Bergedorf. Luftballons, wohin das Auge schaut. Von „TK Maxx“, von C&A und von Ulla Popken. Von Deichmann, von Heymann, von Jack Wolfskin. Die schönsten hat Nordsee in Form eines Zeppelins.

Die Blasmusik ist ohrenbetäubend. Unsere Redaktions-Praktikantin Melina Wilhelm und ich können uns kaum verständigen. Wir sind am Eröffnungstag ins neue CCB gefahren, um auszuprobieren, wie gut man hier wohl einkaufen kann.

Bei C&A werde ich sofort fündig. Gleich rechts am Eingang gibt es schicke Kapuzen-Sweatshirts für schlappe 9 Euro und dann noch in meinen Lieblingsfarben Türkis, Violett und Grau – die nehm’ ich mit. Die schwarze Übergangsjacke ist mit 59 Euro auch nicht zu teuer und für die Jahreszeit genau richtig. Auch am Tisch mit den fünf Paar Socken für 7 Euro komme ich nicht vorbei, ohne zuzugreifen. Ob es bei diesen moderaten Preisen auch einen Wintermantel für mich gibt? „Da müssen Sie zur Mönckebergstraße fahren“, erklärt mit die Dame an der Kasse nicht wirklich unfreundlich, aber auch nicht gerade teilnahmsvoll.

„Vero Moda“ hat einen DJ engagiert, der Techno-Beats in moderater Lautstärke auflegt. So gelingt es mir mühelos zu erfahren, dass die Herren-Abteilung „Jack & Jones“ heißt und schräg gegenüber in der ersten Etage liegt. Dort finde ich für 89,95 Euro eine gut gefütterte Jacke, aber keinen Wintermantel. Auch nicht nebenan bei „edc by Esprit“, wo die bezaubernde Verkäuferin Nicole mir einen ebenso bezaubernden Baumwollpulli in Dunkelgrau präsentiert. Der fühlt sich herrlich weich und schwer an, hat wie meine neuen Sweatshirts eine Kapuze, und die ist innen mit kariertem Tweedstoff gefüttert. Very british. Ich nehm’ ihn mit.

Zeit für einen Drink. An der Saftbar im Erdgeschoss entscheide ich mich für einen „Kinky Kiwi“ mit Kiwi, Banane, Ahornsirup und Joghurt. Der ist absolut lecker, mit 3,70 Euro für die mittlere Größe aber auch stattlich bezahlt.

Die Mädels bei „Trinity“ spendieren mir einen Sekt, der die Seele prickeln lässt. Ich bin schon in Laune, mir für 59 Euro so ein stylisches Lederarmband mit Edelstahl zuzulegen. Aber ich weiß ja schon, was Tina zu Hause sagen wird: „Geht’s vielleicht auch ein bisschen weniger prollig?“

Lieber schnell einen Kaffee trinken, damit mir nicht noch mehr blöde Gedanken kommen. Gerade habe ich mich im „fee café“ in einen Ledersessel fallen lassen, einen Café Latte für 3,60 Euro bestellt und am reichhaltigen Kuchenbuffet die süße Qual der Wahl durchlitten, da treffe ich Melina. „Hey“, sagt sie, „ich hab’ bei Görtz Schuhe bekommen, die waren von 40 auf 20 Euro runtergesetzt.“ Außerdem hat der Techno-Sound bei Vero Moda sie animiert, ein T-Shirt und eine Wolljacke zu kaufen. Und sie hat einen Tipp für mich: „Schau mal bei Heymann rein, die haben auf zwei Etagen eine Riesen-Auswahl Bücher.“

Gesagt, getan. Ob die wohl auch schon die brandneue Autobiografie von Rolling Stone Keith Richards haben? Klar ist sie da, und die Buchhändler können mir auf Anhieb sagen, wo sie steht. Her damit und an die Kasse.

Bei Jack Wolfskin gibt es keinen Wintermantel, und auch bei „TK Maxx“ nicht. Dafür finde ich einen bildschönen s.Oliver-Pulli in Braun und Oliv, von 39,90 Euro auf 19,90 Euro herabgesetzt. Nur die Kasse finde ich erstmal nicht, denn es steht nicht „Kasse“, sondern „Service“ oben dran. Was man heute alles wissen muss…

Nebenan bei Deichmann entdecke ich kuschelweiche Hauspuschen im Hasen-Look. Das ist doch was für Tina, mein Häschen, und bei 9,95 Euro wirklich fast geschenkt. In der Mall kommt mir Melina entgegen, unter ihrer witzigen Mütze von C&A hätte ich sie fast nicht erkannt. „Sag mal, hast Du irgendwo ein Geschäft mit DVDs, Computer- und Konsolenspielen gesehen?“, fragt sie mich. Nee, hab’ ich nicht. Fehlt hier wohl.

Und kann es denn sein, dass es in diesem sonst so glanzvollen Center nirgendwo einen Wintermantel für mich gibt? Ich probier’ es jetzt einfach mal im alten CCB-Teil, suche meinen Weg vorbei an der riesigen Sandkiste auf der Brücke, lande beim guten, alten Peek & Cloppenburg. Und tatsächlich: Hier im Erdgeschoss werde ich fündig, bekomme für 199 Euro einen molligwarmen Pierre Cardin-Mantel. Geht doch, Leute.