Bergedorf

35 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr

Die fortlaufende Corona-Krise setzt dem Hamburger und dem Bergedorfer Arbeitsmarkt zu (Symbolfoto).

Die fortlaufende Corona-Krise setzt dem Hamburger und dem Bergedorfer Arbeitsmarkt zu (Symbolfoto).

Foto: Oliver Berg / dpa

Bergedorfs Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 9,0 Prozent. Corona lässt die Zahlen steigen. Wenig Angebote für gewerbliche Helfer.

Bergedorf.  Die fortdauernde Corona-Krise setzt dem Hamburger und dem Bergedorfer Arbeitsmarkt noch heftiger zu, als Experten vor wenigen Monaten befürchtet haben: „Erstmals seit Einführung von Hartz IV vor 15 Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg auf über 90.000 gestiegen“, erklärt der Geschäftsführer von Hamburgs Agentur für Arbeit Reinhold Wellen bei der monatlichen Präsentation der Arbeitsmarkt-Statistik. Danach ist die Zahl der Arbeitslosen in der Hansestadt von Ende Juni bis Ende Juli 2020 um 3365 Personen oder 3,8 Prozent auf 91.140 gestiegen.

Verglichen mit dem Vorjahresmonat Juli 2019 ist das eine Steigerung um 35,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote in Hamburg liegt jetzt mit 8,5 Prozent um 0,3 Prozentpunkte höher als vor einem Monat, im Juli 2019 lag Hamburgs Quote noch bei 6,3 Prozent.

Zahl der Arbeitslosen steigt in Bergedorf

Im Bezirk Bergedorf sieht es nicht besser aus. Hier stieg die Arbeitslosenzahl im vergangenen Monat um 294 Personen oder 4,7 Prozent auf 6573 Menschen, gegenüber dem Juli 2019 sind das 34,7 Prozent Steigerung. Bergedorfs Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 9,0 Prozent gegenüber 6,7 Prozent vor einem Jahr.

„Weiterhin gilt: Personalsuche findet statt, aber auf deutlich niedrigerem Niveau als vor Corona“, sagt Matthias Finck, Chef der Bergedorfer Agentur für Arbeit. Nach seinen Worten wird in allen Branchen noch immer vorwiegend nach Fachkräften gesucht, während es für gewerbliche Helfer nur wenige Angebote gibt. Dem entgegengewirkt haben laut Finck allerdings im vergangenen Monat zwei „Großaufträge“ von örtlichen Arbeitgebern, ohne welche die Bergedorfer Statistik noch düsterer geraten wäre: Die Schmuck-Firma „Pandora“ hat sich mit einem Großlager im Gewerbegebiet Allermöhe angesiedelt und sucht dafür Lageristen, zudem hat der Produzent technischer Textilien Herbert Rehn GmbH an der Gerhard-Falk-Straße die Produktion von Corona-Masken aufgenommen und sucht dafür gewerbliche Mitarbeiter, die Erfahrung mit Textilwerkstoffen haben. Allein mit diesen beiden Unternehmen sind in Bergedorf rund 100 neue Arbeitsplätze entstanden.

Weniger dramatisch sieht es in Schleswig-Holstein aus

Auch im hamburgnahen Nachbarkreis Stormarn ist die Entwicklung des Arbeitsmarktes vergleichbar schlecht: Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen seit Ende Juni hier nur noch um 60 Personen oder 2,5 Prozent auf 2416 gestiegen. Aber auch dies sind 34,8 Prozent mehr als vor einem Jahr, wenn auch die Quote noch bei nur 4,3 Prozent liegt, vor einem Jahr betrug sie 3,2 Prozent.

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Etwas weniger dramatisch als in der Metropolregion sieht es dagegen in gesamt Schleswig-Holstein aus: mit aktuell 98.800 Arbeitslosen 22,9 Prozent mehr als vor einem Jahr, Quote 6,3 Prozent gegenüber 5,1 Prozent im Juli 2019. „Schleswig-Holstein zwischen den Meeren ist Tourismus-Land, und halb Deutschland fährt jetzt an die Küsten“, erklärt Marina Marquardt, Sprecherin bei der Hamburger Arbeitsagentur. Zudem sei Hamburgs Hafen schwer vom coronakriselnden Export betroffen.