Hamburg/Bergedorf

Wieder regulärer Unterricht für alle Schüler im Norden

Der Unterricht findet mit Beginn des neuen Schuljahres in Hamburg wieder in der Schule statt (Symbolfoto).

Der Unterricht findet mit Beginn des neuen Schuljahres in Hamburg wieder in der Schule statt (Symbolfoto).

Foto: Marijan Murat / dpa

So läuft der Start nach den Sommerferien. Eine Abstandspflicht innerhalb der Jahrgänge entfällt. Auch Musik und Sport finden statt.

Hamburg/Bergedorf. Der Unterricht findet mit Beginn des neuen Schuljahres am 6. August in Hamburg wieder in der Schule statt – und zwar für alle Klassen und Jahrgangsstufen in allen Fächern. Nach den wochenlangen Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie sollen auch die Angebote zur Ganztagsbetreuung wieder in vollem Umfang aufgenommen werden. Das kündigte Schulsenator Ties Rabe (SPD) in der Landespressekonferenz an.

„Wir sind damit sehr nahe an dem schulischen Angebot, wie wir es von früher kennen. Nicht ganz vollständig ist das Angebot, weil nach wie vor eine Reihe von Hygiene- und Abstandsregeln im Schulbetrieb eingehalten werden müssen“, sagte Rabe. Der Unterricht soll auch in den Fächern Sport, Schwimmen, Musik und Theater stattfinden, allerdings gelten wegen der höheren Infektionsgefahr besondere Vorsichtsmaßnahmen. Sportarten mit Körperkontakt sind zum Beispiel nicht erlaubt. Beim Singen im Fach Musik muss ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten werden.

Lehrer dürfen im Unterricht eine Maske tragen

Kernelement des künftigen Schulbetriebs soll Unterricht in Klassen sein, nicht in Kleingruppen. Im Klassenraum gilt nicht die Abstandspflicht von eineinhalb Metern. Die Schulen sollen den Ablauf so organisieren, dass die Kontakte zwischen den Schülern reduziert und auf die eigene Klassenstufe beschränkt bleiben. Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen müssen den Mindestabstand einhalten.

Schülern und Lehrern wird empfohlen, auf den Fluren der Gebäude Mund-Nase-Bedeckungen zu tragen, vorgeschrieben ist es nicht. Lehrer dürfen auch im Unterricht eine Maske tragen. Die Schulbehörde verteilt an alle Schulbeschäftigten kostenlos rund 30.000 Plexiglas-Visiere und FFP2-Masken.

„Es ist trotz der in Hamburg erfreulichen Entwicklung der Pandemie nicht auszuschließen, dass bei einer dramatischen Verschlechterung der Lage der Präsenzunterricht wieder eingeschränkt werden muss“, sagte der Schulsenator.

Die Situation in den Bergedorfer Schulen

Fragen sind aber noch offen, so zur Umsetzung von Sport-, Musik- und Theaterunterricht, dazu sollen noch zusätzliche Regelungen folgen. Ebenso wird noch eine Antwort darauf erwartet, warum 3.,4.,5. und 7. Klassen in den Kernfächern getestet werden – damit Förderkonzepte für Lernrückstände erarbeitet werden können: „Ich bin verwundert, warum das nicht für die 6. Klassen gelten soll, wo schließlich bald Entscheidungen getroffen werden müssen“, kritisiert Sven Kuvecke, Vorsitzender des Bergedorfer Kreiselternrats.

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Wie alle Schulen hält auch das Luisen-Gymnasium an seinen Einbahnstraßen-Regeln in den Gängen fest. Und will weiterhin viel und oft lüften: „Da bin ich gespannt, wie das zur kalten Jahreszeit wird, wenn alle mit Schal und Mütze dasitzen“, meint Rektor Dr. Werner Baum. Er betont, dass alle derzeitigen Lockerungen unter Vorbehalt stehen: „Vielleicht wäre eine Maskenpflicht für alle doch sinnvoll, schließlich schützt man damit ja die anderen.“

Trennung der Jahrgänge in den Pausen schwierig

Baum ahnt, dass insbesondere die pubertierende Mittelstufe damit Probleme hätte: „Aber die stellen ja viele Regeln in Frage, das ist unser täglich Brot“, sagt er lächelnd: „Wir müssen weiterhin vorsichtig bleiben, mit Disziplin und Verantwortungsbereitschaft.“ Das gelte ebenso für die Lehrer, die nach wie vor 1,5 Meter Abstand voneinander halten sollen – künftig in mehreren kleineren Lehrerzimmern.

Am Freitag sitzt Jörg Schmidt mit der Leitungsgruppe der Gretel-Bergmann-Schule zusammen, um die Umsetzung der Senatsankündigung zu besprechen. Schmidt, kommissarischer Leiter der Neuallermöher Stadtteilschule, hat bei aller Zustimmung für die Rückkehr zur Normalität doch noch Fragen: „Im Unterricht ist die Trennung der unterschiedlichen Jahrgänge nicht so schwer, doch wie das in der Pause für eine Schule mit etwa 1200 Schülern organisiert werden soll, ist für mich derzeit schwer vorstellbar.“ Deshalb will Schmidt „möglichst wenig Kreuzungswege“ für seine Schüler zulassen.

Weitere Ungewissheit: Das 138-köpfige Kollegium der Gretel-Bergmann-Schule ist vom Altersdurchschnitt jünger aufgestellt, corona-anfällig ist es dennoch: Etwa 15 Kollegen, die altersmäßig nicht zur Corona-Risikogruppe zählen, hätten Vorerkrankungen und damit per Attest die Möglichkeit, sich vom Unterricht befreien zu lassen: „Sollten sie ausfallen, dann wäre das sehr belastend für den Schulbetrieb. Das gilt besonders in Richtung Winter, wenn durch Grippe oder ähnliches der Krankenstand sowieso höher ist“, blickt Schmidt nicht ohne Sorge voraus.

Aufteilung nach Jahrgangsstufen auch in Schleswig-Holstein

Auch in Schleswig-Holstein ist eine Aufteilung nach Jahrgangsstufe geplant. Innerhalb der Jahrgänge fällt die Abstandsregel, dafür sollen Kontakte zwischen den Jahrgängen möglichst vermieden werden. „An die Stelle des durchgängig einzuhaltenden Abstandsgebots tritt das Kohortenprinzip”, heißt es in einem Konzept für das neue Schuljahr. Im Infektionsfall könnte dann nur die entsprechende Kohorte in Quarantäne geschickt werden: Statt die gesamte Schule zu schließen, wäre nur eine Jahrgangsstufe betroffen.

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Bergedorfs Kreiselternrat begrüßt die Entwicklung: „Die Mehrheit der Eltern wünscht sich eine Rückkehr zur Normalität und geregelten Unterricht in gewohnter Klassengröße“, sagt der Vorsitzende Sven Kuvecke.