Vor Reinigung

Chemie-Unfall in Reinbek – sechs Menschen verletzt

Feuerwehrleute streuen den verseuchten Bereich großflächig mit Bindemittel ab.

Feuerwehrleute streuen den verseuchten Bereich großflächig mit Bindemittel ab.

Foto: News&Art / Carsten Neff

Am Ladenzentrum sind 60 Liter Perchlorethylen ausgelaufen. Auch Polizisten müssen ins Krankenhaus.

Reinbek.  Großeinsatz für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei am Ladenzentrum beim Täbyplatz in Reinbek: Vor einer Reinigung ist am Mittwochmorgen gegen 8.55 Uhr ein Fass mit einer giftigen Chemikalie ausgelaufen. Sechs Menschen wurden verletzt, darunter zwei Mitarbeiter des Rettungsdienstes sowie zwei Polizisten. In dem Fass befand sich laut Feuerwehrsprecher Joachim Stanisch die Chemikalie Perchlorethylen, die auch für das Reinigen von Textilien eingesetzt wird.

Sie gilt als giftig, krebserregend und umweltgefährdend. Die Inhalation kann zu schweren Atemwegsreizungen führen. Reinigungsmitarbeiterin kam mit Flüssigkeit in Berührung Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei ist dem Fahrer eines Lieferwagens das Fass beim Entladen aus der Hand geglitten.

Dabei hat sich der Springdeckel gelöst. Etwa 60 Liter der Flüssigkeit haben sich daraufhin über den Weg ergossen und sind die Straße hinuntergeflossen. Möglicherweise sind Teile der Flüssigkeit auch in Gullys gelaufen. Der Fahrer und eine Mitarbeiterin der Reinigung sind vermutlich mit der Flüssigkeit in Berührung gekommen. Der sofort alarmierte Rettungsdienst kümmerte sich um die Verletzten. Dabei haben zwei Sanitäter offenbar ebenfalls die Dämpfe eingeatmet. Sie litten unter schwerer Atemnot. Zwei Polizisten, die wiederum den Rettungskräften zur Hilfe eilten, wurden ihrerseits durch das Einatmen der giftigen Stoffe verletzt. Alle sechs Menschen wurden unter Aufsicht des Leitenden Notarztes vor Ort versorgt und anschließend in das nahe gelegene Krankenhaus St. Adolf-Stift gebracht. Über ihren Gesundheitszustand gibt es noch keine Erkenntnisse.

Feuerwehr mit 20 Helfern vor Ort

Die Reinbeker Wehr war mit 20 Helfern vor Ort, dazu kamen laut Stanisch 14 Kräfte von Rettungsdienst samt Notarzt sowie der Polizei. Auch der Löschzug Gefahrgut (LZG), eine auf Katastrophenschutz spezialisierte Truppe der Feuerwehren im Kreis Stormarn, war in Reinbek mit acht Personen im Einsatz. „Die Kollegen mussten aber nicht aktiv werden“, sagt Stanisch. Die Ehrenamtler der Reinbeker Wehr waren am Täbyplatz rund drei Stunden beschäftigt, streuten bis 12 Uhr den kontaminierten Bereich mit Bindemittel ab und sperrten diesen weiträumig. Und sie machten Passanten darauf aufmerksam, andere Wege zu nutzen, um an ihr Ziel zu gelangen. Am Mittwoch ist Markttag am Täbyplatz und sehr viel Betrieb. „Der Markt war außerhalb der Gefahrenzone“, berichtet Stanisch. Keiner der Stände sei abgebaut worden. „Aber wir hatten viel weniger Kunden als sonst“, sagt Pflanzenhändler Marten Bornhöft.

Polizei ermittelt in dem Fall

Auch die angrenzende Dialyse blieb geöffnet. Nach dem Einsatz am Ladenzentrum war für Stanisch und seine Mitstreiter der Dienst nicht beendet. Sie reinigten in der Wache Fahrzeuge, Geräte sowie Kleidungsstücke. Das dauerte noch einmal rund eineinhalb Stunden. Das Umweltamt aus Bad Oldesloe rückte ebenfalls an. Eine Spezialfirma wurde mit der Reinigung der Straße und Kontrolle der Kanalisation beauftragt. Dies zog sich bis in den späten Nachmittag hin. Die Polizei ermittelt nun, ob der Lieferant die erforderlichen Bestimmungen zum Umgang mit Gefahrgut eingehalten hat. Es waren weitere Fässer im Fahrzeug, die aber allesamt nicht beschriftet oder gelabelt waren.

Was ist Perchlorethylen?

  • Nicht brennbare, farblose, flüchtige Flüssigkeit
  • Lösungsmittel wird in der Textil-, Film- und Metallindustrie angewendet
  • Krebserregender Gefahrstoff
  • Verzehr kann zu Leber- und Nierenschäden führen