Bürgerpreis

Liebe zu Büchern und zum Ehrenamt

Bürgerpreiskandidatin Sabine Schwarz ist Lesepatin in der DRK-Kita in Reinbek.

Bürgerpreiskandidatin Sabine Schwarz ist Lesepatin in der DRK-Kita in Reinbek.

Foto: Tim Schreiber / BGZ / Tim Schreiber

Reinbek. Sabine Schwarz hat gleich zwei Ehrenämter: Sie liest Kindern in der Kita vor und hilft Schülern beim Deutschlernen.

Reinbek.  Wenn Sabine Schwarz die DRK-Kita am Schmiedesberg betritt, hat sie nicht nur ein Lächeln auf den Lippen, sondern sie trägt auch einen Jutebeutel über der Schulter. Darin ist frischer Lesestoff, den sie für die Kinder mitgebracht hat.

„Wir haben 5600 Bücher zu Hause, die mein Mann alle durchkatalogisiert hat und natürlich auch ganz viele Kinderbücher“, sagt die 65-Jährige, die selbst drei Töchter und mittlerweile zwei Enkelinnen hat. In den Jahren hat sich eben einiges angesammelt – und noch immer kann sie schlecht an Buchläden vorbeigehen.

Einmal in der Woche ist Vorlesestunde

Diese Liebe zu Büchern kommt auch den Kita-Kindern zu Gute. Seit drei Jahren kommt die Reinbekerin einmal in der Woche zu ihnen und liest Geschichten vor, meistens in zwei Gruppen nacheinander. Zuhören kann, wer gerade Lust hat. Nicht selten sind es acht Kinder gleichzeitig, die sich um das Buch herum scharen.

„Mir macht das Vorlesen selbst unheimlich Spaß“, erklärt Schwarz ihr Ehrenamt, „und natürlich kommt von den Kindern ganz viel Freude und Dankbarkeit zurück.“ Toll findet sie es zum Beispiel, wenn sie beim Einkaufen von ihren Schützlingen erkannt und mit einem breiten Lächeln gegrüßt wird: „Da geht einem schon das Herz auf.“

Bei den Kindern beliebt

Sabine Schwarz’ Antrieb hat aber auch einen anderen Hintergrund: „Bei den Kindern wird zu Hause heute nicht mehr so viel gelesen.“ Zwar spiele das Vorlesen natürlich in der Kita ohnehin eine große Rolle, aber ihre Besuche seien eine willkommene Abwechslung für die Kinder und eben etwas „Besonderes“. Das bestätigt auch eine Erzieherin der Bärengruppe: „Wenn Sabine zu uns kommt, gehen alle Kinder gern zu ihr. Sie macht das ganz liebevoll und sehr altersgerecht“, sagt Conny Koch.

Mit ihrem Engagement hat die ehemalige Buchhalterin nicht erst angefangen, seit sie vor zweieinhalb Jahren in Rente gegangen ist. Schon seit 1998 ist Schwarz Gründungsmitglied des Vereins Kontakt, der aktuell nicht nur rund 70 Lesepaten unter seinem Dach vereint, die in der Kita, Grundschulen und Büchereien lesen.

Die Initiative hat auch die Kamingespräche im Reinbeker Schloss initiiert. Und sie hilft Kindern und Jugendlichen, die in schwierigeren Verhältnissen leben, in denen etwa Trennungen, Sucht oder Arbeitslosigkeit Themen sind. Über Jahre begleiten Ehrenamtler dann die Kinder, helfen ihnen daraus entstehenden Lernschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen oder Unzuverlässigkeit bei den Hausaufgaben zu überwinden.

Langjähriges Engagement

15 Jahre lang war Schwarz im Vorstand des Vereins und – als gelernte Buchhalterin – für die Finanzen zuständig. Seit 2015 hat sie die Zahlen hinter sich gelassen und widmet sich voll und ganz dem Lesen. Und das nicht nur als Lesepatin in Reinbek. Bereits seit einigen Jahren kümmert sie sich um Schüler im DaZ-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache) in Glinde. Zweimal in der Woche liest sie ganz einfache Bücher mit Schülern, die noch nicht gut genug Deutsch können, um in einer Regelklasse unterrichtet zu werden.

„Die Schüler kommen zum Beispiel aus Syrien, Irak oder Jemen“, sagt Schwarz. Vor allem die Mädchen seien unglaublich froh, dass sie so viel lernen dürfen. Erfüllend sei ihr Engagement besonders, wenn sie die schnellen Fortschritte sehe, die die Fünft- bis Zehnklässler beim Lernen machen. Nicht nur die Schüler auch die Lehrer am DaZ schätzen ihre Besuche deshalb sehr.

Sabine Schwarz ist deshalb überzeugt von ihren Ämtern. Weil der Staat nicht alles leisten könne, seien eben auch die Bürger gefragt: „Ich habe mein Leben lang nur in Frieden und Wohlstand gelebt. Uns geht es so gut, dass wir alle auch versuchen sollten, etwas zurückgeben.“ Statt nur an sich zu denken, finde sie es viel erfüllender, sich zu engagieren. So wird die 65-Jährige sich auch weiter regelmäßig auf den Weg zu Kindern machen – mit einem Jutebeutel voller Bücher und einem Lächeln im Gepäck.